Geschichte

Gropius Verbindung nach Hagen: Besuch der Becherwerke

Freuen sich über einen weiteren Bezug von Walter Gropius nach Hagen: Dr. Birgit Schulte, stellvertretende Leiterin des Osthaus-Museums, und Dr. Ralf Blank, Leiter des Fachdienstes Wissenschaft, Museen und Archive der Stadt Hagen.

Freuen sich über einen weiteren Bezug von Walter Gropius nach Hagen: Dr. Birgit Schulte, stellvertretende Leiterin des Osthaus-Museums, und Dr. Ralf Blank, Leiter des Fachdienstes Wissenschaft, Museen und Archive der Stadt Hagen.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.  Die Verbindung zwischen Gropius und Osthaus ist bekannt. Jetzt gibt es einen weiteren Bezug des Bauhaus-Begründers nach Hagen.

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Wer diesen Hocker in der hintersten Ecke einer Gartenlaube gefunden hätte, hätte ihn vermutlich bei der nächsten Sperrmüllsammlung an die Straße gestellt. Dahinter steckt die Frage: Ist das Kunst, oder kann das weg. Vielleicht mag der Hocker keine Kunst im ursprünglichen Sinne sein. Aber er ist eine Design-Stück, das in den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts hohe Anerkennung gefunden hat. Deshalb kann er auf gar keinen Fall weg.

Das zumindest finden Dr. Birgit Schulte, stellvertretende Leiterin des Osthaus-Museums, und Dr. Ralf Blank, Leiter des Fachdienstes Wissenschaft und Archive. Denn der Hocker stammt aus den kaum bekannten Becher-Werken in Eckesey. Von einem Unternehmen, das der Begründer des berühmten Bauhaus, Walter Gropius, einst besuchte.

Nachlasse der Familie in Händen der Stadt

Der Hocker, zahlreiche Dokumente und Bilder – all das hat die Neugier der beiden Hagener Wissenschaftler geweckt. Denn der Nachlass der Familie Becher ist bei der Stadt Hagen gelandet. „Ein ganzes Konvolut an Material“, sagt Birgit Schulte. Und daraus geht hervor: „Gropius war hier vor Ort. Er hat das Werk besucht, die Produktion gelobt. Das war im Jahr 1929.“

Und so scheint dieser Nachlass eine doppelte Geschichte in sich zu tragen. Die Geschichte der Produktion von Stahlrohrmöbeln in Hagen. Und ein weiteres Kapitel in der Geschichte der Verbindung von Gropius zu Hagen, dessen intensiver Briefwechsel in der Zeit 1908 bis 1920 mit dem Hagener Kunstmäzen Karl-Ernst Osthaus ja gerade erst Inhalt eines Buches von Birgit Schulte und Reinhold Happe wurde. „Hätten wir diesen Nachlass drei Monate eher bekommen, hätte man auch diese Beziehung von Gropius nach Hagen noch im Buch beleuchten können.“

Möbel für Autos und Luftschiffe

„Die ersten Stahlrohrmöbel wurden Mitte des 19. Jahrhunderts in den USA produziert“, sagt Birgit Schulte, „sie galten als klassische Ingenieurmöbel, waren multifunktional, leicht und beweglich, konnten maschinell hergestellt werden und in Serie gehen.“

Verwendung fanden derartige Möbel, wie sie auch in den Eckeseyer Becher-Werken produziert wurden, im Klinik- und Gefängnisbereich. „Auch im Automobilbau und in Luftschiffen wurden sie verwendet“, so Dr. Ralf Blank. „Im bürgerlichen Milieu haben sich diese Möbel am Ende nicht durchgesetzt. Sie wurden in Büros oder in den Wartezimmern von Ärzten aufgestellt.“

Umstellung der Produktion

Die Becher-Werke selbst wurden 1892 gegründet. „Im Jahr 1917 hat sie ihr 25-jähriges Bestehen gefeiert“, sagt Ralf Blank. „zunächst wurden in Eckesey offenbar Werkzeuge produziert. Es ist durchaus vorstellbar, dass man sich irgendwann spezialisiert hat und die Produktion dann irgendwann auf Möbel umgestellt hat.“

Der Hocker, die Dokumente, die Bilder – all das soll Teil des neuen Museums für Stadtgeschichte werden. „Dabei werden wir auch den Zusammenhang zu Gropius aufzeigen“, sagt Dr. Birgit Schulte. „Es wird immer wieder um das Bauhaus und seinen Einfluss auf Hagen gehen. Und mit dem Becher-Werk können wir ein Stück vergessener Hagener Geschichte aufarbeiten.“

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