Stadtgeschichte

Echte Rarität: Modell des Rathauses Hagen wieder aufgetaucht

Dieses Modell des Hagener Rathaus ist so nie Wirklichkeit geworden. Reiner Rosga, Ralf Blank, Andreas Korthals sowie Baudezernent Henning Keune (von links) freuen sich, dass es in einem so guten Zustand erhalten ist.

Dieses Modell des Hagener Rathaus ist so nie Wirklichkeit geworden. Reiner Rosga, Ralf Blank, Andreas Korthals sowie Baudezernent Henning Keune (von links) freuen sich, dass es in einem so guten Zustand erhalten ist.

Foto: Jens Stubbe

Hagen.  Ein Modell des Hagener Rathauses sorgt für Aufsehen. Es stammt aus dem Jahr 1954 und ist in bestem Zustand.

Mit staunenden Augen blicken sie immer wieder von allen Seiten auf diesen kleinen Schatz – Hagens Chefhistoriker Dr. Ralf Blank und Hagens neuer Baudezernent Henning Keune. Solch ein Schatz braucht immer jemanden, der ihn hütet. Dieser Jemand war über Jahre hinweg Rainer Rosga, Mitarbeiter der Gebäudewirtschaft Hagen, der sich nun mit all seinem Wissen um die Immobilien der Stadt in den Ruhestand verabschiedet. „Räum’ doch schon mal deine Brocken zusammen“, hat man dem angehenden Pensionär noch mit auf den Weg geben. Und da ist Rosga auch der Schatz wieder eingefallen.

Der Schatz ist ein Modell. Eines, das viel mit Hagen und seiner Geschichte zu tun hat. Er ist ein Modell desRathauses, das aus dem Jahr 1954 stammt. Eine Version, eine planerische Vision, die so allerdings nie Wirklichkeit geworden ist. „Als ich es zum ersten Mal gesehen habe, war ich baff“, sagt der Historiker Dr. Ralf Blank, Leiter des Fachdienst Wissenschaft, Museen und Archive. „Ich habe mich unter Kollegen umgehört – so etwas in einem solch guten Zustand, das ist eine echte Rarität.“ Und Keune ergänzt: „Wer eine Stadt entwickeln will, muss etwas über ihre Geschichte wissen. Und da kann man aus so einem Modell einiges lernen.“

Rarität war lange Zeit verschollen

Die Rarität war lange Zeit verschollen und wäre im Wirrwarr um die Umzüge des stätischen Hochbauamtes beinahe verloren gegangen. „Als ich dort im März 1990 angefangen habe, war das Amt noch an der Frankfurter Straße untergebracht“, sagt Rosga, „als wir 2005 von dort umgezogen sind, habe ich das Modell zum ersten Mal gesehen. Wir haben’s dann im Busdepot in Oberhagen gelagert. Als wir 2009 auch das Gebäude geräumt haben, sollte es eigentlich entsorgt werden.“ Rosga aber nimmt sich des Schatzes an, hütet ihn und wendet sich jetzt, da sein Berufsleben bei der Stadt dem Ende zugeht, an das Stadtarchiv.

Dieser Schatz, in filigranster Handarbeit von einer Firma Planplastik aus Rösrath dokumentierte Stadtgeschichte. „Weite Teile des Rathauses sind ja durch die Bombenangriffe zerstört worden“, sagt Ralf Blank, „als das Modell erstellt wurde, war der Wiederaufbau in Hagen ja gerade in vollem Gange.“ Das Modell zeigt den historischen Bereich, so wie er auch heute noch steht, daneben das Eingangsportal, das in Teilen erhalten geblieben war, dann aber doch abgerissen wurde, und daneben einen Anbau, in dem der neue Ratssaal Platz finden sollte.

Neubau mit hoher symbolischer Bedeutung

Umgesetzt worden sind die Pläne, die diesem Modell zugrunde liegen, aber nie. „1960 hat der Abriss begonnen“, so Blank, „es musste Platz für das Verwaltungshochhaus und den neuen Ratssaal geschaffen werden. Als dann der neue Ratssaal 1964 eingeweiht wurde, hatte das ein hohe symbolische Bedeutung. Damit war der Wiederaufbau nach dem Krieg abgeschlossen.“

Dieser Bau aus Waschbeton und Stahl, an dessen Stelle die Volmegalerie entstanden ist, ist längst Geschichte. Das Rathaus-Modell hingegen hat unter einer Plastikglashaube die Zeiten unbeschadet überdauert. „Wir werden es in unsere Dauerausstellung übernehmen“, sagt Ralf Blank und verweist auf einen Museumsteil im im Kunstquartier, in dem es künftig um die Historie der Stadt Hagen gehen soll. Die Eröffnung der Dauerausstellung ist für 2021 geplant.

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