Integration

Zugewanderte Kinder lernen in Gladbeck spielerisch Deutsch

Viel Spaß haben die Kinder bei der Sprachlernwoche an der Mosaikschule. Im Bild: Wolfgang Krämer, Leiter des kommunalen Integrationszentrums vom Kreis Recklinghausen, Ute Kirsten, Schulleiterin der Mosaikschule, Lernbegleiter Tom Kuprath, Anja Venhoff vom Büro für interkulturelle Arbeit der Stadt Gladbeck, sowie Lernbegleiterin Miriam Janke (v.li.).

Viel Spaß haben die Kinder bei der Sprachlernwoche an der Mosaikschule. Im Bild: Wolfgang Krämer, Leiter des kommunalen Integrationszentrums vom Kreis Recklinghausen, Ute Kirsten, Schulleiterin der Mosaikschule, Lernbegleiter Tom Kuprath, Anja Venhoff vom Büro für interkulturelle Arbeit der Stadt Gladbeck, sowie Lernbegleiterin Miriam Janke (v.li.).

Foto: Lutz von Staegmann / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Erstmals findet in den Herbstferien das Angebot „FIT“ statt, ein Deutschkurs für neuzugewanderte Kinder. Ein Besuch an der Mosaikschule.

Es ist wuselig im Klassenraum der Mosaikschule, in dem in dieser Woche das Ferienintensiv-Training, kurz FIT, stattfindet. 20 Jungen und Mädchen der Grundschule sind dabei. Das Ziel ist es, Sprachkenntnisse der Schüler zu fördern, zu vertiefen und im Alltag anzuwenden. „FIT in Deutsch“ ist ein Landesprogramm, das die Stadt Gladbeck an der Mosaikschule als Pilotprojekt erstmalig durchführt. Es richtet sich an neu zugewanderte Schüler und findet außerhalb des Unterrichts statt. Anja Venhoff vom Büro für interkulturelle Arbeit der Stadt Gladbeck hat das Projekt mitorganisiert. „Das ist hier Deutschlernen mit Freizeitanspruch.“

Um neun Uhr morgens geht es los. Dann steht für die 20 Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren erst einmal ein gemeinsames Frühstück an. Es folgen Lerneinheiten, in denen deutsche Begriffe und Sätze gelernt und geübt werden. Zwischendurch lockern die Lernbegleiter Tom Kuprath und Miriam Janke, die die Kinder in der gesamten Woche betreuen, durch Spiele und Basteleinheiten auf. „Wir haben uns entschieden, das Programm „Deutschlernen mit allen Sinnen“ zu nennen“, erzählt Schulleiterin Ute Kirsten. Die Kinder haben zum Beispiel die Namen verschiedener Obst- und Gemüsesorten kennengelernt – und auch, wie sie schmecken. Denn gekocht wird mittags immer frisch. Am Donnerstag gibt es Gemüsepfanne und die ganze Schule duftet danach.

Auch zwei Schwestern aus dem Irak sind dabei

„Wir sind begeistert, dass dieses Pilotprojekt so gut ankommt“, sagt Anja Venhoff, „das merkt man daran, dass die Kinder tatsächlich jeden Tag kommen.“ Auch die Kinder sind begeistert. Die Schwestern Roz (8) und Dania (9) sind mit ihrer Familie vor rund einem Jahr nach Gladbeck gekommen. Sie zeigen begeistert ihre Lernboxen, die sie zu Beginn der Woche gebastelt haben. „Die Lernboxen, auch Schatzkisten genannt, enthalten Dinge, die die Kinder in der Woche hier basteln oder schreiben, aber auch schöne Dinge, die sie von Zuhause mitgebracht haben“, erklärt Ute Kirsten. Dania hat einige hübsch gefaltete Boote und Blumen in ihrer Box, außerdem eine Irak-Flagge, die sie selbst gebastelt hat. Irak ist ihre Heimat. Roz trägt einen Haarreif mit einer Krone. Ihre Lernbox quillt fast über vor Faltpapier und gemalten Bildern.

„Wir wollen, dass Externe die FIT-Woche betreuen, keine Lehrer der jeweiligen Schule“, erklärt Wolfgang Krämer vom Kommunalen Integrationszentrum des Kreises Recklinghausen. Tom Kuprath hat an der Mosaikschule seinen ersten Einsatz als Sprachbegleiter. Der 34-Jährige macht gerade einen Seiteneinstieg als Lehrer und genießt die Woche mit den Kindern total, auch wenn es anstrengend ist. „Es ist eine Herausforderung. Manche Kinder reden schon gut, andere sagen gar nichts. Manche können schon schreiben, andere sind gerade erst in die Grundschule gekommen.“ Deswegen bringen Kollegin Miriam Janke (30) und er den Kindern viele Dinge spielerisch bei.

Kuprath ist aber auch begeistert davon, was manche Kinder schon an Sprachwissen mitbringen. „Ein Junge hat vor einigen Tagen auf einmal eine halbe Seite auf schwedisch geschrieben“, berichtet er. Das Kind habe einige Jahre in Schweden verbracht, bevor es nach Gladbeck kam. Und auch beim Besuch der Stadtbücherei am vergangenen Mittwoch konnten manche Kinder vier oder fünf Sprachen aufzählen, die sie beherrschen. „Wir wünschen uns, dass es bald möglich sein wird, die Kinder in ihrer Vielsprachigkeit zu unterstützen“, sagt Anja Venhoff.

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