Gesundheitsamt

Fast die Hälfte der Erstklässler in Gladbeck hat Karies

Ein Kind beim Zahnarzt.

Ein Kind beim Zahnarzt.

Foto: dpa Picture-Alliance / McPHOTO / picture alliance / blickwinkel/M

Gladbeck/ Kreis Recklinghausen.  Bericht zur Zahngesundheit der Kinder im Kreis Recklinghausen vorgelegt. Kinder aus sozialschwachen Familien haben ein höheres Kariesrisiko.

Der Kreis Recklinghausen hat seinen neuen Bericht zur Zahngesundheit der Kinder im Kreisgebiet vorgestellt. Demnach haben zwar weniger Erstklässler Karies als noch vor einigen Jahrzehnten. Fast die Hälfte der Kinder hat aber schlechte Zähne. Damit wird das Ziel, dass bis zum kommenden Jahr mindestens 80 Prozent der Erstklässler kariesfrei sind, im Kreis Recklinghausen nicht erreicht.

„In vielen Familien ist es eine Selbstverständlichkeit, sich gut um die ersten Zähne der Kinder zu kümmern. Das zeigen uns auch die Ergebnisse der zahnärztlichen Untersuchungen. Während 1990 nur 27 Prozent der Erstklässler ein kariesfreies Gebiss hatten, ist dies heute glücklicherweise mit 55 Prozent für mehr als die Hälfte der Kinder der Fall“, hebt Dr. Sabine Wadenpohl hervor, zuständig für die Gesundheits- und Bildungsberichterstattung bei der Kreisverwaltung und Autorin des Berichtes. Damit haben sich die Zahlen aber auch wieder leicht Verschlechtert, da die Erhebung 2016 ergab, dass 58 Prozent der untersuchten Kinder kariesfrei waren. Der Bericht zeigt zudem, dass Kinder aus sozialschwachen, armen Familien ein größeres Risiko haben, an schlechten Zähnen zu leiden.

Eigentlich sollten 80 Prozent der Sechsjährigen gute Zähne haben

Der Gesundheitsbericht zeige aber auch die andere Seite. „Im Jahr 2020 sollten 80 Prozent der Sechsjähren kariesfreie Zähne haben“ so formulierte die Bundeszahnärztekammer im Jahr 2003 die Zielvorgabe für die Zahngesundheit der Kinder. Dieses Vorhaben konnte nicht erreicht werden - weder auf Bundes- oder Landesebene noch im Kreis Recklinghausen.

Immerhin haben sich die Zahlen bei den 12-jährigen Kindern bundesweit verbessert. Im Jahr 2016 hatten 79 Prozent der 12-Jährigen ein kariesfreies Gebiss, womit der Anteil seit 1994 um 50 Prozentpunkte angestiegen ist. Ebenso deutlich ist der Kariesbefall von 2,4 auf 0,4 geschädigte Zähne pro Jugendlichen zurückgegangen. Deutschland nimmt hier gemeinsam mit Dänemark einen internationalen Spitzenplatz ein. Im Bereich Westfalen-Lippe traf dies sogar für 81 Prozent der 12-Jährigen zu. Für den Kreis Recklinghausen stehen für diese Altersgruppe leider keine Daten zur Verfügung, da die zahnärztlichen Untersuchungen nur an den Grund- und Förderschulen durchgeführtwerden.

„Die Arbeit des zahnärztlichen Dienstes des Gesundheitsamtes ist enorm wichtig. Gerade für die Kinder, in deren Familien die Zahngesundheit nicht so selbstverständlich ist“, betont Dr. Wiebke Selle, Leiterin des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes des Kreises Recklinghausen. Die Teams des Zahnärztlichen Dienstes besuchen jährlich etwa drei Viertel der Grundschul- und fast die Hälfte der Kita- und Förderschulkinder. Konkret sind das 180 Kitas, 80 Grund- und zehn Förderschulen, wobei rund 25.500 Kinder untersucht werden.https://dcx.funkemedien.de/dcx/documents#/doc/doc77xi3l38740obl37wbn Bei etwa 10.000 Kita- und Grundschulkindern stellen die Teams fest, dass sie schon einmal Karies hatten. Im Anschluss an die Untersuchung reden die Zahnärzte mit den Kindern, was sie tun können, damit ihre Zähne gesund bleiben. Außerdem gibt der Zahnärztliche Dienst Informationen an Eltern und Erzieher.

Schlechte Zähne sind zunehmend eine soziale Erkrankung

Karies entwickelt sich in Deutschland zunehmend zu einer sozialen Erkrankung. Diese Entwicklung macht auch vor dem Kreis Recklinghausen nicht Halt. Auch im Bericht wird diese Entwicklung deutlich: Von den Kindern, die eine Grundschule in einem gut situierten Stadtteil besuchen, hat ein Drittel Erfahrungen mit Karies. In den Grundschulen hingegen, die in Stadtteilen mit ausgeprägten sozialen und wirtschaftlichen Problemlagen liegen, trifft dies mit 56 Prozent auf mehr als die Hälfte der Kinder zu. Bei diesen Kindern häuft sich zudem ein sehr starker Kariesbefall von fünf und mehr von Karies befallenen Zähnen. In Gladbeck traf dies besonders gravierend auf Kinder zu, die Grundschulen in Brauck, Rosenhügel und der Stadtmitte besuchen. „Es kann nicht sein, dass Kinder mit Zahnschmerzen in die Schule kommen und bitterlich weinen. Deswegen ist es für mich eine ganz große Notwendigkeit, dass wir als Ärzte und Ärztinnen in die Einrichtungen gehen“, betont Dr. Sabine Petri-Dorn, Zahnärztin des Gesundheitsamtes.

Die Arbeit des Zahnärztlichen Dienstes setzt daher besonders auf Vorbeugung. Zum Beispiel zum Tag der Zahngesundheit Ende September. Karies bei Kindern lasse sich leicht vermeiden, so das Fazit von Dr. Sabine Wadenpohl, „solange die Eltern ein gutes Vorbild sind. Zähneputzen, gesunde Ernährung und der Besuch in der Zahnarztpraxis als gemeinsamer Ausflug kann dann sogar Spaß machen“.

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