Gericht

Hagen: Hohe Haftstrafen für erfolglose Automaten-Sprenger

Die beiden Täter scheitern an einem Geldautomaten in Dahl. Der Edeka-Supermarkt gerät in Brand.

Die beiden Täter scheitern an einem Geldautomaten in Dahl. Der Edeka-Supermarkt gerät in Brand.

Foto: Alex Talash

Dahl.  Verurteilt – die beiden Geldautomaten-Sprenger aus Dahl müssen ins Gefängnis: Fünf Jahre und vier Monate Haft für den Haupttäter, ein Marokkaner (42) aus Dortmund. Sein Kompagnon, ein 24-jähriger Deutsch-Serbe mit Wohnsitz in Hagen, verschwindet für drei Jahre hinter Gittern. So hat es das Landgericht am Freitagmittag entschieden. Staatsanwalt Christoph Bußmann wählte markige Worte: „Wir haben es hier mit Schwerkriminalität zu tun.“

Schwerkriminalität ja, jedoch äußerst dilettantisch ausgeführt, immer gescheitert oder bereits im Anfangsstadium stecken geblieben: fünf Versuche – fünf Misserfolge. Da standen die erfolglosesten Geldautomaten-Sprenger des Landes vor Gericht. Sie hatten, als Mitglieder einer Gruppe aus wechselnden Tätern, auch Bankautomaten in Herdecke, Witten, Dortmund und Wuppertal in die Luft sprengen wollen. Nur im letztgenannten Fall kam es tatsächlich zu einer Explosion. Aber auch hier erbeuteten die Gauner keinen einzigen Cent.

Gesamter Warenbestand des Supermarktes ausgeräuchert

Dafür war der angerichtete Schaden umso größer: In Dahl waren die beiden Angeklagten am 8. Mai kurz nach Mitternacht im Ford Focus vorgefahren, hatten es hier auf den Geldautomaten der Hagener Sparkasse abgesehen, der sich an einer Edeka-Filiale (Am Obergraben) befindet.

Der Versuch, das Gerät gegen 0.45 Uhr nach Einleiten eines Gasgemisches mit Hilfe einer flüssigen Benzinlunte zu sprengen, misslang, weil der Automat entsprechend gesichert war. Allerdings entstand ein Schwelbrand, der nicht nur die Decke des Supermarktes erheblich beschädigte, sonder auch den gesamten Warenbestand des Geschäfts ausräucherte. Schaden: weit über 150.000 Euro.

Verteidiger kündigt Revision an

Richterin Dr. Bettina Wendlandt, Vorsitzende der 6. Strafkammer, in ihrer Urteilsbegründung: „Der Reiz an sehr viel Geld zu kommen, war zu groß. Es gab eine unterschiedliche Tatbeteiligung und Tatverantwortung. Wer der Rädelsführer war, haben wir nicht feststellen können.“ Die Kammer ordnete für den Hauptangeklagten einen zweijährigen Drogenentzug an.

Verteidiger Ralph Giebeler zeigte sich vom Urteil enttäuscht. Er will Revision einlegen.

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