Kammerorchester

Das Kammerorchester Gladbeck reist musikalisch durch Europa

Der künstlerische Leiter des Kammerorchesters Gladbeck, Tobias Sykora (links) und der zweite Vorsitzende Joachim Böckmann versprechen für das große Sinfoniekonzert 2019 starke Emotionen.

Der künstlerische Leiter des Kammerorchesters Gladbeck, Tobias Sykora (links) und der zweite Vorsitzende Joachim Böckmann versprechen für das große Sinfoniekonzert 2019 starke Emotionen.

Foto: Joachim Kleine-Büning / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Beim Konzert in der Stadthalle Gladbeck erklingen Werke von Sibelius, Haydn, Elgar und Mendelssohn Bartholdy. Solist ist Alexander Prushinskij.

Das Kammerorchester Gladbeck bekennt sich zu Europa – in Noten, versteht sich. Darauf dürfen sich Besucher des Sinfoniekonzerts am Sonntag, 24. November, in der Mathias-Jakobs-Stadthalle freuen. An diesem Abend interpretieren die Damen und Herren Werke von Jean Sibelius, Joseph Haydn, Felix Mendelssohn Bartholdy und Sir Edward Elgar. Der musikalische Streifzug durch vier Länder beginnt um 18 Uhr.

Die große Bläser-Besetzung ist wieder mit von der Partie

Beim ersten Blick auf die Namen der Komponisten mag man zunächst denken: In welchem Zusammenhang stehen sie? Tobias Sykora antwortet: „Die große Klammer ist: Es handelt sich um europäische Musik.“ Gemeinsam mit den Hobby-Musikern aus Gladbeck, Bottrop, Buer, Gelsenkirchen, Düsseldorf und anderen Städten hat der künstlerische Leiter das Programm komponiert. „Wir haben den Schwung aus dem erfolgreichen Filmmusik-Konzert mit der großen Bläser-Besetzung mitnehmen wollen“, so der 39-Jährige. Also greifen auch diesmal wieder fast 20 Mitwirkende zu Flöten, Klarinetten, Hörnern und Co. – „Verstärkung bekommen wir von der städtischen Musikschule“, berichtet Joachim Böckmann, zweiter Vorsitzender des Kammerorchesters. Er hat seinen Posten mit Marina Arendt getauscht, die jetzt das Spitzenamt innehat.

Sibelius steht in diesem Konzert für dessen Heimat. Mit seiner Sinfonischen Dichtung „Finlandia“ op. 26 wurde der finnische Komponist zum Nationalhelden in seiner Heimat. Sykora erzählt: „Das Werk ist entstanden, als das Land von Russen besetzt und die Pressefreiheit eingeschränkt waren. Damals wurden Pressekonzerte gegeben, um die Pensionskasse für Journalisten zu unterstützen.“ Sibelius’ „Finlandia“ sei bei solch einer Gelegenheit bejubelt worden. Sehr zum Verdruss der Besatzer, denn die „geheime Nationalhymne“ mit ihrer patriotischen Bedeutung erlangte solch eine Popularität, dass die russischen Behörden sie verboten. Doch: „Sibelius nannte das Werk einfach um in ,Suomi’, und es wurde weiter aufgeführt.“ Dabei bedeutete der neue Titel nichts anderes als „Finnland“, also „Finlandia“.

An ihrer emotionalen Kraft hat das gefühlsgeladene Opus bis heute nichts verloren. Joachim Böckmann durchfährt allein bei dem Gedanken an „Finlandia“ ein wohliger Schauer. Der Geiger findet: „Ein unglaubliches Stück, einfach sensationell!“ Das Werk ist in seinen Ohren eines der pathetischsten, die er kennt.

Das Kammerorchester Gladbeck führt erstmals die „Schottische“ auf

Dieses Loblied trifft auch auf einen weiteren Programmpunkt des Abends zu, von dem Sykora geradezu schwärmt: die Sinfonie Nr. 3 a-Moll op. 56 aus der Feder von Mendelssohn Bartholdy, genannt die „Schottische“. Wobei: Der Komponist selbst hat diesen Beinamen nie autorisiert. Hintergrund: Mendelssohn Bartholdy begann die Arbeit an dieser Sinfonie, als er sich in Schottland aufhielt.

Und seine Notenwelt spiegelt die Natur und Atmosphäre des rauen Landes wider. „Diese Dramatik! Mal Wolken, mal Regenschauer, dann reißt der Himmel auf“, sagt Cellist Sykora, der Schottland kennt, über eines seiner Lieblingswerke. Das Kammerorchester Gladbeck führt es am 24. November zum ersten Mal auf.

Von Caledonia zu Österreich, zu einem Vertreter der Wiener Klassik. Als „unterschätztes Stück“ stuft der künstlerische Chef Joseph Haydns Konzert für Violine und Orchester C-Dur ein – zu Unrecht. Ein „wunderbarer Solist“, so Böckmann und Sykora unisono, bringt die Feinheiten des Stücks zum Strahlen: Violinist Alexander Prushinskij.

Alles andere als eine „heimliche“ Nationalhymne ist Elgars „Pomp and Circumstance March No. 1“. Welcher Untertan von Queen Elisabeth II. kennt nicht die Zeilen „Dear Land of Hope, thy hope is crowned. God make thee mightier yet!“? Der Marsch ist mindestens genauso populär wie die offizielle britische Nationalhymne „God Save the Queen“. Der Marsch aus „Pomp and Circumstance“ des Briten setzt den zackig-temperamentvollen Schlusspunkt dieses Konzertes.

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