Inhabergeführte Geschäfte

Foto Ullrich stellt sich erfolgreich dem digitalen Wandel

Fotografenmeisterin Alexandra Wilger porträtiert Chef Ludger Ullrich im inhabergeführten Studio für Fotografie Ullrich an der Gladbecker Goethestraße.

Fotografenmeisterin Alexandra Wilger porträtiert Chef Ludger Ullrich im inhabergeführten Studio für Fotografie Ullrich an der Gladbecker Goethestraße.

Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Das Fachgeschäft in der Stadtmitte hat sich auf Porträt- und Bewerbungsfotos spezialisiert. Aber auch Haustiere werden im Studio abgelichtet.

„Ich glaube, dass in Nordrhein-Westfalen niemand mehr Hochzeiten fotografiert hat, als wir“, davon ist Ludger Ullrich (59), seit 1991 Inhaber des gleichnamigen, familiengeführten Fotofachgeschäftes an der Goethestraße, überzeugt. Er erinnert sich: „Mein Vater war im Bergbau beschäftigt, aber sein Steckenpferd war von jeher die Fotografie.“ 1973 habe der das Geschäft von Harry Uhl übernommen und sein Hobby zum Beruf gemacht.

„Als Kröte“, sagt Sohn Ludger, „bin ich dann immer gern mitgekommen, wenn Hochzeitsfotos gemacht werden sollten. Früher gab es da immer Geldmünzen und Süßigkeiten“, erinnert er sich gerne. Das Fotolabor zur Entwicklung der Aufnahmen befand sich im Keller des Wohnhauses in Rentfort. „Das sind längst vergangene Zeiten“, sagt Ludger Ullrich fast ein bisschen wehmütig.

Denn in der Branche hat in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung stattgefunden. Er selbst ist den klassischen Weg gegangen, hat seine Ausbildung bei einem Industriefotografen absolviert und anschließend die Meisterschule in München besucht. Nur ganz kurz war er Angestellter seines Vaters, dann erwarb dieser einen alten Bauernhof, mit dem er vollauf beschäftigt war, und Ludger sprang ins kalte Wasser und übernahm das Fotofachgeschäft.

Das Fotostudio mit 110 Quadratmetern Fläche bietet viele Möglichkeiten

Inzwischen beschäftigt er mit Alexandra Wilger eine Mitarbeiterin, die ebenfalls ihre Meisterprüfung abgelegt hat, und zwei freie Fotografinnen, „wenn es ganz dick kommt“, sagt Ludger Ullrich. Sehr großzügig ist das Geschäft ausgelegt, so dass sich die Fotografen mit ihren Kunden in die erste Etage begeben können und das Geschäft unten derweil problemlos weitergehen kann. Hier oben wartet ein Studio mit 110 Quadratmetern auf die richtige Ausleuchtung. Zahlreiche, je nach Anlass des Fotoshootings ausgewählte Requisiten können hier ein entsprechendes Ambiente schaffen. „Die Technik wird immer besser“, sagt Ludger Ullrich, „aber sie ist nicht alles.“ Zu einer guten Fotografie gehöre die richtige Ausleuchtung, „und dass man sein Handwerk beherrscht.“

Die Digitalisierung habe in seiner Branche bereits vor 15 Jahren begonnen, sagt der Geschäftsmann: „Die Fotolabore fielen weg und das große Berufssterben begann.“ Die Situation habe sich mittlerweile beruhigt, obwohl das Internet eine deutliche Konkurrenz darstellt: „Die Leute können ja nun ihre Fotobücher digital selbst am Computer gestalten und bestellen.“ Inzwischen haben sich Ludger Ullrich und Alexandra Wilger auf Porträtfotografie und Bewerbungsfotos spezialisiert. „Da müssen wir aber so manchen erst mal wieder nach Hause schicken“, sagt die Fotografin, „denn ein Bewerbungsfoto mit Kapuzenpullover kommt beim Arbeitgeber nicht gut an.“

Bein Tieraufnahmen gehen die Profis auf Augenhöhe mit Hund oder Katze

Auch Tieraufnahmen werden von Kunden sehr nachgefragt, „da begeben wir uns schon mal auf Augenhöhe zum Hund“, erzählt Ullrich schmunzelnd und gibt eine Geschichte zum besten: „Ein Kater sollte fotografiert werden und in einem unachtsamen Moment ist er uns entwischt. Das war ein großer Schreck und wir sind alle herumgeschwirrt, um das Tier wieder einzufangen.“ Was letztlich wohl auch gelungen ist. Ludger Ullrich ist zufrieden mit der Geschäftslage, doch er weiß, dass keine seiner Töchter das Geschäft einmal übernehmen wird. Ullrich hofft so, dass mit Alexandra Wilger eventuell eine Nachfolgerin den kleinen Betrieb familienorientiert weiterführen wird.

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