Arzneimittel

Kampf gegen Versandhandel – Der Druck der Hagener Apotheken

Beate Kivelitz (hier mit PTA Ulrike Villmer) führt die Schwan-Apotheke an der Eilper Straße. Wachsende Konkurrenz aus dem Internet und der großen Apotheken machen ihr das Überleben schwer.

Beate Kivelitz (hier mit PTA Ulrike Villmer) führt die Schwan-Apotheke an der Eilper Straße. Wachsende Konkurrenz aus dem Internet und der großen Apotheken machen ihr das Überleben schwer.

Foto: Michael Kleinrensing

Eilpe.   Beate Kivelitz führt als Inhaberin die kleine Schwan-Apotheke in Eilpe und muss sich der wachsenden Internet-Konkurrenz stellen.

Das ausziehbare Sofa steht hinten in einem Raum, den die Kunden nicht einsehen können. Dazu ein kleiner Fernseher, ein Schrank, Bücher. Alle drei Wochen wird das Zimmer in der Schwan-Apotheke an der Eilper Straße für Beate Kivelitz zum Zuhause. Es sind die Tage, an denen sie Notdienst hat. Tage, an denen die Apothekerin von 8 Uhr morgens bis 18.30 Uhr arbeitet. Nicht zehneinhalb Stunden an einem Tag. Sondern 34,5 Stunden von einem auf den anderen Tag – über Nacht. Unterbrochen nur von ein paar Stunden kurzen Schlafs. „Manchmal stehe ich dann nachts auf für Männer, die nur mal eben ein paar Kondome oder einen Schwangerschaftstest holen wollen“, sagt sie und schüttelt den Kopf. „Wenn man das wirtschaftlich betrachtet, rechnet sich so etwas natürlich überhaupt nicht.“

Beate Kivelitz, die Apothekerin, sie liebt ihren Job. Es ist ihr Traumberuf. Deshalb hat sich die damals angestellte Apothekerin 2010 dazu entschlossen, die Traditions-Apotheke zu übernehmen. „Ich habe 1991 hier angefangen“, sagt sie, „meine Kinder waren groß, ich hatte Lust auf meinen Job. Das passte. Und schließlich wollte ich auch den Kollegen eine Perspektive bieten.“ Acht Mitarbeiter waren es einmal, vier sind es heute noch. Beate Kivelitz ist die einzige Apothekerin und muss – so will es das Gesetz – immer in der Apotheke sein, sobald diese geöffnet hat.

Eine Apotheke, die auf einem umkämpften Mark existiert – im Gegensatz beispielsweise zur Heide-Apotheke und Schloss-Apotheke, wo zwei weitere Kollegen seit Dezember aufgegeben bzw. keinen Nachfolger gefunden haben. Ein Trend, der sich in Zeiten des wachsenden Handels von Medikamenten im Internet fortsetzt (siehe Infobox). „Die kriegen eine Beratungspauschale, wenn sie nur eine Telefonnummer eines Kunden nachweisen können“, sagt Beate Kivelitz, „hinzu kommt, dass ausländische Versand-Apotheken sich bei verschreibungspflichtigen Medikamenten nicht an die deutschen Preisvorgaben halten müssen. Dagegen haben kleine, inhabergeführte Apotheken kaum eine Chance.“

Vorteile fallen weg, Nachteile bleiben: „Wir sind vor Ort, übernehmen Rezepturen, beraten im persönlichen Gespräch, stellen den Notdienst und liefern sogar Medikamente am Tag der Bestellung auf Wunsch an den Arbeitsplatz“, sagt Beate Kivelitz. „Mit so etwas muss sich keine Versand-Apotheke auseinandersetzen.“

Mangelnde Kollegialität

Hinzu käme die permanent zunehmende Bürokratie, die eine kleine Apotheke ebenso angehe wie eine größere. „Aber wenn wir handeln oder investieren müssen, dann trifft uns das natürlich in einem ganz anderen Maße, als einen Großapotheker mit mehreren Filialen“, sagt Beate Kivelitz. „So werden jetzt QR-Codes auf Medikamente gedruckt. Dafür brauchen wir ein neues Kassensystem – Kosten: 20.000 bis 25.000 Euro.“

Konkurrenz gibt es nicht nur im Netz. „Die Großen auf dem Hagener Markt machen den Kleinen mit Dumpingpreisen das Leben schwer“, so Beate Kivelitz, „den Austausch, die Kollegialität untereinander – davon ist nichts mehr übrig geblieben. Selbst Vertreter, die uns besuchen, sagen, dass das Verhältnis unter den Apothekern nirgendwo so problematisch wie in Hagen sei.“

Was immer noch bleibt sind die Leidenschaft und das Feuer für den Beruf. „Über die Arbeit selbst würde ich nie meckern“, sagt Beate Kivelitz, „es sind die Rahmenbedingungen, die uns kleinen Apotheken das Genick brechen. Wenn es so weitergeht, können wir irgendwann nicht mehr existieren.“

Und spätestens dann wird es in Hagen auch keinen Notdienst mehr geben. Nicht für Kondome und einen Schwangerschaftstest. Aber auch nicht für wichtige Medikamente, die ein Patient kurzfristig braucht.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben