Vögel

Falken brüten vor Kamera auf Müllverbrennungsanlage in Hagen

Ein spektakulärer Ausblick:  Auf dem 86 Meter hohen Schornstein der Müllverbrennungsanlage in Hagen brüten Wanderfalken. Mit einer Webcam des Wetternetzes Hagen wird dies beobachtet.

Ein spektakulärer Ausblick: Auf dem 86 Meter hohen Schornstein der Müllverbrennungsanlage in Hagen brüten Wanderfalken. Mit einer Webcam des Wetternetzes Hagen wird dies beobachtet.

Foto: Wetternetz Hagen

Hagen.   Ein spektakulärer An- und Ausblick: Auf dem Schornstein der Müllverbrennungsanlage in Hagen brüten Wanderfalken. Beobachtet von einer Web-Cam.

Ein brütendes Wanderfalken-Paar auf dem 86 Meter hohen Schornstein der Hagener Müllverbrennungsanlage hat das Zeug, um ein Internet-Star zu werden. Noch sind die beiden Web-Cams allerdings nicht online geschaltet, da die Betreiber rechtliche Voraussetzungen klären müssen. Doch intern liefert die Kamera bereits spektakuläre Bilder. Und zwar vom Brutvorgang der seltenen Vögel – aber auch von der Stadt aus luftiger Höhe.

Bereits vier Eier gelegt

Betrieben werden die Web-Cams vom Wetternetz Hagen, einem Zusammenschluss von Wetter-Experten um Bastian Rissling und Franz Schaumann. Sie hatten im vergangenen Herbst auch die Idee, die Anlage auf dem 86 Meter hohen Turm zu installieren. Dort sind nun in schwindelerregender Höhe auch Messanlagen für Wetterdaten montiert

worden. „Wir wollen dort zum Beispiel Windstärken erfassen, um bei Bedarf auch Warnungen ausgeben zu können“, so Bastian Rissling, der selbst – natürlich entsprechend gesichert – bei der Montage mit oben auf dem Schornstein war. „Ich bin zum Glück schwindelfrei.“

Und dann wurden auch noch die Kameras installiert, die nun das Leben der Wanderfalken quasi lückenlos dokumentieren. Die Vögel galten 50 Jahre lang als ausgestorben in Hagen. Erst im Jahr 2007 gelang es dann, hoch oben auf dem Schornstein der Müllverbrennungsanlage gute Bedingungen für eine Wiederansiedlung zu schaffen. „Die Wanderfalken sind eigentlich Felsenbrüter“, sagt Michael Wünsch, Experte beim Naturschutzbund NABU aus Hagen. Das heißt: Sie brauchen kein Nest, sondern scharren eher eine Mulde – das aber in großer Höhe. „In den vergangenen zwölf Jahren haben die Wanderfalken den Platz auf dem Schornstein immer

angenommen“, freut sich Michael Wünsch. Auch an drei anderen Stellen in Hagen brüten die Tiere.

Brutzeit wird bald beginnen

Hoch oben über der Müllverbrennungsanlage geschieht dies nun unter Dauerbeobachtung. Die Tiere werden dabei aber nicht gestört, darauf legt Bastian Rissling Wert: „Die Kamera blinkt nicht oder macht Geräusche.“ Und so hat auch in diesem Jahr das Wanderfalkenpaar den Brutplatz bezogen. „Die Tiere legen etwas zeitversetzt ihre Eier“, erklärt Michael Wünsch. Das erste kam am 24. Februar. „Inzwischen sind es vier. Daher

denke ich, dass jetzt bald mit dem Brüten begonnen wird.“ Etwa 30 Tage wird es dauern , bis die ersten kleinen Falken – auch wieder zeitversetzt – aus der Schale kriechen werden. Die Tiere werden dann von Thorsten Thomas, einem Experten, der dies im gesamten Ruhrgebiet tut, beringt, um weiter nachverfolgen zu können, was aus den Tieren wird.

Der Hagener Entsorgungsbetrieb (HEB), der die Müllverbrennungsanlage betreibt, ist glücklich über die „Untermieter“: „Sie vertreiben die Tauben, die sonst mit ihrem Kot die Scheiben verdrecken“, so HEB-Sprecherin Jacqueline Jagusch.

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