Diaspora

Kaum Katholiken: Priesterkandidat verbringt Jahr in Schweden

Priesteramtskandidat Rolf Marcel Fischer hat ein Praktikumsjahr in Schweden verbracht. Auf einem Blog im Internet teilt er seine Eindrücke, wie hier vom Midsommar-Fest in der Stadt Uppsala.

Priesteramtskandidat Rolf Marcel Fischer hat ein Praktikumsjahr in Schweden verbracht. Auf einem Blog im Internet teilt er seine Eindrücke, wie hier vom Midsommar-Fest in der Stadt Uppsala.

Foto: Privat

Hohenlimburg.   Rolf Marcel Fischer ist Priesteramtskandidat in Paderborn. Der Hohenlimburger hat ein Jahr in Schweden gelebt – wo es kaum Katholiken gibt.

Rolf Marcel Fischer ist in der Ausbildung zum Priester und verbrachte ein Praktikumsjahr in Schweden. Die katholische Kirche gehört hier zur absoluten Minderheit, auf hundert Einwohner kommt nur ein Katholik. Für den gebürtigen Hohenlimburger eine andere Welt.

Im Gespräch erzählt der 25-Jährige, wie er mit den Vorurteilen „auf der Straße“ umging und weshalb die Gottesdienste in Schweden zu den schönsten gehören, die er bislang erlebt hat.

Unter Nicht-Gläubigen

Rolf Marcel Fischer hat sein Abitur am Gymnasium Hohenlimburg gemacht und gehört seit fast sechs Jahren zu den Priesteramtskandidaten des Erzbistums Paderborn. Über das Bonifatiuswerk bekam er die Gelegenheit, ein Jahr in einer katholischen Gemeinden in Schweden zu verbringen. Genauer: In der Stadt Uppsala, rund 70 Kilometer nördlich von Stockholm. Umringt von einer Gesellschaft, in der Freiheit und Individualität über allem stehen, eckte seine persönliche Lebensweise an. „Wer glaubt, ist dumm“ – diese Meinung begegnete ihm häufiger.

„Die Vorurteile gegenüber Gläubigen sind schon groß“, sagt der 25-Jährige. Ein Beispiel: Als ein schwedischer Bekannter erfuhr, dass Fischer gläubiger Christ ist, brach er den Kontakt für einige Wochen ab. „Bis er dann merkte, dass ich trotzdem ein guter Kerl bin“, sagt Rolf Marcel Fischer und lacht. Erlebnisse wie diese waren für ihn aber weder ein Grund für Zweifel an seinem eigenen Glauben, noch für eine verfrühte Heimreise. Statt sich auf lange Diskussionen für oder gegen Gott einzulassen, ging er einen anderen Weg: „Es geht darum, dass die Menschen verstehen, warum ich diesen Lebensweg gehe“, so Fischer. „Sie sollen nachvollziehen können, warum ich gläubiger Katholik bin.“

Authentisch sein und die berechtigten Fragen der Menschen ernst nehmen – diese Haltung hat er in Schweden gelernt und erfolgreich praktiziert. „Am Ende fanden es die Leute zwar immer noch skurril“, so der angehende Priester, „aber sie sagten: Für dich ist das stimmig.“

Unter Gläubigen

Im Gegensatz zu der Kritik am Glauben von Außen, habe er in der kleinen katholischen Gemeinde in Schweden viel Begeisterung erlebt. „Um die Osternacht in Stockholm zu besuchen, nahmen manche Gläubige eine Stunde Anfahrt in Kauf.“ Das Gotteshaus selbst, mehr als 450 Plätze, sei dann komplett gefüllt gewesen, und viele Gläubige hätten bis draußen auf der Straße gestanden. „Und wenn alle anfangen zu beten und zu singen, und Ordner aufgestellt werden müssen, um die Kreuzverehrung zu organisieren – das hat schon einen besonderen Charakter.“

Daneben hat den 25-Jährigen auch das aktive Glaubensleben der jungen Generation in Schweden nachhaltig beeindruckt. Er erzählt von motivierten 18-Jährigen, die regelmäßig Donnerstagsabends in die Messe kamen und mitten in der Woche gezielt die Stille der Kirche suchten. Oder junge Menschen, die den Rosenkranz per Internet-Kommunikationsdienst „Skype“ beten. „Sie leben den Glauben im wahrsten Sinne des Wortes.“ Erfahrungen wie diese färben ab und stärkten auch den Glauben des junge Priesteramtskandidaten.

„In der katholischen Kirche in Schweden geht der Blick nach vorne – und nicht zurück“, zeigt sich Fischer durchaus begeistert von der Atmosphäre und der Aufbruchstimmung der Gläubigen vor Ort. Ob es ihn deshalb traurig gemacht habe, seine Gast-Gemeinde nach elf Monaten wieder zu verlassen? Er schüttelt den Kopf.

„Fackeln braucht es nicht dort, wo das Feuer schon brennt“, sagt Fischer und sagt mit Blick auf seine Heimat Deutschland: „Vielmehr möchte ich ein bisschen Feuer aus Schweden mitbringen.“

Zurück in der Heimat

„Wir blicken zu oft zurück auf das kirchliche Leben, was wir glauben, in den letzten Jahrzehnten verloren zu haben“, findet Rolf Marcel Ficher. Ein Beispiel sei, wie Austrittszahlen jedes Mal aufs Neue „zelebriert“ werden – samt Gejammer im Anschluss. „Alle zu kritisieren, die austreten, ist unchristlich“, möchte er nicht über die Beweggründe der Menschen urteilen.

Und trotz aller Begeisterung für die Glaubensfreude in Schweden: Auswandern wollte er nicht. Denn diese Begeisterung und der Zusammenhalt in der Gemeinden rühren dort auch aus der Erfahrung, eine absolute Minderheit im Land zu sein.

Diese Erfahrung schweißt die Gläubigen zusammen, schafft aber auch sozialen Druck: „Wer beim Sonntagskaffee nach der Messer fehlt, fällt auf“, so Fischer. „Das kann für den Einzelnen anstrengend sein.“ Dagegen habe Volkskirche den Vorteil, dass Jeder seinen Glauben anonym leben kann, wenn er oder sie das wünsche. „Je kleiner die Gruppe, umso schwieriger wird es, dies zu ermöglichen.“

Beseelt von der Zeit in Schweden weckt die Situation hierzulande in dem jungen Priesterkandidaten nicht Frust, sondern Kampfgeist. „Es steht nirgendwo im Evangelium, dass die Verkündigung für den Überbringer leicht ist – aber sie macht Freude.“

Rolf Marcel Fischer hat seine Magisterarbeit abgegeben und wartet aktuell auf die Note. Im Sommer hofft er, sich für den Pastoralkurs bewerben zu können – der letzte Schritt auf dem Weg zum Priesterberuf. Der 25-Jährige würde gerne langfristig im Erzbistum Paderborn arbeiten. Wo, ist ihm egal.

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