Mein Hagen

Depression am Straßenrand

Martin Weiske

Martin Weiske

Foto: Michael Kleinrensing

Nach fast 5000 Reisekilometern auf dem Tacho ist es deprimierend, wieder nach Hagen zurückzukehren. Nicht etwa, weil ich Heimatstadt und Zuhause nicht zu schätzen weiß oder nach genussvollen Urlaubswochen die Klippen des Alltags wieder zu bewältigen sind. Es ist vielmehr der optische Eindruck, der überreichlich Frust erzeugt.

Wegwerfspektakel

Kaum ist man von der Autobahn runter, liegt wieder Dreck am Straßenrand. Dabei meine ich weniger die aufgetürmten Hausstände auf den Bürgersteigen, sondern vielmehr das Kleinteilige: von der Zigarettenschachtel bis zum Pizzakarton, von der Getränkedose bis zur vom Winde verwehten Döner-Plastiktüte. Unsere Verkehrsadern sind einfach eine Beleidigung fürs Auge. Bei unseren europäischen Nachbarn – sicherlich auch keine Öko-Heiligen – ist der Zwang, die Straßenbenutzung mit einem Wegwerfspektakel zu verknüpfen, bei weitem nicht so ausgeprägt.

Schamlose Haltung

Dass opulent sprießende Ritzenvegetation in Hagen inzwischen als Beitrag zum Insektenschutz definiert wird, mag man ja noch akzeptieren – auch wenn es ein wenig nach Pflegebequemlichkeit klingt. Doch der Müll entlang der Straßen bleibt schäbig und vor allem unentschuldbar. Denn es hat mit dem Respekt eines jeden Einzelnen seinen Mitmenschen und damit der Gesamtgesellschaft gegenüber zu tun. Eine wertschätzende Haltung der eigenen Heimatstadt gegenüber lässt diese Abfallschamlosigkeiten kaum zu.

Wer also noch auf gepackten Urlaubskoffern sitzt, sollte sich auf seiner Reise von den Nachbarn mal inspirieren lassen. Es lohnt sich.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben