Bundesweiter Vorlesetag

Hagen: Vorlese-Marathon vor leeren Stühlen

Kulturpolitiker Sven Söhnchen und Musiker Björn Nonnweiler ziehen den Vorlese-Marathon durch, obwohl kaum jemand auf den aufgestellten 50 Stühlen Platz nimmt. Trotzdem würden die beiden die Aktion wiederholen.

Kulturpolitiker Sven Söhnchen und Musiker Björn Nonnweiler ziehen den Vorlese-Marathon durch, obwohl kaum jemand auf den aufgestellten 50 Stühlen Platz nimmt. Trotzdem würden die beiden die Aktion wiederholen.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Hagen-Mitte.  In der Volme-Galerie gab es einen Vorlese-Marathon mit Kulturpolitiker Sven Söhnchen und Musiker Björn Nonnweiler. Doch die Resonanz war mager.

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„Vor leeren Stühlen zu spielen, ist frustrierend. Aber das Thema ist wichtig und daher würden wir die Aktion wieder machen“, sagt Björn Nonnweiler mit fester Stimme und blickt sich in dem geräumigen, fast menschenleeren Ladenlokal in der Volme-Galerie um.

Ungewöhnliche Aktion in der Einkaufspassage

Der Hagener Musiker und sein langjähriger Freund und Kulturpolitiker Sven Söhnchen hatten zu einer ungewöhnlichen Aktion eingeladen – zum Vorlese-Marathon. Die Zehn-Stunden-Veranstaltung in der Einkaufspassage bestand aus Lese-Einheiten aus dem Buch „Warum ich Nazi wurde“ und dem Angebot, im Anschluss an die Lesung über die Zeit der Machtergreifung, aber auch über die zunehmende Popularität der neuen Rechtsparteien zu diskutieren.

Von 8.30 bis 18.30 Uhr waren Söhnchen und Nonnweiler vor Ort, besonders ernüchternd war für die beiden die magere Resonanz auf ihr Angebot für Schüler am Vormittag.

Vor einem Monat (Mitte Oktober) hatte Söhnchen nicht nur die Hagener Presse über die Aktion informiert und auf diesem Weg die Veranstaltung mit freiem Eintritt ankündigen lassen, sondern auch Hagener Schulen direkt angeschrieben. Lediglich ein Lehrer habe sich bei ihm, so Söhnchen, telefonisch gemeldet , „er hat auf meine Mailbox gesprochen und Interesse an der Aktion bekundet, jedoch seine Telefonnummer nicht hinterlassen“, bedauert der Kulturpolitiker. Und weiter: „Es beschäftigt mich schon, dass kaum ein Lehrer die Chance, mit Schülern eine Veranstaltung zu solch einem brisanten Thema wie dem drohenden Rechtsrutsch zu besuchen, nutzt.“

Auch Thomas Eggert, Center-Manager der Volme-Galerie, registrierte, dass das seit jeher leerstehende (beziehungsweise als Ausstellungsfläche genutzte) Ladenlokal auch am Freitag kaum von Besuchern angesteuert wurde. Doch auch eine Einkaufsgalerie, in der Shoppen im Vordergrund stünde, sollte auch ernsten Themen Raum gewähren, so Eggert.

Texte rütteln wach

Zu den wenigen Interessierten, die am frühen Nachmittag zum Vorlese-Marathon kamen, gehörte Nicole Völkel. „Ich habe die Lesung schon dreimal besucht – im Kultopia, im Kunstquartier und als Schulvorstellung. Die vorgetragenen Texte rütteln­ wach“, so die Hagenerin, die sich in der Volme-Galerie mit ihrer Tochter verabredet hatte.

Wie die 13-jährige Jil die Veranstaltung bewertete? „Die Lesung ist nicht langweilig, aber es gibt Spannenderes. Die Begleitung an der Gitarre­ find’ ich gut.“

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