Foodsharing

Lebensmittel-Retter kämpfen jetzt auch in Hagen

In seinem Bekleidungsgeschäft („Onkel Jo sein Laden“) gibt es jetzt auch eine Verteilstation: Bei  Johannes Müller in der Mittelstraße gibt es nicht nur Fairtrade-Mode, sondern auch kostenlosr Lebensmittel.

Foto: Michael Kleinrensing

In seinem Bekleidungsgeschäft („Onkel Jo sein Laden“) gibt es jetzt auch eine Verteilstation: Bei Johannes Müller in der Mittelstraße gibt es nicht nur Fairtrade-Mode, sondern auch kostenlosr Lebensmittel. Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   Nahrung soll nicht in der Abfalltonne landen: Foodsharing-Aktivisten sammeln und verteilen sie in Hagen an künftig zwei Stationen.

Durchschnittlich wirft jeder Bundesbürger 80 Kilo Lebensmittel pro Jahr in die Tonne. Die Initiative Foodsharing (Lebensmittel verteilen) kämpft seit gut fünf Jahren deutschlandweit gegen den Verschwendungswahnsinn. Jetzt auch in Hagen. Im Sommer hat sich die Gruppe „Foodsharing Hagen“ gegründet – in zwei Wochen wird die zweite Verteilerstelle in der Wiederherstell-Bar in Wehringhausen eröffnet. „30 bis 40 Lebensmittel-Retter machen bei uns mit“, sagt Silvia van Loosen, Sprecherin der Hagener Initiative.

Sie und ihre Mitstreiter sammeln überschüssige Lebensmittel auf Wochenmärkten und in Bioläden, um diese dann kostenlos Abnehmern anzubieten. Anfangs gab es nur eine Internet-Plattform, auf der Privatpersonen und Händler aus Hagen und der Umgebung ihre Produkte kostenlos anboten und sich private Abnehmer informieren konnten, wer was wo abgibt. Seit kurzer Zeit gibt es aber auch eine Verteilstelle, „Fair-teiler“ genannt, in der Mittelstraße 8.

In „Onkel Jo sein Laden“ können seitdem nicht nur Fair-Trade-Jeans und -Shirts gekauft werden, sondern auch überschüssiges Obst, Gemüse und Brot kostenlos abgeholt werden. Und demnächst eben im zweiten „Fair-teiler“ in der Lange Straße 65. Aber zurück zum Abhol-Prozedere: „Wir fahren zum Bioladen Timmerbeil in Wehringhausen und zur Vollkornbäckerei Niemand. Außerdem zum 90-Grad-Shop in der Leiblstraße“, zählt Silvia van Loosen auf. Angematschtes Obst, fleckiges oder verwelktes Gemüse, Milchprodukte, die in Kürze ablaufen und Backwaren vom (Vor-)Tag würden – besonders vor den Wochenenden – von den Händlern sonst weggeschmissen.

Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) ist für die „Food-Saver „(Lebensmittel-Retter) kein Problem. „Wenn es auf dem Produkt angegeben ist, richten wir uns nach dem Verbrauchsdatum. Und gekühlte Joghurts, die das MHD um wenige Tage überschritten haben, können durchaus noch gegessen werden“, versichert die Sprecherin und empfiehlt, einfach auf die eigenen Sinne zu achten.

Mindesthaltbarkeit kein Problem

Auch Birgit Olek-Flender von der Hagener Verbraucherzentrale bestätigt, dass Lebensmittel mit abgelaufenem MHD wie Milch und Käse mit entsprechendem Hinweis durchaus weiterverkauft werden können. In Metropolen und Studentenstädten hat die „Foodsharing“-Bewegung mittlerweile zahlreiche Anhänger. „Der Händler hat allerdings eine erhöhte Sorgfaltspflicht und muss überprüfen, ob die Ware tatsächlich noch einwandfrei ist“, betont Olek-Flender.

Die Folge: Die meisten Händler scheuen den Aufwand und entsorgen die Produkte. „Sie könnten diese aber weiter verkaufen, eine gesetzliche Frist, wie lange dies geschehen darf, existiert nicht“, bringt es die Beraterin auf den Punkt. Auch Tafel-Einrichtungen dürfen abgelaufene Lebensmittel

weitergeben. Die meisten lehnen die Annahme von gekühlten Waren jedoch ab, da die Kühlkette nicht überprüft werden kann. In Metropolen und Studentenstädten hat die Foodsharing-Bewegung mittlerweile zahlreiche Anhänger. „In Dortmund, Bochum und Witten gibt es größere Communities“, bestätigt Silvia van Loosen, die hofft, dass die „Saver“-Gruppe auch in Hagen wächst und viele Volmestädter für das Thema Wertschätzung von Lebensmittels sensibilisiert. „Lebensmittel sind keine bloße Ware, sie haben einen ideellen Wert“, unterstreicht die Sprecherin.

Tipps hält sie für die Wegwerfgesellschaft auch parat: So sollten Verbraucher bedarfsorientierter und nach Möglichkeit unverpackte Ware einkaufen. Und Händler sollten Produkte weniger und gezielter anbieten. „Wenn eine Bäckerei um 19 Uhr schließt, muss sie um 18.45 Uhr keine frisch geschmierten Brötchen mehr anbieten“, sagt van Loosen.

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