Glosse „Mein Hagen“

Hagen denkt an Putzig-Häuser für Studenten

WP-Redakteur Martin Weiske

WP-Redakteur Martin Weiske

Foto: Michael Kleinrensing / WP

WP-Kommentator Martin Weiske hält „Tiny-Houses“ nicht für das vordringlichste Problem auf dem schwierigen Hagener Wohnungsmarkt.

Der US-Trend, mit putzigen, funktional eingerichteten Winzig-Häusern – sogenannte Tiny-Houses – dem Zeitgeist der Minimalismus zu frönen, schwappt jetzt auch in die Hagener Politik. Mit einem Antrag für den nächsten Stadtentwicklungsausschuss möchte die CDU-Fraktion ergründen, ob die Stadtverwaltung auch Hagen für einen geeigneten Standort für extra ausgewiesene Tiny-Home-Areale hält.

Die funktional eingerichteten, ressourcenschonenden Behau­sungen, die vor allem in Großstädten als pfiffige Antwort auf den übervollen Wohnungsmarkt attraktiv erscheinen, kosten – je nach Ausstattung – bis zu 4000 Euro/Quadratmeter, gehören aber ebenso zum Billigangebot eines Kaffeerösters.

Konfliktpotenzial mit Freizeitnutzung am Seeufer

Die Union richtet ihren Fokus für Tiny-House-Siedlungen, die vorzugsweise von Studenten genutzt werden sollten, vor allem auf Wehringhausen und das Südufer des Hengsteysees. Dabei darf durchaus bezweifelt werden, ob die Abgeschiedenheit des Ruhrgewässers das richtige Terrain für junge Menschen darstellt, die eher die Urbanität einer Großstadt schätzen. Zumal dort bislang immer von Freizeitflächen die Rede war und somit reichlich Konfliktpotenzial mit Tiny-Wohnsiedlungen schlummert. Und in Wehringhausen dürfte – mal abgesehen vom Schlachthof-Areal – sich kaum der Raum finden lassen, um in Campingplatz-Dimensionen einen Feldversuch für puristische Wohnkultur zu starten.

Bei einer Leerstandsquote von bereits sieben Prozent stellt sich ohnehin die Frage, ob Tiny-Houses Hagens dringlichste wohnungspolitische Sorge sind. Warum sollten Studenten nicht auch vorhandene Behausungen nutzen wollen?

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