Schulen in Hagen

Giftwasser in Hagener Schule: Sanierungsfall zieht sich hin

Das Wasser in den Leitungen des Käthe-Kollwitz-Berufskollegs ist jenseits der tolerablen Grenzwerte mit Schwermetallen belastet. Die zwischenzeitlich montierten Provisorien erschweren den Schulbetrieb.

Das Wasser in den Leitungen des Käthe-Kollwitz-Berufskollegs ist jenseits der tolerablen Grenzwerte mit Schwermetallen belastet. Die zwischenzeitlich montierten Provisorien erschweren den Schulbetrieb.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Hagen  Seit Jahren ist die viel zu hohe Blei- und Nickelbelastung im Käthe-Kollwitz-Berufskolleg-Wasser bekannt. Doch eine Sanierung dauert.

Die Situation ist mehr als unbefriedigend, in den Augen der CDU-Ratsfraktion sogar nicht mehr hinnehmbar. Doch eine schnelle Lösung ist ebenfalls nicht in Sicht: Seit drei Jahren ist bereits bekannt, dass durch das hoffnungslos veraltete Trinkwassersystem im Käthe-Kollwitz-Berufskolleg aus dem Jahr 1964 das Wasser jenseits aller tolerablen Grenzwerte mit Blei, Nickel und Eisen belastet, somit giftig und für die Lebensmittelherstellung ungeeignet ist. Für eine Bildungsstätte, in der ausgerechnet Köche, Gastronomen sowie Bäcker und Konditoren tagtäglich mit Genusswaren hantieren, alles andere als rühmlich.

„Wir sind wie keine andere Schule in Hagen von der Wasserqualität abhängig – schließlich bereiten wir hier Lebensmittel zu“, beschreibt Schulleiterin Bettina Hund den Ernst der Lage. Dennoch ist nicht abzusehen, dass sich an den zwischenzeitlich installierten Provisorien innerhalb der nächsten drei Jahre etwas ändert. Zwar plant die Hagener Gebäudewirtschaft, jetzt noch einmal weitere 150.000 Euro für vorläufige hygienische Sicherungsmaßnahmen zu investieren, doch CDU-Fraktionschef Jörg Klepper mahnt: „Das ist alles andere als befriedigend, eine umfassende Sanierung muss vorgezogen werden.“ Dafür fehlt in Hagen allerdings mal wieder das Geld.

Kein Geld aus Förderprogrammen

Zwar ist das Konzept dafür längst klar: Die korrodierten Eisenrohre, die für eine bräunliche Verfärbung des Wassers sorgen, müssen aus den Wänden raus und erneuert werden. Ebenso die zahlreichen Armaturen und Eckventile, die für die weitaus gefährlichere Schwermetallbelastung sorgen. Kostenpunkt: 2,5 Millionen Euro. Diese Gelder können jedoch aus dem Förderprogramm „Gute Schule“ nicht mehr finanziert werden, weil hier sämtliche Mittel bereits abgerufen wurden. Und weitere Mittel aus anderen Konjunktur-Töpfen des Landes sind nur dann verfügbar, wenn bereits beschlossene und terminierte Projekte wieder in eine Warteschleife gestellt werden.

Vor diesem Hintergrund verweist die Stadtverwaltung auf die Haushaltsplanungen für die Jahre 2022/23. Das würde bedeuten, dass die für die gesamte Region wichtige Berufsschule womöglich noch drei weitere Jahre auf eine adäquate Wasserversorgung warten muss. Seitdem bekannt ist, dass die Unterputz-Leitungen für einen Küchenbetrieb nicht mehr geeignet sind, wurden zunächst provisorische Aufputz-Wasserleitungen im gesamten Haus verlegt, die jetzt durch ein Kupferleitungsnetz noch einmal nachgebessert werden sollen, „damit die hygienischen Standards vorläufig gesichert sind“, so die Erläuterung der Stadt Hagen.

Provisorien bei der Ausbildung

„Das ist alles nur Flickschusterei“, kritisiert hingegen der stellvertretende Käthe-Kollwitz-Schulleiter Heinrich Schürmann, der dringend eine Grundsanierung der acht Großküchen einfordert. Zurzeit gebe es in jeder Küche bloß einen Wasseranschluss, bei dem erst fünf Minuten das Wasser laufen müsse, bevor es nutzbar sei, aber eben längst nicht an jeder Arbeitskoje. „Das ist einfach keine professionelle Ausbildungssituation“, erinnert Bettina Hund daran, dass die Schüler ja auch aufgrund der Corona-Situation in vielen Ausbildungsbetrieben unter erschwerten Bedingungen agieren müssten.

Dabei verweist die Schulleiterin darauf, dass die Planungen für eine Sanierung bereits stehen würden. Durch Umorganisationen der Praktika und die Verlagerung der Prüfungen an andere Orte gebe es ein Konzept, das Arbeiten bereits zwei Monate vor den Sommerferien und weitere sechs Wochen im Nachgang ermögliche. Allerdings hätten die Ingenieure schon signalisiert, dass dieses Zeitfenster mit Blick auf die Koordination der einzelnen Gewerke im Jahr 2021 inzwischen nicht mehr zu schaffen sei.

Arbeiten ziehen sich über Jahre hin

Zudem würde sich die Umsetzung in Teilabschnitten, um den Unterricht nicht übermäßig zu stören, ohnehin bis zum Ende des Jahres 2023 hinziehen, so die Einschätzung der Stadt, selbst wenn in diesem Jahr begonnen würde. Sollten die notwendigen Mittel gar erst im Jahr 2023 bereitstehen, würde sich die millionenteure Erneuerung des Trinkwassersystems also sogar noch bis ins Jahr 2025 hinziehen – acht Jahre, nachdem die gefährliche Grenzwertüberschreitungen festgestellt wurden.

Die Hagener Politik blickt derweil hilflos auf das Dilemma: Der CDU-Vorstoß endete – trotz aller Bedenken – mit einem hilflosen Achselzucken; es gab keinen Beschluss.​

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