Übernachtungen

Airbnb – Privat-Vermietung schwächt Hagener Hotel-Markt

Hunderte Hagener vermieten ihre Wohnung privat über die Plattform Airbnb.

Hunderte Hagener vermieten ihre Wohnung privat über die Plattform Airbnb.

Foto: Jens Kalaene

Hagen.   Immer mehr Hagener vermieten ihre Wohnung über die Plattform Airbnb. Auch wenn das Übernachtungs-Geschäft boomt – Airbnb holt in Hagen auf.

Von einem riesigen Markt kann man noch nicht sprechen, aber es sind einige hundert Wohnungen, die Privatmenschen in Hagen aktuell über die Vermietungs-Plattform „Airbnb“ im Internet anbieten.

Auch wenn der Gaststättenverband und die für den Tourismus zuständige Hagen-Agentur sich zuletzt über rund 292 000 Übernachtungen in Hagen jährlich freuten (ein Plus von 11,4 Prozent zum Vorjahr), so kommt es doch zu Verschiebungen innerhalb dieses Übernachtungsgeschäfts, das Hagen eine sogenannte Bruttowertschöpfung von 40 Millionen Euro beschert.

Airbnb-Mieter sind Familien, Dienstreisende oder Hagener auf Heimaturlaub

Juliane Bukowski besitzt ein Haus am Kuhlerkamp. In einer Wohnung lebt sie selbst, die andere stellt sie bei „Airbnb“ zur tage- oder wochenweisen Vermietung zur Verfügung. Etwa 54 Quadratmeter für 39 Euro je Nacht für zwei Personen.

Die Wohnung ist regelmäßig vermietet. An Familien, an Fernuni-Mitarbeiter, an Dienstreisende oder an Hagener auf Heimaturlaub. Neulich verbrachte sogar ein Paar hier quasi den Sommerurlaub und radelte von der Wohnung aus zu schönen Ausflugszielen der Region.

Regelmäßige Miet-Einnahmen

„Die Leute bleiben immer mindestens zwei Nächte, im Schnitt aber vier bis fünf Tage“, sagt Bukowski. „Airbnb“ sei für sie die optimale Plattform, weil sie zum einen ihre zweite Wohnung nicht dauerhaft an einen klassischen Mieter vergeben möchte, aber zum anderen regelmäßige Einnahmen durch kurze Vermietungen hat. „So bleibe ich höchst flexibel. Und wenn meine eigene Familie zu Besuch ist, kann ich immer Wohnraum zur Verfügung stellen“, sagt sie.

So wie Bukowski machen das in Hagen Hunderte, wie man dem Portal „Airbnb“ entnehmen kann. Und damit spielen sich die Konflikte und Gegensätzlichkeiten, die es auf internationaler Ebene gibt, auch im ganz Kleinen in Hagen ab. Und zwar in mehrerlei Hinsicht. So stehen die „Airbnb“-Angebote in Hagen unter anderem dem Portfolio der 30 klassischen Übernachtungsbetriebe mit ihren 1600 Betten vor Ort gegenüber.

17 Euro billiger als das Hotel

Laut dem deutschen Statistik-Portal „Statista“ würden „Airbnb“-Gäste im Vergleich zu einer durchschnittlichen Übernachtung in einem Hotel im Schnitt 47 Euro weniger zahlen. Der durchschnittliche Preis für eine Übernachtung in einer „Airbnb“-Unterkunft liege in Deutschland bei etwa 64 Euro. Auch wenn Berlin nicht mit Hagen vergleichbar ist: Aber dort hat „Airbnb“ bereits einen Übernachtungsanteil von rund 25 Prozent am Gesamtmarkt.

„In Hagen macht das nichts kaputt“, findet Kirsten Fischer, Tourismus-Beauftragte bei der Hagen-Agentur. Sie glaube nicht, dass „Airbnb“ dem klassischen Übernachtungsgeschäft in Hagen den Rang ablaufen könnte. Im Gegenteil: Fischer denkt, dass der traditionelle Ferienwohnungsmarkt, den es in Hagen ja auch gibt, von der Plattform vermarktungstechnisch profitieren könne. Und überhaupt gelte für sie zunächst mal: „Jede zusätzliche Übernachtung ist wirtschaftlich gut für den Standort Hagen. Egal ob in einem klassischen Hotel oder über ,Airbnb’.“

Das sieht Lars Martin, Chef des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) in Hagen anders. „Der eigentliche Grundgedanke von ,Airbnb’, einen Teil seiner Wohnung mit Luftmatratze und Frühstück zur Verfügung zu stellen, ist schon verloren gegangen. Wohnungen werden zu Ferienwohnungen umgewidmet und treten auch in Hagen in den Wettbewerb mit echten Ferienwohnungen und Hotels.“ Die strengen Vorschriften für Hotels für Hygiene oder Brandschutz würden für „Airbnb“-Wohnungen gar nicht gelten. Im Gegensatz zu Kirsten Fischer ist Martin der Meinung, dass dem klassischen Übernachtungsmarkt durch „Airbnb“ entscheidende Teile genommen würden.

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