Interview

„Holen weniger Holz aus dem Wald als nachwächst“

Hans-Joachim Bihs, Vorstand des Wirtschaftsbetriebes Hagen, kümmert sich mit seinem Unternehmen auch um den kommunalen Forst.

Hans-Joachim Bihs, Vorstand des Wirtschaftsbetriebes Hagen, kümmert sich mit seinem Unternehmen auch um den kommunalen Forst.

Foto: Michael Kleinrensing / WP Michael Kleinrensing

1 Warum machen Sie so viel Wald kaputt? Die zahlreichen abgeholzten Stämme können nie wieder nachwachsen. Stimmt das Klischee?

Wir holen weniger Holz aus dem Hagener Wald als dort tatsächlich nachwächst. In der Forstwirtschaft ist gesetzlich festgeschrieben, dass es eine so genannte Forsteinrichtung gibt. Ein externes Forstbüro macht alle zehn Jahre eine Waldinventur. Anhand von Ertragsmodellen wird errechnet, was im gesamten Hagener Stadtwald pro Jahr zuwächst. Auf dieser Grundlage wird der Hiebsatz festgelegt. Somit handeln wir definitiv nachhaltig. Das gilt sogar fürs vergangene Jahr, wo wir zunächst einen Sturmschaden hatten mit fast 2000 Festmetern und anschließend noch die Borkenkäferplage. Da haben wir mehr eingeschlagen als wir wollten, aber es ist dennoch weniger als zuwächst.

2 Warum müssen Sie dennoch immer wieder um dieses Verständnis kämpfen?

Das ist schwer und nicht für jeden verständlich. Die klassischen Ankettungen an Bäume haben wir zwar nicht, aber es gibt schon Menschen in der Stadt, die nicht mit dem tatsächlichen Geschäft vertraut sind, sondern nur den Baum sehen. Ich kann das verstehen, aber die Sorge, dass der Wald ausgenutzt wird, ist nicht real. Das sieht man auch daran, dass wir aus dem Wald zwar einen Ertrag haben, aber da der Wald auch zur Naherholung dient, geben wir als WBH auch wesentlich mehr Geld für diese Funktion aus. Das ist ein Zuschussgeschäft von etwa 1,2 Millionen Euro. Das liegt auch an den kleinteiligen Flächen und den Problemen der Topographie.

3 Wird man diese Bilanz jemals ausgleichen können?

Natürlich bleibt dies das Ziel. Da wir aber Einrichtungen wie das Wildgehege oder den Sauenpark haben, werden wir ewig ein Zuschussgeschäft haben. Wir erhalten auch unsere Forstwirtschaftswege in einem anderen Zustand als wir es für den reinen Forstbetrieb machen würden. Sie müssen nicht nur für Rückeschlepper, sondern auch für Mountainbiker und Sonntagsspaziergänger nutzbar bleiben. Wenn jeder, der in den Wald geht, einen Euro da lässt, hätten wir dicke Überschüsse, aber das ist nicht das Ziel. Daher forcieren wir auch so Dinge wie den Brennholzverkauf.

4 Haben Sie denn das Gefühl, dass Sie mit Ihrer Arbeit ein Imageproblem haben, oder kommt es in den Köpfen der Leute schon an, dass Forstwirtschaft auch eine ökonomische Basis braucht?

Beim Blick auf den gesamten WBH sehe ich den Wald schon als unser positiv besetztes Aushängeschild. Gerade in diesen Zeiten, wo die Diskussionen rund um die Natur zunehmen. Es gibt viele Hagener, die lieben ihren Wald. Wir bemühen uns, diese Außenwirkung auch zu bekräftigen – wir präsentieren uns. Der Hagener kann stolz auf seinen Wald sein. Und dabei soll es auch bleiben.

Alle Folgen unserer Sommerserie unter www.wp.de/so-arbeitet-hagen

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