Lenne-Renaturierung

Größtes Öko-Projekt aller Zeiten in Hagen wieder verschoben

Die Lenne in dem Bereich, in dem sie renaturiert werden soll.

Die Lenne in dem Bereich, in dem sie renaturiert werden soll.

Foto: Michael Kleinrensing

Hohenlimburg.  Und schon wieder wird das angepriesene Mega-Projekt verschoben. Schon zum dritten Mal. Die Hintergründe des langen Wartens auf das Öko-Projekt.

Zigmal angepriesen, mehrfach angekündigt, doch passiert ist seit über drei Jahren gar nichts. Auf einem 2,5 Kilometer langen Abschnitt zwischen Henkhausen und Garenfeld soll die Lenne in einen Zustand zurückversetzt werden, der die ursprünglichen Strukturen eines naturnahen Mittelgebirgsflusses wiedererkennen lässt – und damit die Bausünden der 70er-Jahre korrigiert. Doch warum kommt das größte Öko-Projekt aller Zeiten in Hagen nicht in die Gänge? An wem liegt das?

Das Projekt

Das Flussbett soll von 25 auf 90 Meter ausgeweitet werden. Das verbaute Ufer soll ausgekoffert, die Lenne entfesselt werden. Daneben soll ein Radweg entstehen, der die künftige Auenlandschaft für den Besucher erlebbar machen soll. Durch die Maßnahme soll die Lenne im skizzierten Bereich wieder mehr Eigendynamik erhalten. Strömungslenker sollen eingesetzt werden. Es werden sogar Totholz und Störsteine eingesetzt, damit die Gewässerstruktur möglichst naturnah wird. Die Lenne verläuft auf den genannten 2,5 Kilometern gestreckt und geschwungen. Eine Bausünde der 70er-Jahre. Sie variiert in Breite und Tiefe kaum und ausbaubedingt fehlen ihr die Strukturen naturnaher Mittelgebirgsflüsse. Die Lenne wurde in diesem Bereich in den 70er-Jahren baulich so geführt, um Platz für die Ansiedlung von Industrie im Auenbereich zu machen.

Die Kosten und der Start

Es sollte mal 2018 begonnen werden, dann 2019. Und jetzt erst April 2020. Ursprünglich wurde mit 4,1 Millionen Euro gerechnet, jetzt kostet das Projekt 7,6 Millionen Euro. Doch Ende 2017 wurde schon klar: Es wird teurer. Bis zu zwei Millionen Euro. Weil Bodenuntersuchungen ergaben, dass Teile des Ufers mit Schwermetallen belastet sind. Alle 1000 Tonnen sollte deshalb während des Ausbaggerns des Ufers eine Probe gezogen werden. Die ausgebaggerte Erde sollte solange zwischengelagert werden, bis ein Ergebnis vorliegt. Danach hätten die Mengen wieder bewegt werden müssen.

Die aktuelle Situation

Der Wirtschaftsbetrieb Hagen (WBH) konnte nach seiner letzten Ausschreibung kein Unternehmen beauftragen. „Wir hatten fünf Angebote erhalten, die wir bewertet haben“, sagt Gerald Fleischmann, Fachbereichsleiter Grün beim WBH. Doch alle Angebote lagen weit über den geplanten 7,6 Millionen Euro, von denen die Stadt zehn Prozent und den Rest das Land trägt.

„Wir haben die Herangehensweise verändert, um ein wirtschaftliches Angebot zu erhalten“, sagt Fleischmann. Statt den Bodenaushub zur Beprobung zwischenzulagern, soll über ein Bodenprofil die Belastung vor dem Herausbaggern feststehen.

Dadurch, so Fleischmann, werde in der Ausführung der Arbeitsaufwand gesenkt. Die Aushubmassen sollen um etwa zehn Prozent reduziert werden.

Dies entspricht einer Reduzierung der Breitenausdehnung zwischen drei bis fünf Meter pro Uferseite. Durch die eigendynamische Entwicklung des renaturierten Bereiches könne sich die ursprüngliche Breitenausdehnung im Laufe der Zeit dennoch einstellen. Ein Großteil des Aushubs des Oberbodens soll in den Lennevorländern, hinter den neuen Uferkanten wieder eingebaut werden.

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