Tarifstreit

Hagen: Gewerkschaft erhebt Vorwürfe gegen McDonald’s & Co

Die McDonald’s Filiale in der Hagener Innenstadt gehört der Familie Haas. Derzeit laufen Tarifverhandlungen für die Angestellten.

Die McDonald’s Filiale in der Hagener Innenstadt gehört der Familie Haas. Derzeit laufen Tarifverhandlungen für die Angestellten.

Foto: Mike Fiebig

Hagen.  Die Gewerkschaft NGG erhebt Vorwürfe gegen Systemgastronomen in Hagen. Derzeit laufen Tarifverhandlungen. Die Arbeitgeber zahlen nur Mindestlohn.

Während in der Systemgastronomie die Tarifverhandlungen gerade in die dritte Runde gehen, erhöht die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten den Druck auf McDonald’s, Burger King, Nordsee, Vapiano & Co, die allesamt auch mit Filialen in Hagen vertreten sind. „Die Branche ist bunt“, sagt NGG-Geschäftsführerin Isabell Mura, die ihr Büro an der Körnerstraße hat, „was die Arbeitgeber eint, sind die schlechten Bedingungen.“

Der derzeit geltende Tarif sei nach der Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns hinfällig, erklärt Mura. Jetzt allerdings böten die Arbeitgeber eine Bezahlung an, die nur geringfügig über dem neuen Mindestlohn-Niveau liege. „Die Menschen, die in diesem Bereich arbeiten, sind bereits jetzt von Altersarmut bedroht“, weist Mura darauf hin, dass bei einem derart niedrigen Lohnniveau ein würdevolles Leben als Rentner nicht möglich sei. „Sie stehen rund um die Uhr für 9,35 Euro an der Fritteuse oder an der Verkaufstheke. Für uns ist völlig klar, dass wir an dieser Stelle nicht einknicken werden.“

Gewerkschaft: Steuerzahler stocken Löhne und Renten auf

Für Mura ist es höchste Zeit für die Branche, vom Mindestlohn-Image wegzukommen. „Es kann doch nicht sein, dass der Steuerzahler zunächst die Löhne und später die Renten aufstocken muss, damit das Geld zum Leben reicht und gleichzeitig Konzerne und Franchisenehmer dicke Gewinne einstreichen“, so Gewerkschafterin Isabell Mura.

Was bundesweit gelte, sei auch in Hagen an der Tagesordnung. „Ich kenne in Hagen keinen einzigen Betrieb der Branche, der freiwillig seine Mitarbeiter über dem Tarif bezahlt“, sagt Mura, die ankündigt, dass es im Rahmen der Tarifverhandlungen auch in Hagen zu Ausständen kommen könne, „jeder, der in Hagen zu McDonald’s oder Burger King geht, sollte sich im Klaren darüber sein, unter welchen Bedingungen die Angestellten, die ihn dort bedienen, arbeiten müssen.“

Neun McDonald’s-Filialen in Familienhand

Dabei rückt die Gewerkschafterin bei McDonald’s – Franchisenehmer vor Ort sind Wilfried Haas und seine Tochter Lilian mit insgesamt neun verschiedenen Filialen in Hagen, Iserlohn, Menden, Schwerte und Hemer – neben der Bezahlung auch noch den Umgang mit den Mitarbeitern in den Fokus. „Immer wieder erhalten sie lediglich befristete Verträge“, sagt Isabell Mura, „laufen diese aus und können nicht mehr verlängert werden, so wechseln die Mitarbeiter von einer Gesellschaft in die nächste.“

Franchisenehmer und Konzerne geben sich äußerst zurückhaltend, verweisen auf den Bundesverband Systemgastronomie und wollen selbst keine Stellungnahme zu den Tarifverhandlungen abgeben. Man habe eine Anfrage unserer Zeitung an die Pressestelle von McDonald’s Deutschland weitergeleitet. „Derzeit laufen Tarifverhandlungen, daher können wir uns von unserer Seite aus dazu nicht äußern“, erklärt beispielsweise Wilfried Haas.

Arbeitgeber sehen sich als „Chancengeber“

Die Deutschland-Pressestelle erklärt, dass es neben der Tarifbezahlung Zusatzleistungen wie Mehrarbeits-, Nacht- und Feiertagszuschläge oder Urlaubsgeld gebe. Ansonsten verweist man lediglich auf ein Interview, das der McDonald’s-Vorstandsvorsitzende Holger Beeck der Nord-Ostsee-Zeitung gegeben hat. Da heißt es unter anderem, dass die Meinungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverband auseinandergingen, liege in der Natur der Sache. „Ich rate allen Beteiligten, sich zu bewegen.“

Und weiter: „McDonald’s ist nicht nur Arbeitgeber, sondern vor allem auch Chancengeber. Wer bei uns anfängt, hat einen relativ sicheren Arbeitsplatz, der enorme Weiterbildung ermöglicht.“

Als Chancengeber versteht sich im Übrigen auch Burger King. Man sei stets darum bemüht, seinen Mitarbeitern ein angenehmes und attraktives Arbeitsumfeld zu bieten.

Vapiano hüllt sich zu den laufenden Verhandlungen ganz in Schweigen. Nordsee ließt eine Anfrage gänzlich unbeantwortet.

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