Leihoma

Gladbecker Leihoma Anni und Julian sind ein Dream-Team

Die Gladbecker Leihoma Anni Schwalvenberg hat sichtlich Spaß mit dem neunjährigen Julian – sehr zur Freude von Mutter Sonja.

Die Gladbecker Leihoma Anni Schwalvenberg hat sichtlich Spaß mit dem neunjährigen Julian – sehr zur Freude von Mutter Sonja.

Foto: Heinrich Jung / FUNKE Foto Services

Eine 73-jährige Gladbeckerin ist eine Großmutter auf Zeit. Aktuell sieben Frauen engagieren sich ehrenamtlich in diesem Caritas-Projekt.

Was kann man nicht alles leihen! Fahrräder – klar! Spielsachen, Bücher, Gartengeräte und und und. Aber Goßmütter? In Gladbeck gibt’s auch das. Leihomas, die der Caritasverband vermittelt. Anni Schwalvenberg ist eine von derzeit sieben dieser Damen, die sich um Kinder kümmern.

Gladbeck: Der Caritasverband vermittelt die Kontakte zu den Leihomas

Wobei: Wer die 73-Jährige im Umgang mit Julian beobachtet, könnte fast glauben, dass die beiden tatsächlich Omi und Enkelsohn sind. So vertraut gehen sie miteinander um. Kunststück möchte man sagen, begleitet Anni Schwalvenberg den Neunjährigen doch fast sein ganzes Leben. Mutter Sonja K. erzählt: „Kurz bevor Julian ein Jahr wurde, ist seine tatsächliche Oma gestorben.“ Also stand der Biologin niemand zur Seite, der mal spontan bei der Kinderbetreuung einspringen konnte. Wie es halt Großeltern machen: Etwa wenn die Mutter zum Arzt muss.

Das Projekt fußt auf ehrenamtlichen Engagement von Gladbeckerinnen

Sonja K. erzählt: „Ich hatte eine Tagesmutter, die mir den Tipp mit der Leihoma gegeben hat. Der Kontakt kam dann über Annegret Knubben zustande.“ Die federführende Organisatorin des Angebotes beim Caritasverband Gladbeck erläutert: „Es gab im Jahre 2007 einen Beschluss unserer Vertreterversammlung und der CKD (Caritas-Konferenzen Deutschlands, Anmerk. der Redaktion), dieses Projekt umzusetzen.“

Es fußt auf dem Engagement ehrenamtlicher Kräfte. Von Stund’ an war Anni Schwalvenberg dabei. „Wir sind mit zehn Menschen angefangen, darunter waren drei Männer“, so Annegret Knubben. Aber die Herren seien nicht angefragt worden: „Die Familien wollten nur Omas.“ Geblieben sind sieben Seniorinnen zwischen Anfang 60 bis über 80. „Wir hätten gerne mehr ehrenamtliche Frauen, die sich für diese Aufgabe interessieren“, sagt Annegret Knubben.

Der Drittklässler ist das Enkelkind, das am längsten mit seiner Leihoma durch sein junges Leben geht. „Bin ich der Älteste?“, fragt er neugierig. „Ja! Die meisten anderen sind ein bis vier Jahre alt“, antwortet Knubben. Auf diesen Sonderstatus ist der pfiffige Junge sichtlich stolz. Und noch ein Herausstellungsmerkmal hat dieses unübersehbar gut eingespielte Pärchen. Knubben: „Er wurde zeitweise von zwei Leihomas betreut, von Anni Schwalvenberg und Ursula Margenfeld.“ Doch das sei die Ausnahme.

Keinerlei Ausnahmen sind bei den Rahmenbedingungen gestattet: Die Leihomas sind ausschließlich für die Enkel auf Zeit da – weder zum Bügeln oder als Taxiservice. Knubben berichtet: „Immer wieder hatten wir Anfragen, ob die Leihoma das Kind nicht regelmäßig nach der Kita abholen kann. Da sagen wir kategorisch: nein!“ Sonja K. kämen derartige Wünsche gar nicht in den Sinn. Die 46-Jährige betont: „Anni soll nur für Julian dasein. Ich suche doch keine Putzkraft.“

Spaß soll der Junge haben, wenn er mit der 73-Jährigen etwas unternimmt. Und das hat er. Er findet es „toll, dass wir ganz viel rausgehen“. Radeln bereitet ihnen immer Vergnügen. „Ein Highlight war, dass wir am Bahnhof West waren und uns die Züge angeguckt haben“, fällt Schwalvenberg ein. Ach ja, und zum Pfarrfest in der Gemeinde St. Johannes waren sie auch schon gemeinsam.

Alle drei Wochen sehen sie sich. „Langweilig wird es nie“, meinen beide. Anni Schwalvenberg, die zwei „echte“ Enkelkinder im Alter von 23 und 25 Jahren hat, sagt: „Ich unternehme mit Julian Dinge, die hätte ich allein nicht gemacht.“ Ihr bereitet es Freude, „zu sehen, wie selbstbewusst der Junge im Laufe der Jahre geworden ist.“ Er interessiere sich für alles.

Die Mutter erzählt in ihrem Freundeskreis von dem Angebot „Leihomas“

„Die Chemie passte von Anfang an zwischen uns“, sagt die Mutter. Es habe sich eine Freundschaft entwickelt. Kaum jemand in ihrem Freundeskreis habe von den Caritas-Leihomas etwas gehört, bis sie davon erzählte. „Das fanden alle dann toll“, sagt die 46-Jährige.

Julian hat sich für Weihnachten ein Geschenk für seine Leihoma überlegt – aber das will er nicht verraten: „Sonst ist’s ja keine Überraschung mehr!“ Eines ist für den Neunjährigen sonnenklar: „Wenn ich mal größer bin, dann pass’ ich auf die Anni auf!“

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