Prozess

Hasch-Plantage mit 196 Pflanzen direkt neben dem Wohnzimmer

Mit Cannabis-Pflanzen lässt sich leicht Geld verdienen – allerdings mit hohem Risiko.

Mit Cannabis-Pflanzen lässt sich leicht Geld verdienen – allerdings mit hohem Risiko.

Foto: Abir Sultan

Essen.   Gärtnerisches Talent hatte er. Aber jetzt muss der 43 Jahre alte Gladbecker wegen einer Drogenplantage neben dem Wohnraum erstmals ins Gefängnis.

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Ein wenig sorglos war der 43-Jährige, als er seine Haschischplantage neben seinem Wohnzimmer betrieb. So kam ihm die Polizei auf die Spur, und das Landgericht Essen verurteilte ihn am Mittwoch wegen Drogenhandel und --Anbau zu drei Jahren Gefängnis.

Mit seinen 23 Einträgen im Strafregister weist der Angeklagte schon eine gewisse Erfahrung mit der Strafjustiz auf. Doch im Gefängnis hat er bislang noch nicht gesessen, meistens brachten ihn kleinere Delikte wie Diebstahl oder Fahren ohne Führerschein vor Gericht.

Cannabis-Pflanzen im Müllcontainer

Vielleicht machte ihn das leichtsinnig. Schon mehrfach waren Reste von Cannabispflanzen im Müllcontainer vor dem Mehrfamilienhaus im Stadtteil Brauck entdeckt worden. Weil zudem am 5. April vergangenen Jahres der intensive Geruch von Marihuana aus seinen Räumen drang, entschloss die Polizei sich zur Durchsuchung.

Das lohnte sich aus polizeilicher Sicht. In zwei Räumen neben dem Wohnzimmer entdeckten die Beamten die professionell aufgebaute Plantage. Rund 15 jeweils 600 Watt starke Speziallampen beleuchteten 198 Cannabispflanzen. 15 Trafos und acht Zeitschaltuhren an der Wand steuerten die Anlage. Für die Bewässerung der Pflanzen sorgte eine Tauchpumpe von Gardena. Daneben standen mehrere Kanister mit Spezial- und Universaldüngemittel.

24 Kilo Haschisch aus drei Ernten

Fast liest sich die Anklage von Staatsanwalt Ansgar Schilling wie die Anleitung zu Bau und Betrieb einer illegalen Plantage. Denn annähernd jedes Detail der Anlage hat er auflisten müssen. Aber die Akribie des Angeklagten beim Aufbau hat sich laut Anklage gelohnt. Die 19 Pflanzen bringen bei drei Ernten im Jahr rund 24 Kilo verkaufsfähiges Haschisch. Da blühte offenbar nicht nur die Pflanze auf.

Denn Geld fanden die Polizisten ebenfalls. Auf dem Wohnzimmerschrank, aber auch an anderen Orten der Wohnung stellten sie 6885 Euro sicher, das sie als Dealgeld bezeichneten und beschlagnahmten. Denn als Bezieher von Hartz IV hatte er ja kaum die Möglichkeit, so viel Geld anzusparen.

Verteidiger wollte Bewährung

Bislang hatte der geschiedene Familienvater zu den Vorwürfen geschwiegen. Vor der XXIV. Strafkammer räumte er die Tat aber ein. Staatsanwalt Schilling hatte drei Jahre Haft beantragt, sein Verteidiger Siegmund Benecken hatte auf zwei Jahre Haft mit Bewährung plädiert.

Problematisch für den 43-Jährigen war die Tatsache, dass er zuletzt unter Bewährung stand. 2016 hatte das Amtsgericht Gladbeck ihn wegen Fahren ohne Fahrerlaubnis zu acht Monaten Haft mit Bewährung verurteilt. Mit einer erneuten Milde hatte er bei der Drogenplantage nicht mehr zu rechnen.

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