Zum 100. Geburtstag

Fritz Schnettler: Erinnerung an den großen Boeler Macher

Am vergangenen Samstag wäre Schnettler 100 Jahre alt geworden. Er starb im April 2001.

Am vergangenen Samstag wäre Schnettler 100 Jahre alt geworden. Er starb im April 2001.

Foto: Familie Schnettler

Boele.  In Boele ist sein Name eine Institution und für viele seiner Nachfahren eine Verpflichtungen. Fritz Schnettler prägt den Stadtteil bis heute.

Fritz Schnettler ist überall.

Rundum die Loßrock-Wiesen am wunderschönen „Koller Strötken“, dem Naturschutzgebiet mitten in Boele. Er ist da, wenn der Ochse sich auf dem Sommerfest dreht. Wenn die Kinder voller Stolz mit ihrer Laterne zum Martinszug aufbrechen. Wenn der Karnevalszug in den Boeler Gassen losrollt. Wenn die Handwerker sich morgens „bei Schnettler“ Zwiebelmett kaufen. Wenn die Katastrophenkapelle spielt. Wenn der Oberloßrock auf den Thron steigt. Und jedes Mal, wenn die Menschen in Boele über ihren Stadtteil sagen, dass der Zusammenhalt hier so stark wie Pattex und die Hilfsbereitschaft größer als der Boeler Dom ist. Der große und geachtete Boeler Fritz Schnettler, der am 25. April 2001 für immer die Augen schloss, wäre am vergangenen Samstag 100 Jahre alt geworden. Der Mann, der Werte und Institutionen geschaffen hat, die die Boeler weiter stolz hochhalten und die junge Boeler Generationen zu ihren eigenen machen.

Ein klares Wort. Eine zupackende Art. Ein Sinn für Gerechtigkeit. Ein Werte-Macher und ein Menschen-Zusammenbringer. Als der Fleischermeister Fritz Schnettler 1949 mit seinen Mitstreitern die Boeler Loßröcke gründete, da trieben ihn nicht nur karnevalistische Motive um. Nicht nur „Hoch die Tassen“ und „Sau raus“. Schnettler und Co. gründeten einen Verein, der die Sitten ihres Ortsteils pflegen, den immensen Wert einer liebenswerten Heimat hochhalten sollte und vor allem: der die Schwächeren der Gesellschaft auf die Stufe derjenigen bringen sollte, denen es besser geht. Bis heute gehört das zu den Leitprinzipien der Loßröcke, die ehrfürchtig in Schnettlers Geiste die Tradition hochhalten und es schaffen, die junge Bevölkerung für das Brauchtumswesen zu begeistern.

Am vergangenen Samstag schüttete es es zwar aus Kübeln. Doch in der legendären Schmiede hinter der Loßrockhalle an der Malmkestraße traf sich eine riesige Familie: die Schnettlers. Ahnen des Vaters, des Großvaters, des Uropas Fritz, der diesen Ort erschaffen hat und wo Berichterstattungen aus großen Tagen an den Wänden hängen, in denen Schnettler getan hat, was soziale Online-Netzwerke heute Stück für Stück weg zu knabbern drohen: Menschen an einen Tisch bringen. Kontakt pflegen, Probleme beseitigen, Sorgen ausräumen, Arbeit sehen und angehen. Als Gemeinschaft, als Verein.

Begegnungen schaffen

Das klingt so fürchterlich simpel. Und doch ist es das Gegenteil von dem, was Fritz Schnettler heute erleben könnte, wenn er sich außerhalb von Boele umschauen würde. Digitalität versucht Begegnungen zu verdrängen. Die Loßröcke sind noch heute der Antipol zu diesem nicht aufzuhaltenden Trend. Und man mag den Eindruck bekommen, dass, je unaufhaltsamer diese Entwicklung wird, der Zusammenhalt unter ihnen immer stärker wird.

Schnettler hatte 1949 in damals bereits dritter Generation die 1878 gegründete Metzgerei Schnettler übernommen und 1974 an seinen Sohn Friedhelm übergeben, der sie 2009 an seine Zwillingstöchter Katharina und Claudia übergeben hat. Die Metzgerei ist ein ewiger Boeler Ort, identitätsstiftend für viele Menschen im Stadtteil.

Schnettler, so kann es einem vorkommen, hat so viele Dinge angepackt, dass man eigentlich zwei Leben dafür bräuchte. Gründung der Loßröcke, Obermeister der Innung, Aufsichtsratsvorsitzender der Volksbank, Gründung der „Schweine AG“, dazu engagiert in der Gemeinde, in der Familie.

Beim Familienfest in seiner Schmiede erinnerte sich seine Tochter daran, wie die Boeler dem alten Fritz zum 50. Geburtstag die Eselin „Laura“ schnekten. Es war die geburtsstunde des Boeler Streichelzoos an der Loßrock-Wiese. Hühner, Gänse und Schafe und Esel bevölkerten jetzt das Gebiet unweit von Lammerts Eichen. Ein Zitat von Fritz Schnettler: „Damit die Kindernicht nur einen Mercedes von einem VW unterscheiden können, sondern auch eine Ziege von einem Esel.“ Die Welt um sich herum, in seinem eigenen Dorf erklären und verstehen können, damit man etwas damit verbindet, das wollte Fritz Schnettler. Für dieses ganz lokale Boeler Lebenswerk verlieh ihm der Bundespräsident 1999 das Bundesverdienstkreuz am Bande.

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