Kommunalwahl

Corona: Der Wahlkampf in Gladbeck wird vorerst digital

SPD-Bürgermeister-Kandidatin Bettina Weist möchte in den kommenden Wochen viele Gladbecker persönlich aufsuchen. Den Auftakt machte sie vor einer Woche in Ellinghorst. Einige andere Kandidaten verzichten indes noch auf Hausbesuche.

SPD-Bürgermeister-Kandidatin Bettina Weist möchte in den kommenden Wochen viele Gladbecker persönlich aufsuchen. Den Auftakt machte sie vor einer Woche in Ellinghorst. Einige andere Kandidaten verzichten indes noch auf Hausbesuche.

Foto: SPD

Gladbeck.  Beschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie haben auch Auswirkungen auf den Wahlkampf. Die Politiker in Gladbeck haben sich Alternativen überlegt.

Normal ist in Zeiten der Corona-Pandemie nichts – und auch die Parteien müssen einen anderen Wahlkampf für die Kommunalwahl am 13. September fahren als gewohnt. Dabei setzen die Politiker vor allem auf Präsenz im Netz.

Für sie sei der Wahlkampf in doppelter Weise besonders, sagt SPD-Bürgermeister-Kandidatin Bettina Weist. Zum einen sei es ihr erster Wahlkampf, da sie bislang noch für kein öffentliches politisches Amt kandidiert habe. Zum anderen habe sie sich auf die Corona-Beschränkungen einstellen müssen, die es so noch für keinen Wahlkampf gegeben habe. „Aktuell habe ich meine Homepage überarbeitet und gehe zum Beispiel auch auf die durch Corona beginnende Wirtschaftskrise ein, deren Auswirkungen die Kommunalpolitik nach der Wahl beschäftigen wird.“

Bettina Weist (SPD) sucht bei Ortsteilspaziergängen das Gespräch mit Menschen

Sie habe zudem Ortsteilspaziergänge gestartet, um Infomaterial in Briefkästen zu werfen und das Gespräch mit den Menschen zu suchen. Zudem nutze sie die Möglichkeiten der Sozialen Medien, „um über meine Ziele auch mit Videobotschaften zu informieren“. Gerne würde sie sich auch Gegenkandidaten in Podiumsdiskussionen stellen und Fragen aus dem Publikum beantworten. „Das ist aber zurzeit aufgrund der Infektionsgefahr noch nicht möglich“. Die Gewerkschaft IGBCE habe sie gerade für ein Interview und ihren ersten Podcast daheim besucht. Sie sei bereit, vieles auszuprobieren, um sich und ihre Positionen darzustellen. „Und die Reaktionen darauf sind überwiegend positiv“. Als ein weiteres Ergebnis des elektronischen Wahlkampfs habe sie ihren ersten Blog-Artikel gestartet und versende Newsletter, für die sich jeder anmelden könne.

Auch die CDU setzt im Wahlkampf nun vor allem auf das Digitale. „Wir machen aus der Not eine Tugend“, so Fraktionsvorsitzender Peter Rademacher. Jüngere Parteimitglieder kämen gut damit klar, für Ältere sei einiges noch ungewohnt. Vieles laufe nun über Social Media-Kanäle wie Facebook oder Instagram. Dort postet die Partei Kurzfilme und Videobotschaften. „Zudem haben wir einen großen Mailverteiler für Interessierte eingerichtet und unser Bürgermeister-Kandidat Dietmar Drosdzol hat eine eigene Homepage eingerichtet.“

Der persönliche Kontakt ist nicht zu ersetzen

Aber: Nicht alles funktioniert über das Digitale, so die CDU. „Der persönliche Kontakt ist mit dem Internet nicht zu ersetzen.“ Daher will die CDU auf Haustürbesuche nicht verzichten. „Natürlich halten wir uns dabei streng an die Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen wie etwa Mundschutze“, so Rademacher. Auswirkungen des veränderten Wahlkampfs auf Wahlbeteiligung oder Ergebnis erwartet Rademacher nicht. „Es werden viele von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen, es geht ja auch um eine große Entscheidung.“ Einzig, weil sich viele ältere Bürger wohl nicht in die Wahllokale trauen werden, vermutet der CDU-Fraktionsvorsitzende einen großen Anstieg der Briefwähler.

Aus Sicherheitsgründen werde die FDP dazu auffordern, die Stimmen per Briefwahl abzugeben, so Bürgermeister-Kandidat Michael Tack. Für einen „normalen“ Wahlkampf hatten die Liberalen schon „etliche Ideen entwickelt“, so Tack. „Die mussten wir jetzt alle über den Haufen werfen.“ Infostände, Hausbesuche, auf all das will die FDP vorerst verzichten. „Wir werden nicht von Haustür zu Haustür ziehen.“ Schließlich seien viele Menschen ob der Pandemie noch zurückhaltend, und die Parteivertreter müssten mit Mund-Nasen-Maske unterwegs sein.

Parteien hoffen auf weitere Lockerungen

Tack hofft nun auf weitere Lockerungen im Sommer. „Dann machen wir auch Hausbesuche.“ Bis dahin will sich die FDP auf die Presse und soziale Medien konzentrieren. „Und wir hoffen, dass Podiumsdiskussionen als Videokonferenzen stattfinden können.“ Dass der soziale Kontakt zu den Menschen derzeit fehlt, „tut richtig weh“, so Tack. Denn gerade der sei es doch, der Kommunalpolitik ausmache.

Hausbesuche hat auch Simone Steffens, Bürgermeister-Kandidaten der Grünen, bislang noch nicht gemacht. „Damit will ich wohl im Juli oder August starten. Bis dahin laufe auch bei den Grünen vieles online. Neben einer eigenen Homepage der Bürgermeister-Kandidatin setzt die Partei unter anderem auf Online-Sprechstunden und die lokalen Medien. „Ich hoffe aber, dass wir bald auch wieder Infostände organisieren und uns in den Stadtteilen zeigen werden können.“

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