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Breckerfeld: Wie Bauernschützen in der Krise zusammenhalten

Wolfgang Falkenroth, Vorsitzender der  Breckerfelder Bauernschützen. Seit 70 Jahren ist ihr Vogelschießen nicht ausgefallen. Dieses Jahr fällt es aufgrund der Coronakrise aus.

Wolfgang Falkenroth, Vorsitzender der Breckerfelder Bauernschützen. Seit 70 Jahren ist ihr Vogelschießen nicht ausgefallen. Dieses Jahr fällt es aufgrund der Coronakrise aus.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Breckerfeld.  Weil das Bauernvogelschießen ausfällt, regiert das Königspaar ein Doppeljahr. Ein kleiner Trost: Die Schützen gehen gemeinsam zum Gottesdienst.

Der heutige Samstag wäre der große Tag gewesen: Heute sollte ein neuer König für die Bauernschützen in Breckerfeld gekürt werden. „Seit 70 Jahren ist das das erste Jahr, das eine Lücke in unserer Chronik hinterlassen wird“, sagt der Vorsitzende Wolfgang Falkenroth.

Königspaar regiert durch

„Dass wir die Tradition des Bauernvogelschießens in diesem Jahr nicht fortsetzen können, ist eine Entscheidung, die der Vorstand schweren Herzens am 19. April getroffen hat; und die traurig für alle ist. Aber natürlich gehen die Gesundheit und die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus vor.“

Das erste Jahr ohne Königs-Abschied, ohne einen Abschied vom Fähnrich, ohne Zeltparty, ohne Frühschoppen. Und das erste Jahr, in dem ein Königspaar durchregiert. „Wir sind das Coronakönigspaar“, sagt Mike Braumann von der Bauernschaft Brenscheid, der zwar traurig über den Ausfall ist, aber optimistisch bleiben will: „Das wird alles nächstes Jahr nachgeholt.“

Kein angemessener Abschied

Da es unter den gegebenen Umständen nicht möglich ist, den scheidenden Würdenträgern einen angemessenen Abschied zu gewährleisten, noch den neuen Würdenträgern einen schönen Einstieg in die Regentschaft zu ermöglichen, regiert das amtierende Königspaar jetzt ein weiteres Jahr.

„Das wir das alles nachholen können, ist schon schön“, sagt Mike Braumann. Lange Planungen seien in die Woche geflossen, „jetzt ist aber alles ausgefallen. Die Regentschaft war damit quasi eine Nullrunde.“ Und das könne man so nicht stehen lassen, findet auch der Vorsitzende Wolfgang Falkenroth.

Im Normalfall nehmen über die Tage mehrere hundert Menschen an den Veranstaltungen teil. „Allein zur Zeltparty kommen rund 400 Leute. Über die Tage verteilt sind mehr als 1000 Leute dabei.“

Hinzu kommen die ehrenamtlichen Helfer, die beim Schmücken und Dekorieren helfen. Dieses Jahr nicht möglich. Traurig, „aber da müssen wir jetzt durch, wie so viele“.

Unterbrechung zuletzt zur Kriegszeiten

Die Gründung der Bauernschützen der Landgemeinde Breckerfeld geht auf die Vergabe der Stadtrechte im Jahr 1396. Seit 1704 pflegen sie die Tradition im Mai am Bauernvogelschießen die amtierenden Majestäten mit einem Zug durch die Landgemeinde abzuholen und anschließend einen neuen König und Fähnrich zu ermitteln.

„Unterbrechungen dieser Tradition gab es zuletzt nur zu Kriegszeiten in den Jahren 1915 bis 1920 und 1940 bis 1949. Das Jahr 2020 wird eine Lücke in unserer Chronik hinterlassen.“

Ein Trost: Immerhin entsteht dem Verein kein finanzieller Verlust. „Wir konnten viel vom Programm auf das nächste Jahr umbuchen“, sagt der Vorsitzende dazu.

Trotzdem wollen alle in der schweren Zeit Zusammenhalt demonstrieren. „Deswegen werden wir am Sonntag gemeinsam zum Gottesdienst gehen.“

Insgesamt 45 der Bauernschützen haben sich dafür angemeldet. Platz beim Gottesdienst ist insgesamt nur für 60 Leute – wegen der Corona-Verordnungen.

Eine tolle Idee

Außerdem liegt vor Ort eine Liste aus, in die sich die Teilnehmer eintragen müssen. „Tatsächlich kam diese Idee zwei älteren Bauernschützen. Der Vorstand hat dann darüber abgestimmt. Wir fanden das eine tolle Idee, um uns trotz der schwierigen Situation zu präsentieren“, sagt Falkenroth. Wenn der Gottesdienst deswegen voll wird, soll im Anschluss ein Zusatzgottesdienst stattfinden. „Das ist eine schöne Aktion.“

Was den Bauernschützen der Landgemeinde Breckerfeld jetzt noch bleibt, ist die Vorfreude auf das kommende Jahr, „wo hoffentlich alles wieder normal stattfinden kann“. Auf der eigenen Internetseite läuft für das Fest schon ein Countdown: „Noch 370 Tage.“ 370 Tage voll Vorfreude, all das nachzuholen, was wegen der Coronakrise in diesem Jahr nicht möglich war. „Jetzt beginnt das Tage zählen“, sagt auch König Mike Braumann. „Wir freuen uns.“

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