Haftungsfrage

Gladbeckerin im Streit mit der Stadt nach einem Baumschaden

Rita van Treeck ist stinksauer, ein Ast von einem städtischem Baum ist auf ihr Grundstück an der Margaretenstraße in Gladbeck gekracht, hat den Gartenteich und Beete zerstört.

Rita van Treeck ist stinksauer, ein Ast von einem städtischem Baum ist auf ihr Grundstück an der Margaretenstraße in Gladbeck gekracht, hat den Gartenteich und Beete zerstört.

Gladbeck  Von einem städtischen Baum ist in Gladbeck ein mächtiger Ast in einen Privatgarten gestürzt. Die betroffene Familie soll den Schaden tragen.

Rita van Treeck ist stinksauer. Von einer mächtigen städtischen Esche, die direkt an ihrer Grundstücksgrenze steht, ist ein tonnenschwerer Ast abgebrochen und in ihren Garten an der Margarentenstraße in Alt-Rentfort gestürzt. "Kurz zuvor habe ich mich da noch aufgehalten, ich hätte erschlagen werden können", berichtet die Gladbeckerin. Sie ist empört, "weil sich die Stadt Gladbeck nicht um die Beseitigung ihres Baumastes und den mir entstandenen Schaden kümmern will". Ihr Gartenteich und Beete wurden zerstört. Dass die Stadt nicht für die Haftung verantwortlich sein soll, könne sie nicht begreifen.

ZBG-Verantwortlicher verweist auf "höhere Gewalt"

Der neue Leiter der zuständigen Grünflächenunterhaltung des Zentralen Betriebshofes Gladbeck (ZBG), Ralf Sonnenberg, spricht von höherer Gewalt und einer somit rechtlichen Situation, "wonach dann derjenige für die Schadensbeseitigung und -regulierung verantwortlich ist, auf dessen Grund der Ast gefallen ist". Der Ast sei ja grün belaubt, "war entsprechend zuvor nicht abgestorben und als Gefahr erkennbar". Denn selbstverständlich sei der ZBG für die Verkehrssicherheit der rund 11.000 Straßenbäume und der weiteren auf 260 Hektar Waldflächen verantwortlich. "Und wir sind verpflichtet tätig zu werden, sollten wir erkennen, dass an einem Baum Gefahr im Verzug ist, sonst würden wir grob fahrlässig handeln." Das gelte übrigens auch für private Baumbesitzer.

Aus diesem Grund seien Baumprüfer des ZBG ständig unterwegs, um den Bestand in Augenschein zu nehmen. Jeder Baum werde mindestens zwei Mal pro Jahr angesehen, bekannte erkrankte Bäume noch öfter. Sei die Standsicherheit gefährdet, oder der Baum quasi unheilbar erkrankt, dann werde der ZBG zur Gefahrenabwehr tätig. So seien zum Beispiel die Kronen von Buchen mit starken Trockenschäden am Vinzenzheim bereits zurückgeschnitten worden und die weitere Fällung anvisiert, so Sonnenberg.

Angst vor Sommergewittern und weiteren Schäden

In dem städtischen Wäldchen hinter ihrem Haus "hängen etliche Totäste in den Baumkronen", sagt Rita van Treeck. Sie vermutet, "dass auch die etwa 25 Meter hohe Esche durch Trockenschäden aufgrund der Dürre in der ersten Jahreshälfte geschwächt ist". Ein befreundeter Landschaftsgärtner habe ihr gesagt, "dass dann bei Niederschlag die Regenlast im Blattwerk dazu führen könne, dass Äste leichter abbrechen." Da die Stadt sich weigere, müsse sie jetzt wohl selbst schweren Herzens den ihr entstandenen Schaden beseitigen. Was jetzt bleibe, sei die Angst, "dass bei zurzeit zu erwartenden Regenfällen oder Sommergewittern weitere schwere Äste abbrechen und in meinen Garten stürzen".

Die Stadt wolle den Schaden zwar auch ihrer Versicherung vorlegen, man habe ihr aber schon gesagt, "dass davon auszugehen sei, dass diese nicht zahlen wird". Was wäre denn im Umkehrfall, "wenn ich einen Privatbaum hätte, von dem ein acht Meter langer Ast mit 25 Zentimetern Durchmesser auf den städtischen Bürgersteig gefallen wäre, dann hätte doch sicher ich selbst alles beseitigen müssen", vermutet Rita van Treeck. Sie will eine Absage der Stadt zum ihr entstandenen Schaden so nicht einfach hinnehmen, "dann gehe ich dagegen weiter anwaltlich vor".

>>>Dürfen Bäume bei Sicherheitsbedenken gefällt werden?

• Als Sauerstoffspender und Luftfilter sind auch private Bäume in Gladbeck ein wichtiges Allgemeingut. Die Baumschutzsatzung regelt daher, was erlaubt ist und was nicht. Geschützt sind alle Bäume mit einem Stammumfang von mindestens 80 Zentimetern (Eiben: 50 cm) gemessen in einem Meter Höhe oberhalb des Erdbodens. Nadelbäume dürfen aber im Regelfall beseitigt werden, wenn stattdessen ein Laubbaum gepflanzt wird. Pappeln, Weiden und Birken können Allergien auslösen. Die Fällung dieser Bäume wird in jedem Fall vom ZBG genehmigt.

• Eine Besonderheit ist die Acht-Meter-Regel: Ein Fällantrag muss demnach nicht gestellt werden für Bäume, die näher als acht Meter zur Außenwandfläche von Wohngebäuden oder Aufenthaltsräumen gewerblicher Gebäude (hierzu zählen nicht Garagen, Gewächshäuser, Ställe oder Lagerhallen) stehen und deren Abstand zum öffentlichen Verkehrsraum mehr als sechs Meter beträgt. Ausnahmen und Sonderregelungen gelten, wenn bereits städtische Bäume im Straßenbereich vorhanden sind.

• Bebaute Grundstücke, mit einer Gesamtgröße von weniger als 300 Quadratmetern fallen nicht unter die Baumschutzsatzung. Sonderregelungen gelten aber für Grundstücke in Landschaftsschutzgebieten und für Forstflächen. Daher macht es generell Sinn, vor einer Fällung Kontakt mit dem zuständigen ZBG-Fachmann Alexander Urlacher aufzunehmen unter alexander.urlacher@zb-gladbeck.de oder Telefon 99 26 69. Ein Antragsformular kann auch online ausgefüllt und abgeschickt werden.

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