Prozess-Auftakt

Hagen: Nach Anschlag auf Moschee - Angeklagter schweigt

Kurz vor Prozessbeginn: Der Angeklagte (53) mit den beiden Verteidigern Susanne Rüsken (Essen) und Johannes Daners (Köln).

Kurz vor Prozessbeginn: Der Angeklagte (53) mit den beiden Verteidigern Susanne Rüsken (Essen) und Johannes Daners (Köln).

Foto: Helmut Ullrich

Hagen.  Ein 53-Jähriger muss sich in Hagen vor Gericht wegen versuchten Mordes verantworten. Er soll im Mai in der Ulu-Moschee ein Feuer gelegt haben.

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Dieser Prozess steht unter genauer Beobachtung, denn es geht um scheinbar mehr als versuchten Mord und schwere Brandstiftung: Es soll auch ein gezielter Anschlag auf eine Moschee dahinterstecken.

Das glauben die zahlreichen Gemeindemitglieder der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG), die sich im Schwurgerichtssaal im Rücken ihres Vizekonsuls Adnan Bekcekaral, versammelt haben. Der Vertreter des Türkischen Generalkonsulats Essen hat mit seiner Delegation in den gepolsterten Sesseln der ersten Reihe Platz genommen. Links von ihm sitzt ein Mitarbeiter mit Klemmbrett, der während der Verhandlung fleißig mitschreibt.

Versuchter Mord an mindestens 50 Menschen

Was am 25. Mai gegen 9.30 Uhr an der Ulu-Moschee (Elberfelder Straße , Höhe Schwenke) passiert ist, hat weit über Hagen hinaus Beachtung gefunden. Oberstaatsanwalt Hartmut Heinrich verliest den Vorwurf aus der Anklageschrift: „Versuchter Mord an mindestens 50 Menschen“, heimtückisch und mit gemeingefährlichen Mitteln begangen, sowie „In-Brandsetzung eines Wohnhauses und eines der Religionsausübung dienenden Hauses“.

Mit einem Feuerzeug soll der Angeklagte einen mit Plastik und Papier befüllten 240-Liter-Müllcontainer in Brand gesetzt und sich dann zügig entfernt haben. Der Abfallbehälter ging in Flammen auf, das Feuer breitete sich auf die hölzerne Deckenverkleidung des zwölf Meter langen Tunneldurchgangs aus, der zum Gebetshaus mit den separaten Eingängen für Männer (rechts) und Frauen (links) im Erdgeschoss führt. Worüber sich, auf insgesamt vier Etagen, sieben Wohnungen befinden.

Große Mengen giftiger Rauchgase hatten sich entwickelt und in den Räumen der Moschee ausgebreitet. Nur Dank der schnellen Brandentdeckung konnte die alarmierte Feuerwehr den Übergriff der Flammen auf die Gebetsräume und das Wohnhaus verhindern.

Tödlicher Fluchtweg

Der heroinabhängige Angeklagte, ein 53-jähriger aus Castrop-Rauxel mit rundem Gesicht und ausgeprägter Halbglatze, war bereits 2011 wegen fünffacher Brandstiftung zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt worden. will sich zum Vorwurf nicht einlassen, sondern „schweigend verteidigen“.

Dafür berichtet Ömer Oral (30), Vorstandsvorsitzender des IGMG-Vereins, als Zeuge: „Ich darf mir als Vater nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn der Brand nur eine halbe Stunde später ausgebrochen wäre. Dann wären mein Sohn und meine Tochter, sieben und drei Jahre alt, dort in den Räumen gefangen gewesen.“ Es gibt dort keinen zweiten Ausgang – und der brennende Tunnelgang wäre zum tödlichen Fluchtweg geworden.

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