Kulturausschuss

CDU fordert barrierefreien Aufzug am Gladbecker Museum

Der Zugang zum Museum im Obergeschoss des Fachwerkbaus ist derzeit für gehbehinderte Menschen nur umständlich über einen langsamen Treppenlift möglich, der nur vom Fachpersonal aufgebaut und bedient werden darf.

Der Zugang zum Museum im Obergeschoss des Fachwerkbaus ist derzeit für gehbehinderte Menschen nur umständlich über einen langsamen Treppenlift möglich, der nur vom Fachpersonal aufgebaut und bedient werden darf.

Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Die Rechtslage für barrierefreie Museen ist eindeutig. Die Gladbecker Verwaltung will das Projekt verfolgen, sieht aber noch dringendere Aufgaben

Ein barrierefreier Zugang über einen Aufzug zum Museum der Stadt Gladbeck wird noch weiter auf sich warten lassen. Das wurde jetzt im Kulturausschuss deutlich, wobei die Vertreter der CDU der Verwaltung deutlich machten, dass ihre Geduld dazu erschöpft ist und dafür auch Zustimmung von der SPD erhielten. Denn ein Aufzugbau im oder am denkmalgeschützten Gebäude ist ja kein neues Thema. Seit Jahrzehnten ist es immer mal wieder diskutiert worden. Und die Rechtslage ist eindeutig.

Letzteres stellte Ratsfrau Müzeyyen Dreessen (CDU) nochmal im Ausschuss am Montagabend fest: Nach dem Grundgesetz, dem Behindertengleichstellungsgesetz sowie der UN-Behindertenrechtskonvention müsse Menschen mit Behinderung gleichberechtigter Zugang zu kulturellen Einrichtungen ermöglicht werden.

Die Christdemokraten hatten das Thema Aufzug und behindertengerechte Museums-Toilette deshalb bereits im April im Kulturausschuss auf die Tagesordnung gebracht, dabei auf aktuelle Fördermöglichkeit von bis zu 70 Prozent über ein Programm des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe (LWL) verwiesen.

Aufzugsanlage im Inneren des Museums würde den Ausstellungsbereich einschränken

Kulturamtsleiterin Gabi Stegemann hatte darauf in der Frühjahrssitzung gesagt, dass das Problem schon lange im Fokus sei und bereits an verschiedenen Planungsvarianten gearbeitet werde. Die erste stellvertretende Bürgermeisterin Brigitte Puschadel (SPD) ergänzte, dass dazu auch ein Förderantrag der Stadt beim (LWL) gestellt sei. Recherchen der WAZ ergaben, dass dies nicht der Fall ist. Dafür entschuldigte sich Brigitte Puschadel jetzt in der aktuellen Sitzung, sie habe da wohl etwas missverstanden.

Zu den Problemlösungen bezog dann Martin Plischek, Leiter des Immobilienamtes der Stadt, Stellung. Zunächst führte er den Kulturausschuss, der im Wasserschloss tagte, durch die Räume des Museums, um darzustellen, wo die Installation von Aufzug und Toiletten innerhalb des Gebäudes denkbar wäre. In anschließender Beamer-Präsentation mit Gebäudeplänen verdeutlichte Plischek, wo bei dieser Variante Ausstellungsfläche und alte Substanz verloren gingen. Noch völlig unklar sei zudem, ob die Pfahlrost-Gründung der alten Fundamente für die Belastung eines Aufzugbaus bis zum Dachgeschoss ausreiche. Die Kosten ließen sich deshalb noch nicht abschätzen, es müsse aber von einem sechs- bis siebenstelligen Betrag ausgegangen werden. Als vorteilhafter bewertet werde so vom Immobilienamt ein luftiger, dem Gebäude mit etwas Abstand vorgelagerter und über Querverbindungen angeschlossener Aufzugturm inklusive Toilettenanlage im Innenhof. Zu dieser Variante seien aber noch keine Vorplanungen erfolgt.

Deutliche Kritik der CDU, die sich über eine Hinhaltetaktik der Verwaltung beschwert

Das führte zu deutlicher Kritik der CDU, die gar von einer Hinhaltetaktik sprach (Dreessen), da es doch unverständlich sei, warum statt komplizierter Innen- nicht gleich die machbarere Außen-Variante angegangen worden sei (Andrea Niewerth). Plischek ließ sich nicht dazu bewegen, sich auf einen Termin festzulegen, um zum Außenaufzug konkretere Planungen und Kostenberechnungen vorzulegen. Er begründete das damit, dass die personelle Kapazität seines Amtes derzeit mit drängenderen Aufgaben wie der laufenden Kita- und Ganztags-Ausbauoffensive sowie dem Heisenberg-Schulneubau ausgelastet sei.

Nach Wortmeldung von Brigitte Puschadel, als Kompromiss doch das kurzfristig Machbare anzustoßen, beschloss das Gremium einstimmig einen in Absprache neu formulierten Antrag der CDU: dass die Verwaltung bis zur übernächsten Sitzung 2020 zumindest ein Bodengutachten vorlegt, ob der Standort des Außenaufzuges für die barrierefreie Erschließung des Museums realisierbar ist.

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