Kultur

Hagener Museum zeigt zufällige Begegnungen in „Big Apple“

Gudrun Kemsa zeigt im Souterrain des Osthaus-Museums nicht nur Fotografien aus New York, sondern auch Video-Installationen. Der zehnminütige Film „Kreuzfahrt“ ist während eines Hurricanes über Manhattan entstanden.

Gudrun Kemsa zeigt im Souterrain des Osthaus-Museums nicht nur Fotografien aus New York, sondern auch Video-Installationen. Der zehnminütige Film „Kreuzfahrt“ ist während eines Hurricanes über Manhattan entstanden.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Hagen-Mitte.  Gudrun Kemsa, Professorin für bewegte Bilder und Fotografie, stellt im Osthaus-Museum Fotografien aus New York aus.

„New York, New York“ – damit ist in diesem Fall nicht der berühmte Song von Frank Sinatra gemeint, sondern der Titel der Ausstellung, die am heutigen Freitag, 24. Januar, im Osthaus-Museum eröffnet wird. Gudrun Kemsa, Professorin für bewegte Bilder und Fotografie an der Hochschule Niederrhein in Krefeld, besucht seit zehn Jahren „Big Apple“ – nicht als Touristin, sondern dienstlich.

„Jeden September fliege ich nach New York, besuche Straßen und Plätze in Manhattan und schaue am liebsten in gläserne Welten hinein­“, erklärt die in Datteln geborene Professorin.

Was sie unterscheidet zu den meisten Touristen, die den Schmelztiegel New York besuchen? Gudrun Kemsa nimmt sich Zeit. Zeit für ihre Arbeit. „Der Sonnenstand verändert sich schnell. Manchmal besuche ich eine Straße oder eine Passage mehrmals zu unterschiedlichen Zeiten und warte den richtigen Moment für meine Fotos ab“, sagt sie.

Menschen werden zu Hauptakteuren

In der Regel beobachtet die Künstlerin die gegenüberliegende Straßenseite und wartet so lange, bis Menschen, die sie nicht kennt und die sich untereinander nicht kennen, zueinander finden. „Es sind nie gestellte Szenen, sondern stets Zufallsbegegnungen, die mich interessieren“, sagt die Fotografin, die zum ersten Mal im Osthaus-Museum ausstellt.

Ursprünglich galt Gudrun Kemsas Interesse der außergewöhnlichen Architektur New Yorks, Menschen wurden als Beiwerk hingenommen. „Im Laufe der Zeit hab’ ich mehr und mehr akzeptiert, dass ich die Menschen in der Metropole nicht wegzaubern kann. Heute sind Menschen kein Beiwerk mehr für meine Arbeit, sondern sie werden zu Hauptakteuren.“

Manche Szene wirke vielleicht installiert – telefonierende oder musizierende Menschen auf der Straße– doch alles sei von ihr ohne Regieanweisung­ im Vorfeld abgelichtet.

Überbordende Werbung

Den Hintergrund ihrer Bildmotive bilden häufig Fassaden mit überbordender Werbung. Vor Schriftzügen von Edel-Marken wie Prada, Bulgari, Louis Vuitton oder Victoria’s Secret warten Passanten in Bermuda-Shorts auf den Bus, unterhalten sich Jugendliche, ziehen Touristen Trollyes hinter sich her.

Die meisten Fotografien wirken gewolltermaßen wie Bild-inBild-Arbeiten. So, als schaue der Betrachter unbeobachtet durch ein Fenster.

Farbige Menschen schleppen Einkaufstaschen oder warten in einer Schlange. Und eine Frau mit einem auffallenden, türkisfarbenen Schleier und in langem Gewand begibt sich zur U-Bahn (Museums-Direktor Tayfun Belgin: „Mein Lieblingsmotiv.“).

„In einer U-Bahn stehend habe ich mit einem Stativ – versteckt hinter einem Koffer platziert – die gegenüberliegende Seite fotografiert“, erzählt die Künstlerin verschmitzt.

Urlaubsmotive interessieren sie nicht, die Professorin hat vielmehr einen Blick für soziale und gesellschaftliche Entwicklungen.

„Von der Selbstverständlichkeit der Multi-Kulti-Gesellschaft in New York können wir lernen“, sagt sie. Und weiter: „Auch Mülltonnen und -säcke im Straßenbild blende ich nicht aus, obwohl New York meiner Ansicht nach eine recht saubere Stadt ist.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben