Stellwerk Zweckel

Es kommt Bewegung in das Zukunftsprojekt „Stellwerk Zweckel“

Das mechanische Stellwerk in Gladbeck-Zweckel wurde durch einen Neubau mit moderner Technik ersetzt.

Das mechanische Stellwerk in Gladbeck-Zweckel wurde durch einen Neubau mit moderner Technik ersetzt.

Foto: Lutz von Staegmann / Funke Foto Services

Gladbeck.  Die „Gesellschaft der Neuen Auftraggeber“ nimmt sich des historischen Gebäudes in Zweckel an. Die Pläne wurden an einem Info-Abend vorgestellt.

Das über 100 Jahre alte Stellwerk an der Eisenbahnlinie habe viele Bedeutungen, findet Dr. Andrea Niewerth (CDU), Historikerin und Mitglied im Kulturausschuss der Stadt: ein historisches Denkmal, ein Ort der Begegnung und eine Landmarke, an der man sofort den Stadtteil erkennt. Um die Zukunft dieses Gebäudes – eines der letzten rein mechanischen Bahn-Stellwerke Deutschlands – zu gestalten, erhält der Stadtteil nun Unterstützung von der „Gesellschaft der Neuen Auftraggeber“.

Was es damit auf sich hat, erklären Niewerth und andere Initiatoren bei einer Infoveranstaltung am Freitagabend. „Man muss kein Hellseher sein, um zu wissen, dass die Deutsche Bahn das Gebäude loswerden will, und zwar nicht zu sehr hohen Summen“, meint Norbert Dyhringer, Vorsitzender der Zweckeler SPD, „ein Abriss ist wegen des Denkmalschutzes unmöglich. Eventuell würde die DB das Stellwerk auch für nur einen symbolischen Euro abgeben.“ Die Deutsche Bahn habe auch bereits eine Studie in Auftrag gegeben, um zu ermitteln, ob das Stellwerk veräußert werden kann und zu welchem Preis – Ergebnisse werden im Herbst folgen.

Ideen, was aus dem Bau werden könnte, gibt es viele: Zum Beispiel könnte eine Sitzgruppe neben dem Gebäude zum neuen Treffpunkt werden. „Warum soll Ihr Sohn zu seinem Geburtstag nicht mal zum Grillen neben dem Stellwerk einladen?“, fragt Andrea Niewerth einen der Interessenten. Schließlich seien nach Meinung aller Anwesenden gesellige Treffpunkte in Zweckel so gut wie ausgestorben – von Gastronomie ganz zu schweigen. Genauso könne der Verein der Eisenbahnfreunde im Stellwerk Führungen und Ausstellungen veranstalten. „Wie wäre es mal mit einem Super-8-Abend? Leute haben die Eisenbahn in Zweckel jahrzehntelang fotografiert und gefilmt.“

Nun soll die „Gesellschaft der Neuen Auftraggeber“ (GNA) helfen, diese Ideen umzusetzen. Denis Bury, ein Mediator der GNA, erklärt, wie dies ablaufen könnte: „Bei uns kann jeder für ein künstlerisches Projekt im öffentlichen Raum Ideen formulieren. Wir moderieren den Prozess, laden Künstler ein und erteilen denen dann den Auftrag. Sie als Interessenten sind die Auftraggeber – das bedeutet für Sie keine Verpflichtung; alles, worauf Sie Lust haben, ist möglich.“

Mediator begleitet das Projekt von der Finanzierung bis zur Fertigstellung

Der Mediator der GNA begleitet das ganzen Projekt einschließlich der Finanzierung bis zur Fertigstellung. Als ein erfolgreiches Beispiel präsentiert Denis Bury ein Projekt, das die GNA in Frankreich umgesetzt hat: Dank öffentlicher Förderung konnte eine Schule ihre Ausstattung und Einrichtung umfassend modernisieren. „Das ist der Punkt, an dem ich aufgesprungen bin“, erklärt Niewerth, „In dieser Schule ging es ursprünglich nur um neue Möbel, aber nach der Modernisierung ist daraus das neue Dorfzentrum geworden. Wir haben hier in Zweckel eigentlich ‚nur‘ ein Bahnstellwerk, aber daraus kann ein Begegnungszentrum werden.“

Ein anderer Besucher erwähnt das Bergwerk Hugo in Gelsenkirchen-Buer als gutes Beispiel: Die Stadt habe die Schachtanlage für einen symbolischen Euro von der RAG übernommen und an Klaus Herzmanatus vom Verein „Hugo Schacht 2“ verpachtet; im Gegenzug habe dieser Verein in der Anlage freie Hand für die Gestaltung bekommen.

Wenn die Deutsche Bahn das Stellwerk veräußert, soll ein Förderverein gegründet werden, der dann mit Vereinsbeiträgen, Führungen, Kaffee- und Kuchenverkauf, Sonderveranstaltungen, Sponsoren, öffentlichen Fördergeldern oder dergleichen die laufenden Kosten des Stellwerks decken kann – aber das ist Zukunftsmusik. „Es wäre super, wenn wir als Interessengemeinschaft über alle Altersgrenzen, sozialen Grenzen, politischen Grenzen hinweg dieses Projekt in Auftrag geben können“, meint Niewerth, „Im Idealfall sagen wir in zwei Jahren: Wir hätten nie gedacht, dass das daraus wird.“

Aus den genannten Ideen soll ein Antrag entwickelt werden

Denis Bury hat in der Zwischenzeit alle genannten Ideen in sein Notizbuch geschrieben, um daraus einen Auftrag zu formulieren. „Es ist wunderbar, Sie sind schon sehr konkret“, lobt er die Anwesenden, „wir treffen uns das nächste Mal, wenn wir eine Info von der Deutschen Bahn haben. Dann machen wir an genau diesem Punkt weiter.“

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