Berufswelt

Fachseminar in Hagen bildet letzte Altenpfleger in NRW aus

Peggy Borchert und Kevin Körner machen eine Ausbildung zum Altenpfleger.

Peggy Borchert und Kevin Körner machen eine Ausbildung zum Altenpfleger.

Foto: Hubertus Heuel / WP Hagen/Heuel

Hagen.  Das Fachseminar für Altenpflege will ein Zeichen setzen gegen den Pflegenotstand. Leiter Jahn richtet deshalb einen zusätzlichen Lehrgang ein.

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Zum letzten Mal beginnt am 1. November eine dreijährige Ausbildung zum Altenpfleger am Fachseminar für Altenpflege in Hagen. Es ist der letzte Ausbildungslehrgang in ganz Nordrhein-Westfalen, ehe im Jahr 2020 das neue Pflegeberufegesetz in Kraft tritt, das die Ausbildungen in der Kranken- und Kinderkrankenpflege einerseits und Altenpflege andererseits zusammenlegt, um sie zu modernisieren und an die veränderten Anforderungen anzupassen.

Dass im November ausgerechnet in Hagen noch einmal 28 Azubis nach der alten Ausbildungsordnung an den Start gehen, hat viel mit dem neuen Leiter des Fachseminars in der Buschstraße, Klaus-Dieter Jahn (60), zu tun. Er ist zwar erst seit Anfang dieses Monats in Hagen tätig, erlebt die Stadt aber, wie er sagt, „im Aufbruch“ und ist insbesondere von dem an seiner neuen Arbeitsstätte vorherrschenden Optimismus und Elan angetan: „Hier sind alle so fröhlich und motiviert.“

Investition in die Zukunft

Deshalb und weil es genügend Bewerber gebe, habe er außerplanmäßig einen weiteren Ausbildungslehrgang angeregt: „Die Altenheime in Hagen und Umgebung und auch das Jobcenter sind uns außerordentlich dankbar dafür.“ Vor allem aber habe er ein Zeichen setzen wollen gegen den Pflegenotstand, so Jahn: „Wir müssen etwas tun, damit uns in Deutschland nicht die Altenpfleger ausgehen.“

Das kann Inga Hoberg, Ausbildungsleiterin im Seniorenzentrum an der Buschstraße, nur bestätigen: „Wir wollen dazu beitragen, dass unsere Bewohner auch in Zukunft fachgerecht versorgt werden“, sagt die gelernte Altenpflegerin, die von ihrem Arbeitgeber freigestellt wurde, um sich ganz auf die Begleitung, Betreuung und Bewertung der neuen Azubis konzentrieren zu können: „Allein daran sieht man, dass wir das Thema Ausbildung ausgesprochen Ernst nehmen.“

Job mit Perspektive

Zu den letzten 28 Azubis, die am 1. November ihre Lehrzeit antreten, gehört Peggy Borchert (34). Die Mutter von Zwillingen hat schon viel Erfahrung in der Branche, arbeitet sie doch seit 17 Jahren als Altenpflegehelferin in der Seniorenresidenz Vivaldi auf dem Kratzkopf. „Ich möchte mehr Fachwissen erlangen und mehr Mitspracherechte im Job haben“, begründet sie ihren Entschluss, die dreijährige Ausbildung anzugehen.

Kevin Körner (28) ist dagegen ein Quereinsteiger, der Verfahrensmechaniker hat bislang in der Industrie gearbeitet. Dass es ihn nun in die Pflege zieht, hat nicht zuletzt damit zu tun, dass seine Mutter und seine Schwestern bereits in diesem Metier tätig sind: „Und es ist ein Job mit Perspektive. Ich denke, ich werde einen sicheren Arbeitsplatz bekommen.“ Finanzielle Abstriche gegenüber seiner bisherigen Tätigkeit nimmt er dafür gerne in Kauf, wie er sagt.

In Hagen angekommen

Klaus-Dieter Jahn scheint also mit der Einrichtung eines zusätzlichen Ausbildungslehrgangs verschiedenen Bedürfnissen gerecht zu werden. Die Philosophie des Fachseminars laute: „Es ist nicht so wichtig was du wirst, sondern wie du wirst“, berichtet er: „Mir geht es um Haltung. Ich wähle Bewerber nach ihrer Haltung und ihrer Motivation aus.“ Solcherlei Kriterien seien bisweilen wichtiger als die schulischen Voraussetzungen.

Auch privat ist der aus Eisenach stammende Jahn, der zuvor ein Fachinstitut in Halle leitete, in Hagen bestens angekommen. In Haspe hat er eine Wohnung gefunden, seine Frau wird demnächst nachziehen. „Zum Wandern habe ich das Sauerland vor der Tür, für die Kultur das Ruhrgebiet. was will man mehr?“

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