Der Abriss hat begonnen

Gebäude auf der Hasper Brandt-Brache werden geschreddert

Noch wird der eigentliche Abriss vorbereitet – in drei Wochen rückt das schwere Gerät an.

Noch wird der eigentliche Abriss vorbereitet – in drei Wochen rückt das schwere Gerät an.

Foto: Martin Weiske

Haspe.   Die zerfallenden Gebäude auf der Brandt-Brache werden abgerissen. Bis zum September soll nördlich der Enneper Straße alles verschwunden sein.

Der Produktionslärm aus dem Kekswerk und die sonoren Geräusche der Transportbänder sind seit Jahren verstummt. Die stolzen Brandt-Brücken über der Enneper Straße, die einst als Wahrzeichen eines ganzen Stadtteils galten, dienten zuletzt bloß noch zum Fremdschämen. Dennoch gibt es bis heute viele Hasper, die beim Passieren der denkmalgeschützten Fronten des Zwieback-Brandt-Stammsitzes glauben, über Jahrzehnte vertraute Backgerüche in den Nasenflügeln wahrzunehmen.

Seit der jüngst verstorbene Inhaber Carl-Jürgen Brandt entschied, die Zwieback-Produktion nach Thüringen zu verlagern und mit der Hauptverwaltung an die Kölner Straße umzusiedeln, tummelten sich höchstens noch dunkle Gestalten auf dem nördlichen Brandt-Gelände zwischen der Hauptverkehrsstraße und dem Ennepe-Ufer. Diese durchstöberten die verwaisten Hallen, die dem östlichen Ortseingang von Haspe zunehmend einen erbarmungswürdigen Anblick verschafften, auf der Suche nach versilberbarem Metallschrott.

Inzwischen sind die verfallenden Gebäude auf der Brache längst geplündert, die Essener Abbruch-Profis der Hermann Bergfort GmbH haben mit einem etwa 25-köpfigen Team die Regie übernommen. Bis September soll ein weiteres Stück Hasper Industriegeschichte nur noch in Bildbänden zu bewundern sein.

Werkstatthalle bleibt erhalten

„Kupferkabel gibt es hier nicht mehr – keinen einzigen Meter“, kann Michael Kraft bestätigen, dass Langfinger auf dem fast 50 000 Quadratmeter großen Areal bei Nacht und Nebel ganze Arbeit geleistet haben. Der Bergfort-Geschäftsführer, der mit seinem Team schon ein paar Wochen mit Vorarbeiten beschäftigt ist, wird über den Sommer die stattlichen Gebäude verschwinden lassen und damit Platz für ein neues Einzelhandelszentrum schaffen.

Stehen bleiben auf Wunsch der Denkmalschützer lediglich die historische Werkstatthalle am Ende der Krefelder Straße sowie ein Teil des stadtbildprägenden Backsteingebäudes an der Enneper Straße, in das die Brandt-Brücken münden und in dem zuletzt die Verwaltung des Konzerns residierte.

„Zurzeit sind wir noch mit der Entrümpelung und Entkernungsarbeiten beschäftigt“, möchte Kraft von richtigen Abbrucharbeiten noch gar nicht sprechen. Dennoch sind schon erste Schuppen und Anbauten niedergerissen worden. „Aber die großen Geräte kommen erst noch.“ Aktuell liegt der Fokus darauf, mögliche Bauschadstoffe wie Gussasphalt-Bodenbeläge zu identifizieren und zu beseitigen, damit am Ende sauberer Bauschutt übrig bleibt, der wieder verwertet werden kann. „Das gesamte Gelände ist gutachterlich untersucht und bewertet worden“, betont Kraft, „dabei arbeiten wir eng mit der Stadt Hagen zusammen.“

Beratend begleitet wird dieser Prozess von dem Ingenieur Dr. Volker Selter (Geobau GmbH): „Unsere Rolle besteht darin, dass auftauchende Bauschadstoffe unter adäquaten technischen Bedingungen entfernt und entsorgt werden“, hat der Hagener den Hut des Ökologen auf. Dabei hat er besonders den Gewässerschutz im Auge. Denn weite Teile des geschredderten Abrissschutts sollen auf dem Gelände zum Verfüllen der Kellergeschosse direkt wieder verwertet werden.

Es gilt, das Risiko auszuschließen, dass mögliche Schadstoffe ins Grundwasser oder die angrenzende Ennepe gelangen. „Daher wird das Material nicht bloß vor Ort recycelt, sondern auch gleich beprobt“, beschreiben Kraft und Selter einen lückenlosen Überwachungsprozess, der bei Abrissprojekten dieser Größenordnung zur Routine gehört.

Bauschrott wandert zum Verwerter

Laut scheppernd krachen Deckenplatten in den Hof an der Westerbauerstraße. Stockwerk für Stockwerk werden von den Bergfort-Mitarbeitern sämtliche Bauteile, die nicht niet- und nagelfest sind, demontiert und nehmen die Abkürzung durch die zum Teil zerschmetterten Fenster auf das Hofpflaster. Wenn in etwa drei Wochen das schwere Abrissgerät in Haspe anrollt, sollen Teile des Bauschrotts bereits vom Verwerter entsorgt worden sein.

Eine besondere Herausforderung mag Bergfort-Geschäftsführer Kraft in der Zerlegung von 240 000 Kubikmetern umbauten Raum in Haspe nicht zu entdecken: „Wir haben im vergangenen Jahr mit Partnern in Bochum das Opel-Werk abgerissen – das waren vier Millionen Kubikmeter“, gibt er sich gelassen. Und auch die bauliche Massivität der bis zu sechsgeschossigen Gebäude bringt Kraft nicht aus der Ruhe: „Beton ist Beton“, ist er sich sicher, dass von der nördlichen Fläche des Brandt-Areals bis zum September bloß noch die Erinnerung bleibt.

>>HINTERGRUND: WASSER GEGEN DEN STAUB

  • Der Schutt wird in einer mobilen Recyclinganlage am östlichen Rand des Brandt-Areals geschreddert.
  • Wie beim Abriss, der unter dem Tröpfchenschleier von Wasserkanonen stattfindet, arbeitet auch die Recyclinganlage unter Wasserbedüsung, um Staubentwicklung einzudämmen.
  • Die vier Wohnhäuser zwischen Krefelder Straße und den Brandt-Brücken werden als letztes fallen, um die Baustelle zur Hauptstraße hin möglichst lange abzuschotten.
  • „Wir arbeiten mit Hydraulikbaggern, die zwischen 30 und 80 Tonnen schwer sind“, erzählt Bergfort-Geschäftsführer Kraft.
  • „Hinzu kommt ein Seilbagger mit einem 65 Meter hohen Mastarm“, beschreibt der Profi einen Abriss, bei dem Greifer, Abrisskugeln, Stahlscheren und Hydraulikhämmer zum Einsatz kommen.

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