Dokumentarfilm

Interkulturelle Frauengruppe blickt auf wechselvolles Leben

Müzeyyen Dreessen (l.) begrüßte die Gäste sowie Emel Zeynelabidin (2.v.r.), deren Leben im Dokumentationsfilm porträtiert wird.

Müzeyyen Dreessen (l.) begrüßte die Gäste sowie Emel Zeynelabidin (2.v.r.), deren Leben im Dokumentationsfilm porträtiert wird.

Foto: Michael Korte

Gladbeck.   Emel Zeynelabidin trennte sich mit 49 Jahren von Kopftuch und Familie. Über sie wurde ein Dokumantarfilm gedreht. Jetzt kam sie nach Gladbeck.

„Für die kleinen Schritte reichen die Beine, einen großen Schritt bewegt nur das Herz.“ Mit diesem für sie programmatischen Satz leitet Emel Zeynelabidin ihren Webauftritt ein. Geboren 1960 in Istanbul, lebt sie seit ihrem ersten Lebensjahr in Deutschland.

Am Samstag war Emel Zeynelabidin auf Einladung der Interkulturellen Frauengruppe in Gladbeck zu Gast. „Rund um den Internationalen Frauentag bieten wir immer einen besonderen Programmpunkt an“, erklärt Initiatorin Müzeyyen Dreessen. In diesem Jahr ist dies der Dokumentarfilm „Hüllen“ der Schweizer Regisseurin Maria Müller, der Emel Zeynelabidin und ihr wechselvolles Leben porträtiert.

Sie galt einst als Aktivistin für Rechte von Muslimen

Die sechsfache Mutter galt einst als Aktivistin für die Rechte von Muslimen in Deutschland und gründete unter anderem den ersten islamischen Kindergarten in Berlin. Später entwickelte sie gemeinsam mit einer Modedesignerin alternative Kopfbedeckungen für verhüllte Frauen.

Und schließlich, mit 49 Jahren, vollzog sie einen radikalen Schritt: Nach mehr als 30 Jahren trennte sie sich von ihrem Kopftuch und verließ ihre Familie – einen Ehemann, mit dem sie nach dem Abitur auf Wunsch der Eltern verheiratet worden war. Völlig unaufgeregt schildert der Interviewfilm die Veränderungen hin zu einem komplett anderen Leben, lässt auch Emel Zeynelabidins Mutter und Tochter sowie ihren Ex-Mann zu Wort kommen.

Kopftuch als Kind nicht hinterfragt

Mit zwölf Jahren erhielt sie von ihrer Mutter ein Kopftuch. „Ich habe das zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht hinterfragt, weil es eine klare Vorgabe war“, erzählt Zeynelabidin im Film. Auch ihre Tochter Sümeyye war zum Zeitpunkt des Filmdrehs vor neun Jahren eine überzeugte Kopftuchträgerin. Das habe sich vor zwei Jahren geändert, sagt Emel Zeynelabidin in Gladbeck.

Auch wenn unterschiedliche Meinungen respektiert und niemand an „den Pranger“ gestellt werden sollte, wie Müzeyyen Dreessen betonte, bezieht der Film Stellung; beispielsweise wenn sich Zeynelabidins Mutter als „Sünderin“ bezeichnet, weil sie bis zum 29. Lebensjahr unverhüllt gelebt habe; oder Tochter Sümeyye feststellt, dass sie fast keine Argumente mehr habe, um ihr Kopftuch zu rechtfertigen. „Jeder soll sich die Freiheit nehmen dürfen, eigene, neue Erfahrungen zu machen, um seinen eigenen Weg der Selbsterkenntnis zu entdecken“, lautet das Statement von Emel Zeynelabidin.

Zuhörer diskutieren lebhaft

Unter den rund 30 Zuhörern im Haus der VHS sind nur wenige Frauen mit fremden Wurzeln, mit und ohne Kopftuch. Auch zwei junge Männer, Gesamtschullehrer aus Oberhausen, haben Interesse am Thema: „Wir haben an unserer Schule einen Ausländeranteil von über 50 Prozent. Wir würden uns freuen, wenn die Schüler mal ein Vorbild wie Emel Zeynelabidin präsentiert bekämen.“ Im Anschluss an den Film entwickelt sich eine lebhafte Diskussion, „die viel öfter geführt werden müsste“, so eine türkischstämmige Zuhörerin.

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