Gericht

Einbrecher verurteilt: Polizei Hagen schlägt auf Kita-Klo zu

In diesen Kindergarten in Hagen sind zwei Männer aus Georgien eingebrochen. Jetzt wurden sie verurteilt.

In diesen Kindergarten in Hagen sind zwei Männer aus Georgien eingebrochen. Jetzt wurden sie verurteilt.

Foto: Michael Kleinrensing

Rummenohl.  Für einen Einbruch kamen sie eigens aus Georgien. Für zwei Einbrecher endete die Reise auf einem Kindergarten-Klo in Hagen.

Im Frühjahr beunruhigte eine Einbruchsserie die Anwohner im Volmetal: Unbekannte Täter stiegen in eine Metallfirma, ein Wohnhaus sowie in eine Gaststätte ein und brachen ein Auto auf. Auch der städtische Kindergarten in Rummenohl wurde nachts aufgehebelt. Die Polizei konnte diesmal zwei Männer festnehmen. Jetzt standen sie vor Gericht – und die Staatsanwaltschaft zeigte sich milde.

79 Tage in Untersuchungshaft. Mit hängenden Köpfen lassen sich die beiden Angeklagten von Wachtmeistern in den Amtsgerichtssaal führen. Dort warten schon die Pflichtverteidiger und eine Russisch-Dolmetscherin. Der Angeklagte O. (36), ledig, gibt als Beruf „Möbelhändler“ an. Er schiebt hinterher: „Ich verkaufe Möbel aus Deutschland.“ Wohnort hier: keiner. Er nennt eine Adresse aus Georgien. Angeklagter G. (38), hager, verheiratet und ein 13-jähriges Kind, wohnt ebenfalls in Georgien. Er sei „Handwerker“ ohne geregeltes Einkommen.

Anwohnerin hört Klopfgeräusche und ruft die Polizei

Die Tat: Mittwoch, 22. Mai. Gegen 0.20 Uhr ruft eine Anwohnerin der Oelmühler Straße in Rummenohl die Polizei: Sie habe seltsame Klopfgeräusche aus dem benachbarten Kindergarten gehört. Mehrere Streifenwagen sind schnell vor Ort. Das Gebäude wird umstellt. Die Eingangstür zur Einrichtung ist lediglich angelehnt, am Türschloss sind Hebelspuren deutlich erkennbar.

Verschiedene Zimmer im Kindergarten werden durchwühlt. Auf dem Boden liegt eine Geldkassette. Doch was ist das? Wie von Geisterhand bewegt sich die Türklinke der Toilette ein Stück nach oben. Offenbar wird die Klokabine von innen zugehalten. Da auch nach mehrfacher Aufforderung niemand öffnet, tritt schließlich ein Polizeibeamter die Tür auf: Dahinter kauern zwei Männer.

Einbrecher geben eine Tat zu und schweigen dann

Im Prozess melden sich die beiden Verteidiger unisono zu Wort: Der Vorwurf des Kindergarten-Einbruchs sei richtig, weitere Angaben wollten ihre Mandanten aber nicht machen. Amtsrichterin Judith Krämer versucht es trotzdem: „Seit wann sind Sie im Bundesgebiet und aus welchem Grund?“ Die Verteidiger: „Dazu werden beide schon gar nichts sagen.“

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft hat am Ende doch noch eine Frage, auf die beide Angeklagten gerne antworten: Ob die nahezu drei Monate Untersuchungshaft sie denn beeindruckt hätten? „Ja, das fiel mir sehr schwer, ich konnte nur einmal mit Zuhause telefonieren“, beklagt der eine. „Ich hatte gar keinen Kontakt zu meiner Frau und meiner Tochter, nicht mal telefonisch“, so der andere. Der Anklägerin ist deutlich anzumerken, dass ihr beide Männer offenbar leid tun. Sie fordert lediglich 900 Euro Geldstrafe für den einen und 1200 Euro Geldstrafe für den anderen Angeklagten, „unter Anrechnung auf die verbüßte Haft.“

Deutliche Worte der Richterin

Den beiden Polizeibeamten, die die Kindergarten-Einbrecher aus ihrem Klo-Versteck geholt hatten, und im Zuhörerraum sitzen, fällt die Kinnlade herunter: Die gesetzliche Mindeststrafe für Einbrecher beträgt eigentlich drei Monate Gefängnis. Richterin Krämer spricht im Urteil deutliche Worte aus: „Ich sehe das völlig anders als die Staatsanwältin und meine nicht, dass man hier noch mit Geldstrafen auskommt.“

Sie verhängt vier Monate und drei Monate Haft, jeweils zur Bewährung, sowie 500 Euro Geldauflage für beide Angeklagten. Die Richterin: „Wenn jemand aus dem Ausland anreist, um hier einzubrechen, wäre eine kleine Geldstrafe das wirklich falsche Signal.“

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