Fußgängerzone

Hohenlimburg: Hausbesitzer investieren gegen den Leerstand

Selma Kara aus Hohenlimburg. Mit ihrem Mann Göhkan hat sie die Immobilie im Hintergrund gekauft, das frühere Elektrogeschäft Holzrichter

Selma Kara aus Hohenlimburg. Mit ihrem Mann Göhkan hat sie die Immobilie im Hintergrund gekauft, das frühere Elektrogeschäft Holzrichter

Foto: Marcel Krombusch / Westfalenpost

Hohenlimburg.  Selma Kara und ihr Mann setzen in der schwächelnden Hohenlimburger Fußgängerzone ein Signal: „Nicht nur die Politik ist verantwortlich“

Ungewohnt laut ist es dieser Tage im hinteren Bereich der Freiheitstraße, gegenüber der Reformierten Kirche. Hoch entlang der Fassade eines zentralen Gebäudes zieht sich ein Baugerüst, auf dem Dach hämmern und bohren die Arbeiter. „Eigentlich musste nur das Dach erneuert werden“, sagt Selma Kara. „Aber wir dachten, wir machen die Fassade gleich mit.“

Seit 2001 wohnt Selma Kara in Hohenlimburg, hat einen Friseursalon, zwei Häuser neben Holzrichter. Was sie so locker daher sagt, dürfte nicht wenige verwundern. So sprüht die historische Innenstadt doch häufig für Außenstehende nicht gerade vor Esprit und Vitalität. Aber eben diese bricht sich langsam wieder Bahn – auch dank der Initiative von Privatleuten.

Vor rund einem Jahr haben Selma und Ehemann Göhkan Kara das Gebäude an der Lohmannstraße 1 gekauft. Im Erdgeschoss war viele Jahrzehnte das Elektrogeschäft von Hans Holzrichter. „Als ich Kind war, ist mein Vater immer zu Holzrichter einkaufen gefahren“, erinnert sich Selma Kara zurück, die ursprünglich aus Haspe stammt. „Ich finde das Haus bis heute toll.“

Suche nach Neugründer

Noch in diesem Jahr soll die neue Außenfassade komplett fertig sein. Danach folgt der Ausbau des leerstehenden Ladenlokals im Erdgeschoss. „Hier müssen noch Anschlüsse für eine Toilette und eine Küchenzeile gelegt werden“, sagt Gökhan Kara. Das langfristige Ziel: Einen Neugründer finden.

Und die Miete? „500 Euro kalt, plus Nebenkosten. Es können aber erstmal auch nur 300 Euro sein, zum Fuß fassen“, sagt Kara. So verbirgt sich hinter dem Projekt des Ehepaares auch eine Botschaft: Nicht allein die Politik sei verantwortlich, um die Innenstadt zu beleben. „Auch wir Hausbesitzer sind mitverantwortlich und müssen den Mietern entgegenkommen.“

Bei der Mietersuche wird das Ehepaar Kara vom Quartiersmanagement Hohenlimburg unterstützt. „Spekulative Mieten funktionieren nur noch an Standorten in Großstädten mit 1-A-Lage“, sagt Frank Manfrahs, Quartiersmanagement. „Die Mieten müssen realistisch sein.“ Flexibilität erhöhe die Wahrscheinlichkeit, Interessenten zu finden. „Aber natürlich gibt es auch für Vermieter eine Schmerzgrenze – die Verkaufsfläche soll ja nicht verramscht werden.“

Dass die Innenstadt in den vergangenen Jahren an Attraktivität eingebüßt hat, ist kein Geheimnis. Und ob sich das Risiko für Selma und Göhkan Kara auszahlt, ist ungewiss. „Natürlich gab es hier mehr Geschäfte, als ich vor 18 Jahren nach Hohenlimburg kam“, sagt Selma Kara. „Aber ich habe mich hier immer wohlgefühlt. Ich glaube an Hohenlimburg.“ Konkrete Wünsche, was den Neumieter für das Ladenlokal angeht? „Jeder, der etwas ausprobieren will, ist willkommen“, sagt Kara. „Gerne auch junge Menschen, davon haben wir hier noch zu wenige.“

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