Serie: So arbeitet Hagen

Förster im Hagener Wald: Wirtschaften statt Bäume umarmen

Die Stunden, die Förster Martin Holl mit Labrador-Hündin Laila im Wald verbringt, werden immer seltener. Der Job fesselt auch regelmäßig an den Schreibtisch.

Die Stunden, die Förster Martin Holl mit Labrador-Hündin Laila im Wald verbringt, werden immer seltener. Der Job fesselt auch regelmäßig an den Schreibtisch.

Foto: Michael Kleinrensing / WP Michael Kleinrensing

Hagen.  Förster Martin Holl kümmert sich mit seinem Team für den WBH um den Hagener Stadtwald. Ein Job, der allzu häufig auch am Schreibtisch stattfindet.

Die ersten Sonnenstrahlen blinzeln zwischen den Baumwipfeln hindurch, der Tau des Morgens liegt noch auf der abgeschiedenen Waldwiese, auf der sich gerade drei Rehe am frischen Grün laben. Vogelstimmen bilden die akustische Kulisse zu einem gemütlichen Gespräch mit Förster Martin Holl auf einem verborgenen Hochstand im Hagener Stadtwald. So romantisch hätte man sich die Situation vorstellen können – stattdessen sitzen wir in einem Büro in der Eilper Straße, in dem sich die Aktenberge stapeln. „Keiner wird Förster, weil er gerne im Büro am Schreibtisch sitzt“, macht der 35-Jährige keinen Hehl daraus, dass er zu viele Stunden in seiner Amtsstube verbringt und auch lieber in der Natur seinen Arbeitsplatz präsentieren würde.

„Mindestens 50 Prozent macht im öffentlichen Dienst eben der Verwaltungsteil aus. Die Zeiten, in denen der Förster morgens mit den Lunchpaket über dem Buckel losgezogen ist und abends erst wiederkam, sind seit 40 Jahren vorbei.“ Vor seiner Tätigkeit in Hagen war Holl bis 2014 in Rheinland-Pfalz in einem Privatwald für einen Grafen tätig. Dort verbrachte er weitaus mehr Zeit in der Natur, weil der gesamte Verwaltungsaufwand geringer ausfiel.

Biologie in der Schule abgewählt

Der naturinteressierte Kölner ist für den Försterjob keineswegs familiär vorbelastet. Zwar hat er Kindheitserinnerungen an Campingurlaube in Schweden und heimische TV-Abende mit „Forsthaus Falkenau“, doch wirklich fasziniert für den Job hat ihn nach Abitur und Zivildienst erst ein Praktikum u.a. im Forst und Köln.

Über ein Forstwirtschaftsstudium an der FH-Göttingen fand er, obwohl er in der Oberstufe das Fach Biologie abgewählt hatte, letztlich den Weg in den Beruf. Heute beschert ihm seine Aufgabe den Beamten-Status – ohne dass dies bedeutet, von 8 bis 16 Uhr seine Stunden abzuleisten, um in Anschluss den Griffel fallen zu lassen.

Ohnehin bestimmt der Lauf der Jahreszeiten den Rhythmus des Forstamtmannes (A11, ca. 3200 Euro). Mit seinem zehnköpfigen Team hat er den Blick auf 1900 Hektar Waldflächen in Hagen. Meist beginnen die Tage morgens um 7 Uhr am Betriebshof Forsthaus Kurk (Haspe), wo zunächst die Tätigkeiten des Tages besprochen werden, bevor Holl in sein Büro beim Wirtschaftsbetrieb Hagen (WBH) fährt, um Korrespondenz zu erledigen, Termine mit Holzkunden wahrzunehmen, die Rahmenbedingungen für die Erneuerung der Stromleitungstrassen abzuklären oder Ortstermine in Sachen Brennholzverkauf wahrzunehmen. Grundsätzlich gilt: Herbst und Winter sind die Zeiten des Holzeinschlags, im Frühjahr und Herbst geht um die Pflanzung, im Mai steht die Jagd im Vordergrund und im Sommer geht es um die Kultur- und Wiesenpflege. „Ab und zu, wenn ich Zeit habe, komme ich auch noch dazu, eine Waldführung zu machen.“

Heimelige Momente aus den Heimatfilm- und TV-Serien-Klischees spielen da kaum eine Rolle: „Natürlich sind wir ein Wirtschaftsbetrieb – der Studiengang heißt ja auch ,Forstwirtschaft’ und nicht ,Bäume umarmen’. Was keineswegs bedeutet, dass Forstwirtschaft Raubbau betreibt. Es geht immer auch um Nachhaltigkeit. Man arbeitet dann am wirtschaftlichsten, wenn man mit der Natur arbeitet und nicht dagegen.“ Dennoch: mal zwei Stunden auf dem Hochstand zu sitzen und in den Wald hineinzuhorchen und zu -blicken, gehört ebenso zu den Aufgaben des 35-Jährigen. „Das ist dann allerdings keine Dienstzeit, gehört aber zum Job und ist eine Art Ausgleich, um wieder runterzukommen.“

Hohe Wertschätzung

Dabei spürt Holl, der am Waldrand wohnt, durchaus, dass die Menschen seine Förstertätigkeit als faszinierenden Beruf empfinden. „Allerdings macht ihn fast keiner.“ Positives Image, hohe Wertschätzung, aber eben eine großen Distanz zur Lebenswirklichkeit der meisten Menschen lassen bei der Jobwahl zögern.

Vielfalt und Stadtnähe sieht der Forstamtmann als die Stärken des Hagener Waldes an. „Für den Bürger ist das toll, für uns ist das durchaus problematisch, weil es unsere Aufgabe nicht einfacher macht.“ Es gibt reichlich Konfliktpotenzial zwischen Erholungssuchenden, Naturliebhabern und wirtschaftlichen Aufgaben der Forstverwaltung. Und das auch noch in einer schwierigen Topographie. Das Spektrum reicht von durch Privatgärten vagabundierenden Wildschweinen und Waschbären, verirrten Entenfamilien bis hinzu ungezählten wilden Müllkippen.

Wunderschön und gefährlich

Dabei betont Holl, dass es sich um eine durchaus lebensgefährliche Arbeit und einen „knüppelharten Job“ handelt. Damit meint es nicht bloß die direkten Risiken bei Holzfällerarbeiten oder durch Zeckenbisse (Borreliose), sondern auch den schleichenden Verschleiß am Rücken, der im Laufe der Jahre bei fast allen Kollegen angesichts der körperlichen Belastung im steilen Hagener Gelände auftritt. „Und trotzdem ist es ein wunderschöner Beruf.“

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