Verkehr

Lärm auf der nahen A 1 lässt Anwohner in Hagen verzweifeln

Der Verkehr auf der A1 hat weiter zugenommen.

Foto: Michael Kleinrensing

Der Verkehr auf der A1 hat weiter zugenommen. Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   Die A 1 ist einer der wichtigsten Verkehrswege in Deutschland. Die Anwohner in Hagen treibt das beständige Tosen jedoch zur Verzweiflung.

Der Verkehr auf der Autobahn 1 und die damit einhergehende Lärmbelästigung der Anwohner in Vorhalle und Bathey hat neue Dimensionen erreicht. Einer Messung des Landesbetriebs Straßen NRW zufolge passierten 2015 täglich knapp 100 000 Fahrzeuge die Strecke zwischen den Anschlussstellen Hagen-Nord und Hagen-West. Jeder achte Wagen ist ein Lkw, nachts steigt der Anteil der Brummis gar auf 28 Prozent. „Manchmal kommt es einem so vor, als fahre ein Laster direkt durchs Wohnzimmer“, schildert Dr. Bernd Widera aus Vorhalle die für die Anlieger quälende Situation.

Mitten durchs Wohngebiet

Die A 1 führt mitten durch das Wohngebiet in Vorhalle, sie ist einer der wichtigsten Verkehrswege in Deutschland. Die Anwohner treibt das beständige Brausen, Tosen und Rauschen jedoch zur Verzweiflung. „Die Grenze des Erträglichen ist überschritten“, sagt Gudrun Wolf-Henoch. Die Apothekerin hat sich gemeinsam mit Widera und Klaus Glasmacher an den Petitionsausschuss des Düsseldorfer Landtages gewandt und auf die schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen hingewiesen, die den Anliegern durch den Verkehrslärm drohen: „Auf Balkonen und in Gärten ist jedermann einem massiven, unentrinnbaren Lärmpegel ausgesetzt.“ Das gelte auch für Schulhöfe und Kindergärten. Schlafen bei offenem Fenster sei in Vorhalle praktisch nicht möglich.

Zwar existiert seit langem eine Lärmschutzwand neben der Fahrbahn, doch das Tosen der Fahrzeuge schwingt sich unsichtbar über das nutzlose Hindernis hinweg. Immer wieder haben Anlieger in der Vergangenheit für eine Verbesserung des Lärmschutzes gekämpft, doch sie stehen weitgehend auf verlorenem Posten. Denn das Planfeststellungsverfahren zum Autobahnausbau ist längst rechtsgültig abgeschlossen, der Klageweg aussichtslos. „Vielen Betroffenen hat der Staat damals Schallschutzfenster oder andere Maßnahmen finanziert, manche sind auch mit Geld entschädigt worden“, so Heike Gerlach, Ingenieurin bei Straßen NRW.

Komplette Erneuerung

Doch jetzt, zwei Jahre nach der Petition der Anwohner, könnte Bewegung in die festgefahrene Situation kommen. 2021 soll die A1 auf 4,5 Kilometern Länge zwischen dem Rastplatz Funckenhausen und der Anschlussstelle Hagen-Nord saniert werden, der Landesbetrieb Straßen NRW will Fahrbahn, Leitplanken und Entwässerungsleitungen erneuern. „Das komplette Paket“, sagte Manfred Klein, ebenfalls Ingenieur beim Landesbetrieb. In diesem Zuge solle auch untersucht werden, ob weitere Lärmschutzmaßnahmen die Situation in Vorhalle verbessern könnten, so Klein.

Forderungen der Anwohner

Die Anwohner stellen folgende Forderungen:

Einbau von Flüsterasphalt auf allen Fahrspuren und in beiden Fahrtrichtungen der A1 (bringt 5 Dezibel Lärmminderung; allerdings verliert dieser offenporige Untergrund nach zehn Jahren seine Wirkung und muss erneuert werden)

Um- und Ausbau der bestehenden Lärmschutzwände unter Berücksichtigung der spezifischen topographischen Gegebenheiten in Vorhalle (Gefällstrecke)

Dämmung der Ein- und Ausfahrten an den Unterführungen unter den Eisenbahngleisen (Tunnel Vorhalle) und der B 226

Dämmung der Brückenlager an der Überquerung der B 54 und der Volme/Ruhr

Optimierung der Lärmschutzwände auf der Brücke Wolfskuhler Weg.

Die ebenfalls gewünschte Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit für Lastwagen auf 60 km/h lehnen die Behörden aus grundsätzlichen Erwägungen kategorisch ab, obwohl vor allem der stetig zunehmende Lkw-Verkehr für den infernalischen Lärm auf den Autobahnen verantwortlich ist.

Der Hagener Landtagsabgeordnete Wolfgang Jörg (SPD) will in Kürze NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) zu einem Ortstermin nach Vorhalle bitten: „Wir müssen parteiübergreifend dafür sorgen, dass sich etwas ändert. Hagen ist die lauteste Stadt im Ruhrgebiet“, gibt Jörg die Richtung vor: „Und wir wissen heute über die gesundheitlichen Risiken von Lärm sehr gut Bescheid.“

>>Hintergrund: Lauteste Stadt im Ruhrgebiet

  • Hagen ist die lauteste Stadt im Ruhrgebiet. Das geht aus dem Umweltbericht des Regionalverbands Ruhr (RVR) hervor.
  • Demnach sind 46 673 Menschen einem Lärm ausgesetzt, der oberhalb von 65 db (A) liegt. Das hat vor allem mit den Autobahnen zu tun. Zielwert der WHO sind 50 db (A).

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