Gladbecker Orgeltage

Orgelkonzert: Benàssár lässt iberische Trompeten erklingen

Miquel Benassar an der Orgel der Gladbecker Lambertikirche.

Miquel Benassar an der Orgel der Gladbecker Lambertikirche.

Foto: Joachim Kleine-Büning / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Miquel Benàssár erwies sich als Botschafter der in Deutschland kaum bekannten spanischen Orgelmusik. Der Mallorquiner war einer Einladung gefolgt

Sie sind groß, laut, auffällig und gehören zu vielen Orgeln dazu: Die „Iberischen Trompeten“, die vom Gehäuse der Orgel waagrecht in den Kirchraum hinein ragen. An spanischen und portugiesischen Orgeln gehören sie wie selbstverständlich dazu, in Deutschland längst nicht immer. Die Orgel der Lambertikirche besitzt welche - diese waren die Stars beim Konzert am Sonntagnachmittag, zumal sie dieses Mal wirklich von den Händen eines Spaniers zum Klingen gebracht wurden.

Miquel Benàssár ist normalerweise Organist in mehreren Kirchen Mallorcas. Vor mehreren Jahren besuchte eine Reisegruppe aus Gladbeck mit Konrad Suttmeyer eine seiner Kirchen. Dabei entstand die Idee, Benàssár zu einem Gastkonzert nach Gladbeck einzuladen. „Ich bin dankbar, dass er in unserer Orgel Klänge aus seiner Heimat wiedergefunden hat und sie uns jetzt nahebringt“, so Konrad Suttmeyer, als er das Publikum in der gut gefüllten Lambertikirche begrüßt.

Botschafter der in Deutschland kaum bekannten spanischen Orgelmusik

In seinem Konzert im Rahmen der Gladbecker Orgeltage erwies Benàssár sich als Botschafter der in Deutschland kaum bekannten spanischen Orgelmusik. Eindrucksvoll präsentierte er Werke von Juan Cabanilles aus Valencia, Francisco Correa de Arauxo aus Sevilla und Pablo Bruna aus Daroca, drei Zeitgenossen von Dietrich Buxtehude und Heinrich Schütz. Dabei nutzte er ausgiebig die „Iberischen Trompeten“ der Orgel: Mal als mächtige Akkorde im Kontrast zu den anderen, „weicheren“ Klängen der Orgel, mal als nachdenkliche, melodische Solostimme, die sich über spärlichen Flöten-Akkorden entfaltet, mal als solistische Choralmelodie, die sich eindrucksvoll über einem vielstimmigen Begleit-Chor entfaltet, jedoch niemals leise im Hintergrund.

Auch Kompositionen aus Deutschland wie ein Präludium von Buxtehude, eine Toccata und Fuge von Bach und eine Sonate von Mendelssohn Bartholdy erhielten auf diese Weise einen neuartigen, „südländischen“ Anstrich. Eine mächtige Toccata von Antoni Martorell - wie Benàssár auch ein Mallorquiner - und die berühmte Pavane von Fauré beschloss das Programm.

Viel Lob vom Publikum für den Organisten und den Veranstalter

Obwohl die „Iberischen Trompeten“ der Orgel in der Lambertikirche nach Meinung einiger Zuhörer im Vergleich zu deren echten spanischen Pendants ziemlich schwach klingen, brachte dieses Konzert sowohl Benàssár als auch seinem Gastgeber Suttmeyer viel Lob vom Publikum ein. „Diese Trompetenregister waren eine Idee eines baskischen Orgelbauers Mitte des 17. Jahrhunderts“, erklärte Benàssár, „er hat die Pfeifen waagrecht eingebaut, weil manche Kirchen für senkrechte Pfeifen nicht hoch genug waren. Später haben Orgelkomponisten mit diesen Trompeten oft Werke über den Kampf zwischen Gut und Böse komponiert.“ Ob die Trompeten darin das Gute oder das Böse symbolisieren, ließ er offen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben