Hagener Rat

Jedes dritte i-Männchen geht in Hagen ungetestet zur Schule

Bei der amtsärztliche Schuluntersuchung für die Grundschüler rutschen in Hagen viel zu viele Kinder durchs Raster.

Bei der amtsärztliche Schuluntersuchung für die Grundschüler rutschen in Hagen viel zu viele Kinder durchs Raster.

Foto: KREIMEIER, Detlev / WAZ FotoPool

Hagen.  Die Versäumnisse bei den Schuleingangsuntersuchungen der i-Männchen empören den Hagener Rat.

Nachdem es in diesem Jahr nicht gelungen ist, sämtliche Hagener i-Männchen vor dem ersten Schultag im Rahmen einer Schuleingangsuntersuchung unter die Lupe zu nehmen, erwarten die Ratsfraktionen eine verbesserte Neustrukturierung dieses kommunalen Aufgabenbereichs und eine kontinuierliche Informationspolitik über die Entwicklung der Lernanfängerjahrgänge. Der Rat hat daher einstimmig entschieden, das Thema in der nächsten Sitzung des Schulausschusses vertiefend zu diskutieren.

Von 1782 Erstklässlern überrollt

Zuletzt war bekannt geworden, dass von den 1782 Erstklässlern dieses Jahres 211 Mädchen und Jungen aus Kapazitätsgründen gar nicht erst untersucht werden konnten. Weitere 317 sind – trotz zweimaliger schriftlicher Aufforderung an die Eltern – nicht zu den vorgegebenen Terminen erschienen. Damit sitzen aktuell 528 Kinder (30 Prozent) in den Eingangsklassen der Grundschulen, die niemals an einer Schuleingangsuntersuchung teilgenommen haben.

„Wir müssen das Problem angehen“, räumte Monika Brück-Paschko, Bereichsleiterin für den Kinder- und Jugendgesundheitsdienst, ein, „uns hat die demografische Entwicklung überrollt“. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass ihr Ressort aufgrund zahlreicher weiterer Aufgaben mit ihren Kapazitäten am Ende sei. Damit meint sie die sogenannten „Seiteneinsteiger“, also ältere, aus dem Ausland zugezogene Kinder, die bereits schulpflichtig sind, aber noch nie eine Schule in Deutschland besucht haben und selten über den erforderlichen Impfschutz verfügen.

Fehlende Konsequenzen

„Mich stört vor allem, dass gut 300 Eltern, die ihre Kinder gar nicht erst zur Untersuchung schicken, neben einer Meldung an die Schulaufsicht keine Konsequenzen für ihre Verweigerungshaltung befürchten müssen“, betonte CDU-Fraktionschef Stefan Ramrath, „das ist der falsche Fingerzeig“. Entsprechend forderte SPD-Ratsherr Dietmar Thieser: „Wir müssen alle rechtsstaatlichen Mittel anwenden, die uns da zur Verfügung stehen – wir müssen das offensiv angehen.“

Thomas Walter, schulpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, regte zudem an, die Einladungen zu den Schuluntersuchungen mehrsprachig zu verschicken und empfahl für die Zukunft, nur noch Untersuchungstermine zu reservieren, die zuvor von den Eltern auch ausdrücklich bestätigt wurden. Dadurch könnten Leerläufe durch vergebliches Warten auf Schulanfänger vermieden werden.

Information des Schulausschusses

Auf Antrag der FDP beschloss der Rat einstimmig, dass die Verwaltung in Zukunft sicherstellen müsse, dass künftig sämtliche i-Männchen das Untersuchungsverfahren durchlaufen. Über den Stand sei der Schulausschuss regelmäßig zu informieren.

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