Flüchtlingsdebatte

Ausstellung zeigt Kanzlerin Merkel in einem Flüchtlingsboot

Auf eine riesige Beethoven-Figur richteten sich die Blicke der Besucher, die in der St.-Marien-Kirche Brauck die Ausstellungseröffnung „Jeder Flüchtling ist ein Mensch“ erlebten.

Auf eine riesige Beethoven-Figur richteten sich die Blicke der Besucher, die in der St.-Marien-Kirche Brauck die Ausstellungseröffnung „Jeder Flüchtling ist ein Mensch“ erlebten.

Foto: Lutz von Staegmann / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Die Schau „Jeder Flüchtling ist ein Mensch“ in der Zukunftskirche St. Marien ist eröffnet. Figuren von Jana Merkens verblüffen die Besucher.

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Eine überdimensionale Skulptur hat ihren Platz an der Sonne, als sich die Tür der Zukunftskirche St. Marien öffnet. Es ist Ludwig van Beethoven mitten im Gotteshaus: Die Figur wurde – wie die anderen Figuren – aus Ton modelliert, später abgeformt und dann in Silikon gegossen Die junge Künstlerin Jana Merkens hat ihn zusammen mit anderen hyperrealistischen Figuren nach Gladbeck gebracht. Kurios ist: Der deutsche Komponist spielt in der Präsentation „Jeder Flüchtling ist ein Mensch“ nur eine Nebenrolle. Es geht nicht um die musikalische Harmonie, sondern um das Zusammenleben verschiedener Kulturen und die Flucht vor dem Krieg.

Kanzlerin Merkel sitzt mit im Flüchtlingsboot

Im Altarraum der katholischen Kirche in Brauck werden einzelne Schicksale gezeigt – dargestellt von aus Silikon gestalteten, künstlerischen Figuren: Angela Merkel Seite an Seite mit Flüchtlingen einem Gummikahn, eine Anspielung auf ihr bekanntes Zitat: „Wir sitzen zusammen in einem Boot!“ Ein trauriges Paar mit Baby im Arm und abgelehntem Bescheid in der Hand hockt neben dem lächelnden Papst Franziskus. Er macht zusammen mit einer Muslima ein Selfie. „Zwei verschiedene Religionen, die wunderbar harmonieren“, beschreibt Merkens. Eine Harmonie, die Dyala Malla Khalil bestätigt. Die 19-jährige Syrerin, die sich im internationalen Freundschaftschor engagiert, kam vor drei Jahren mit ihrer Mutter und ihrem Bruder nach Deutschland: „Wir fühlen uns in Gladbeck sehr wohl. Ich habe sofort neue Freunde gefunden.“

„Sie sagen, was an den Wänden steht. Ausländer raus!“, beginnt Ulrich Völker von der Zukunftskirche seine Rede zur Ausstellungseröffnung. Aber, so unterstrich er: Jeder könne im Laufe seines Lebens ein Flüchtling sein.

15.000 Flüchtlinge ertranken im Jahr 2018

Der stellvertretende Bürgermeister Ulrich Namyslo erinnert sich an den kleinen Jungen, der 2015 tot an der türkischen Mittelmeerküste fotografiert und zum globalen Symbolbild in der Flüchtlingsdebatte wurde. „Viele der toten Flüchtlinge bleiben namenlos. Hier und heute wird ein Zeichen gegen Anonymität und für Mitgefühl gesetzt“, so Namyslo.

Eine Besucherin der Ausstellung ist „unheimlich berührt“

Die Exposition stößt auf Begeisterung. „Es ist unfassbar, wie jemand solche lebensechten Figuren schaffen konnte“, so Angelika Körber aus Gladbeck. Ihre Begleiterin Edith Kerkhoff ist ähnlich erstaunt: „Ich bin unheimlich berührt. Die Ausstrahlung der Skulpturen ist so intensiv und lebensnah. Ich hatte Gänsehaut.“ Der internationale Freundschaftschor bringt die Botschaft des Tages musikalisch auf den Punkt: „Give us a chance“ hallt es durch den vollen Raum und lässt Beethovens Gesicht im Schein der Sonne strahlen.

Neben der Skulpturenausstellung sind bis zum 8. Dezember Fotografien zwölf junger Mädchen, die im Rahmen eines Projekts des Mädchenzentrums entstanden sind, zu sehen.

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