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Hagen: Eugen-Richter-Turm steht vor ungewisser Zukunft

Stolzes Bauwerk: Von der Empore des Eugen-Richter-Turms hat man einen fantastischen Blick auf die Hagener Innenstadt.

Stolzes Bauwerk: Von der Empore des Eugen-Richter-Turms hat man einen fantastischen Blick auf die Hagener Innenstadt.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.  Er könnte beliebtes Ausflugsziel sein. Der Eugen-Richter-Turm in Hagen aber steht vor ungewisser Zukunft. Der Förderverein löst sich auf.

Plötzlich kommen sie aus dem Treppenhaus heraus, treten auf die Empore, legen die paar Schritte bis zur Brüstung zurück und lassen den Blick schweifen. „Was für eine traumhafte Aussicht“, sagt Martina Wendlandt.

Eine Aussicht, die sie und ihr Freund Manfred Mörstedt nur durch Zufall genießen können. Denn Achim Krüger von der Gebäudewirtschaft Hagen (GWH), der zu dem Pressetermin am Eugen-Richter-Turm eigens den Schlüssel für dieses in vielerlei Hinsicht außergewöhnliche Gebäude besorgt hat, hat für den Augenblick die Turm-Tür aufgelassen.

Drei-Türme-Weg ist Premiumwanderweg

Also passiert genau das, was hier passieren soll. Menschen – in diesem Fall Tagestouristen aus Siegen – kommen in die Stadt, wandern über den Drei-Türme-Weg, der ja als Premiumwanderweg zertifiziert ist, und besteigen einen der Türme. Was am Kaiser-Friedrich-Turm immerhin bei geöffneter Gastronomie kein Problem ist, funktioniert am Bismarck-Turm nur eingeschränkt. Zum neuen Sorgenkind der Bauwerks-Kette droht jetzt aber der Eugen-Richter-Turm zu werden.

Denn: Der gleichnamige Verein, der einst von vielen Hagener Liberalen um die Grande Dame Liselotte Funcke getragen wurde, befindet sich in Auflösung. Zwei Mitglieder sind noch verblieben, weil sie als Beisitzer des Vorstands einst vergessen haben, sich von ihren Ämtern zu verabschieden. Jetzt also gibt es einen Verein mit rudimentärem Vorstand, aber ohne Mitglieder. Das macht keinen Sinn.

Vergebliche Suche nach Vereinsmitgliedern

Dietmar Millhoff ist jener Mann, der gemeinsam mit Karin Harkort schon Anfang des Jahres per Zeitungsaufruf nach verbliebenen Vereinsmitgliedern suchte, um selbigen ordnungsgemäß abwickeln zu können. Ein vergebliches Unterfangen. „Niemand hat sich gemeldet“, so Millhoff ernüchtert über jenen Verein, dem der verstorbene Architekt Tycho Oberste-Berghaus zuletzt vorstand, „wir gehen davon aus, dass es keine Mitglieder mehr gibt.“

Also gibt es auch niemanden mehr, der sich verantwortlich des Turms annehmen will. Der Verein, der die Sternwarte nebenan betreibt, will nach der Corona-Krise immerhin dreimal im Monat für zwei Stunden das Gebäude aufschließen – immer, wenn auch die Sternwarte geöffnet ist. „Mehr können wir aber nicht leisten“, sagt Dirk Panczyk. Auch mit dem Förderverein, der sich um den Bismarckturm, den man von der Empore aus im dichten Stadtwald erblicken kann, kümmert, habe man Kontakt aufgenommen – sagt Millhoff. Ergebnis: keines. Die Corona-Krise, so Millhoff weiter, sei da wenig hilfreich.

Turm ist baulich in einem guten Zustand

Immerhin: Es gibt auch gute Nachrichten. Zum Beispiel diese hier: Es steht noch ein vierstelliger Betrag aus der Vereinskasse zweckgebunden für den Turm bereit. Oder diese: „Rein baulich gesehen befindet sich der Turm in einem guten Zustand“, sagt Achim Krüger von der Gebäudewirtschaft Hagen. „Er ist nach einer Sanierung im Jahr 2004 wieder eröffnet worden.“

Stahlträger wurden damals im Erdgeschoss in das städtische Gebäude eingezogen, die einer Decke Stabilität verleihen, über der sich wiederum eine zylinderartige Halle ohne weitere Geschosse in die Höhe reckt. Das Treppenhaus verläuft parallel. Auch ein neuer Zementputz, der in Absprache mit dem Denkmalschutz aufgebracht wurde, verleiht dem Mauerwerk Dichtigkeit.

Hagen-Agentur sucht nach einer Lösung

Dass der Turm in irgendeiner Art mit Leben gefüllt wird – daran hat auch die Hagen-Agentur, eine Stadttochter, die unter anderem für Tourismus in der Stadt zuständig ist, großes Interesse. „Natürlich ist ein Drei-Türme-Weg mit geöffneten Türmen wünschenswert“, sagt Kirsten Fischer. „Das Problem aber ist: Es braucht immer jemanden, der sich vor Ort kümmert.“ Man sei dabei, so Fischer, eine Lösung zu finden. Eine, die gut sei für die Stadt, für die Türme und für den Drei-Türme-Weg.

Bis die gefunden ist, wird es am Eugen-Richter-Turm bei sporadischen Zufalls-Besteigungen bleiben. Und bei überraschenden Ausblicken. So, wie sie Martina Wendlandt und Manfred Mörstedt genießen konnten. Zwei Touristen, die an einem schönen Maitag gemeinsam mit ihren Ehepartnern eigens aus Siegen angereist sind.

Weitere Fotos unter www.wp.de/hagen

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