Hagener Gastronomie

Das Aus – Traditions-Gasthaus „Spinne“ in Hagen geschlossen

Vor allem der Biergarten vor der „Spinne“ lockte immer zahlreiche Gäste. Wie hier bei einem Musikfest im Sommer 2017.

Vor allem der Biergarten vor der „Spinne“ lockte immer zahlreiche Gäste. Wie hier bei einem Musikfest im Sommer 2017.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen-Mitte.   Sie gehört seit Jahrzehnten zu den Top-Adressen der Hagener Gastronomiewelt und des Nachtlebens. Jetzt ist die „Spinne“ geschlossen

Paukenschlag zum Jahresbeginn in der Hagener Gastronomie-Szene: Die „Spinne“, eines der traditionsreichsten und bekanntesten Gasthäuser der Stadt, ist seit dem gestrigen Neujahrstag geschlossen. Geschäftsführer Klaus „Herbie“ Fritze, selbst ein Original und jahrzehntelange Säule des Hagener Nachtlebens und der Gastronomie, hat seinen Pachtvertrag zum Ende des vergangenen Jahres still und heimlich auslaufen lassen und die „Spinne“ damit von jetzt auf gleich geschlossen. „Ich bin müde“, sagt Fritze, als er gestern Abend in der Stadtredaktion anruft.

„Aus wirtschaftlichen Gründen hätte ich eigentlich weitermachen müssen“, sagt Klaus Fritze. Die Spinne lief aus seiner Sicht zuletzt so gut, dass sie trotz der hohen Fluktuation in der Hagener Gastro-Welt eine der stabilsten Säulen war. „Aber ich mache diesen Job jetzt seit 35 Jahren. Ich arbeite Tag und Nacht und ich habe noch dazu pflegebedürftige Eltern. Es tut mir leid, aber ich muss auf mich schauen“, sagt „Herbie“ Fritze.

Fritze steht, genau wie die „Spinne“, für eine Zeit, die sich viele jüngere Menschen in dieser Stadt gar nicht mehr vorstellen können. Hagen war in den 80er- und frühen 90er-Jahren quasi das Epizentrum der Region, wenn es um das Nachtleben ging. Der damalige „Ratskeller“ war das ausschankstärkste Lokal in ganz Deutschland – noch vor dem Hofbräuhaus in München. Die „Spinne“, das von Fritze damals betriebene „Max“ am Mataré-Brunnen und der Ratskeller bildeten ein Party-Bermuda-Dreieck, in dem nicht nur Hagener gerne versanken. „Chez nous“, „Simpel“, „Madison“, „Las Vegas“, „Rose von Westfalen.“ Fritze war einer der großen Mitspieler auf dem Gastro-Markt in Hagens Nachtleben-Blüte, die leider vorbei ist.

Fünf Jahre hatte Fritze nun die „Spinne“ geleitet, die vor allem auch wegen ihrer Lage an der Hohenzollernstraße in der City ein Top-Anlaufpunkt in der Kneipenwelt ist. Dazu wird die gutbürgerliche Küche von vielen Hagenern geschätzt.

Seinem mit Aushilfen rund 20 Köpfe großen Team hat Fritze, wie er sagt, fristgerecht gekündigt. „Da sind Tränen geflossen, das fiel mir unheimlich schwer.“ Über Weihnachten fassten Fritze und seine Frau Elke endgültig den Entschluss, dicht zu machen. „Ich muss für mich persönlich eine Auszeit nehmen“, sagt er, „jetzt muss die jüngere Generation ran. Auch wenn die Spinne eine große Aufgabe ist: Sie ist auch ein Top-Lokal, mit dem man gut verdienen kann“, animiert Fritze Nachwuchs-Gastronomen, sich bei Verpächter Wolfgang Schneider oder bei Getränke Weidlich in Dortmund zu melden und das Lokal zu übernehmen.

Die Schließung der „Spinne“ ist nicht die einzige negative Nachricht auf dem Hagener Gastronomiemarkt in der vergangenen Zeit.

Auch der Ratskeller ist geschlossen

Neun Monate nach Neueröffnung wurde der „Ratskeller“ im Mai wieder dicht gemacht. Dem Pächter war das frisch renovierte Lokal über den Kopf gewachsen. Eigentümer der Räumlichkeiten ist eine Fondsgesellschaft, die die komplette Volme-Galerie in ihrem Besitz hat. Bislang ist kein neuer Betreiber in Sicht. Als Fritze die Stadtredaktion gestern Abend über das Spinne-Aus informierte, waren weder Verpächter Wolfgang Schneider noch Getränke Weidlich für eine Stellungnahme erreichbar.

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