Bildung

Eltern in Hagen reicht es: Desaströse Zustände an Schule

So sehen viele Wände in der Sekundarschule Altenhagen aus.

So sehen viele Wände in der Sekundarschule Altenhagen aus.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Altenhagen.  Man glaubt nicht, dass man im 21. Jahrhundert ist: Die Zustände in der Sekundarschule Altenhagen sind desaströs. Jetzt wehren sich die Eltern.

Jahrelang haben die Eltern der Sekundarschule Altenhagen geschwiegen, jetzt reicht es ihnen. „Die Zustände im Schulgebäude spotten jeder Beschreibung“, sagt Cornelia Sommer, Mutter von drei Kindern und Vorsitzende der Schulpflegschaft: „Die Situation ist teilweise menschenunwürdig. Die Schüler fühlen sich nicht wertgeschätzt, sondern herabgewürdigt. So kann es einfach nicht weitergehen.“

Tatsächlich muss jedem Besucher der Schule schon beim ersten Anschein die katastrophale Verfassung des Hauses ins Auge fallen. Von den Wänden bröckelt der Putz, Kleckse aus Spachtelmasse bedecken Risse und Spalten, anderswo klaffen hässliche Löcher – man will gar nicht glauben, dass man sich in einer deutschen Schule des 21. Jahrhunderts befindet. „Seit Jahrzehnten ist hier nicht mehr gestrichen worden“, sagt Cornelia Sommer mit einem Blick auf die verdreckten Wände.

Offener Brief an die Politiker

In einem Offenen Brief an Oberbürgermeister Erik O. Schulz und die Politiker im Stadtrat haben die Mitglieder der Schulpflegschaft ihrem angestauten Ärger jetzt Luft gemacht. Sie verweisen auf die angekündigte Renovierung eines naturwissenschaftlichen Raumes, die immer wieder verschoben wurde. Sie verweisen auf die Lichtkuppel über dem Innenhof des Gebäudes, aus der vor einigen Monaten ein Plexiglas-Element herabfiel und einen Schüler knapp verfehlt haben soll. „Gar nicht auszudenken, was passiert wäre, wäre der Junge getroffen worden“, so Frau Sommer. Doch anstatt die maroden Deckenteile zu renovieren, ließ die Stadt lediglich ein Sicherheitsnetz über den Hof spannen.

Die Eltern verweisen auf einen Technikraum, den das Gesundheitsamt wegen Schimmelbefalls im Mai gesperrt habe. Seitdem fällt der Technikunterricht ersatzlos aus – und das an einer MINT-Schule, an der Technik besonderen Stellenwert genießen soll.

Ekelhafte Toiletten

Die Eltern verweisen auch auf die schäbigen, schmutzigen Schülertoiletten, die – weil ohne Klobrille, Deckel und Hygienebehälter – von den meisten Jugendlichen gemieden werden. Viele Kinder würden tagsüber nichts trinken, um nur ja nicht zur Toilette gehen zu müssen, berichtet Cornelia Sommer: „Es ist ekelhaft. Und so langes Einhalten ist ja auch ungesund. Seit sechs Jahren fordern wir die Stadt auf, etwas zu unternehmen, aber es tut sich nichts.“

Zwar habe die Stadt einen Raum fürs Darstellen und Gestalten, einen Computer-, einen naturwissenschaftlichen Raum und die Mensa (mit zweieinhalb Jahren Verspätung) hergestellt, dies sei mit Blick auf das Gesamtgebäude jedoch ein Tropfen auf den heißen Stein.

Eltern sehen Altenhagen benachteiligt

Die Eltern untermauern ihre Mängelliste mit einem Verweis auf die Qualitätsanalyse von Experten der Bezirksregierung Arnsberg aus dem Jahr 2017/18, in dem das Gebäude als „gesundheitsgefährdend“ eingestuft worden und die Stadt auf die mangelnde Ausstattung der Schule hingewiesen worden sei. Dass einige Tafeln in den Klassenzimmern Löcher aufweisen, nicht magnetisch sind und noch aus der Zeit vor dem Kriege stammen, ist in diesem Zusammenhang fast eine Randnotiz. „Da fragen wir uns schon manchmal, ob wir und unsere Kinder in Altenhagen, die nicht so die politische Lobby haben wie es in anderen Stadtteilen anscheinend der Fall ist, Bürger zweiter oder dritter Klasse sind“, fühlen sich die Eltern schmerzlich benachteiligt.

Seitens der Stadtverwaltung zeigte sich auf Anfrage der WP Volker Bald, Leiter des Fachbereichs Gebäudewirtschaft, betroffen von den Vorwürfen, von denen ihm einige gänzlich unbekannt seien. In puncto Toiletten habe er den Hausmeister angewiesen, die unhaltbaren Zustände unverzüglich zu beseitigen. Die marode Lichtkuppel werde auf jeden Fall im nächsten Jahr saniert, und bei den schwarzen Flecken im Technikraum handele es sich nicht um Schimmel, sondern um Verfärbungen infolge von Feuchtigkeit: „Um dieses Problem in den Griff zu kriegen, müssen wir die Fassade möglicherweise noch einmal von außen aufgraben.“

Schulleiter nimmt nicht Stellung

Bald lud die Eltern zu einem Treffen in der Schule ein, um die Mängelliste aufzuarbeiten und über alles zu sprechen. Schulleiter Theo Kleinhofer wollte auch nach Rückfrage unserer Zeitung keine Stellungnahme abgeben. Die Eltern dagegen betonen, dass sich ihre Kritik lediglich am Gebäudezustand festmache, das Kollegium leiste hervorragende Arbeit: „Ich bin immer noch überzeugt von dieser Schule, sonst wären meine drei Kinder auch nicht mehr hier“, so Cornelia Sommer.

Der pädagogische Aspekt habe ja auch im Qualitätsbericht der Bezirksregierung sehr gut abgeschnitten. Desto skandalöser sei es, dass die Stadt Hagen nicht einmal ihren grundlegendsten Verpflichtungen nachkomme.

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