Medikamente

Apotheker warnt vor Lieferengpässen bei Medikamenten

Apotheker Jörg Pesch aus Hohenlimburg

Apotheker Jörg Pesch aus Hohenlimburg

Foto: Marcel Krombusch

Hohenlimburg.   Jörg Pesch ist im Vorstand des Apothekerverbands Westfalen-Lippe. Er beklagt Lieferengpässe bei Arzneien – und warnt vor den Folgen.

Die Liste fehlender Medikamente wird länger. „Aktuell gibt es etwa 150 Arzneien, die wir nicht auf Lager haben“, sagt der Hohenlimburger Apotheker Jörg Pesch. Das entspricht etwa vier Prozent seines gesamten Bestandes. Es sind Erfahrungen wie diese, die ihn zur Verbandsarbeit motivieren. So sitzt Jörg Pesch im Vorstand des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe und ist Vorsitzender der Hagener Bezirksgruppe des Verbandes.

Engpässe überbrücken

„Langsam muss etwas passieren. Sonst werden wir in zwei bis drei Jahren Engpässe in der breiten Masse bekommen.“ So sei es bereits vorgekommen, dass er Kunden wegschicken musste. In den meisten Fällen könne er Lieferengpässe aber noch durch andere Präparate überbrücken. Nur dadurch entstehen neue Probleme. „Denn Patienten müssen vom Arzt auf die neuen Medikamente umgestellt werden“, sagt Pesch. Oder sie sind unsicher im Umgang mit dem neuen Präparat oder scheuen gleich den Umstieg komplett.

Wie es der Apotheker aus Hohenlimburg etwa manches Mal bei Kunden erlebt hat, die den Wirkstoff Valsartan benötigten. Das Arzneimittel senkt den Blutdruck, doch zuletzt mussten bereits mehrere Präparate zurückgerufen werden – wegen möglicher krebserregender Verunreinigungen eines chinesischen Herstellers. Pesch hofft, dass Ende Mai die nächste Lieferung in sein Lager kommt.

Der erste Impuls vieler seiner Kunden sei, auf die Lieferung zu warten und bis dahin auf den Wirkstoff zu verzichten. Ein Vorgehen, vom dem der Apotheker generell abrät. „Die Beschwerden kehren zurück, sobald sie den Wirkstoff nicht mehr einnehmen.“ Er empfiehlt, auf Alternativen zu setzen.

Bundesweites Problem

Die Lieferengpässe sind ein bundesweites Problem und seit mehreren Jahren bekannt, sagt Jörg Pesch. Ein Grund sei der hohe Preisdruck, dem viele Hersteller nicht standhalten könnten.

So gehe der Trend hin zu wenigen großen Herstellern, womit die Abhängigkeit für Abnehmer steige. „Außerdem lassen viele Firmen im Ausland produzieren, etwa in Asien und Indien“, so Pesch. Nicht immer seien dort in der Vergangenheit angemessene Qualitätsstandards eingehalten worden, wie etwa im oben genannten Fall von Valsartan vermutet.

Wenig Einsicht

Seine Sorgen über die Engpässe finden zwar bei Krankenkassen und Politikern Gehör, sagt Pesch. Und er verstehe auch die Situation der Krankenkassen, die selbst engen gesetzlichen Leitplanken unterstehen. Aber: „Wir stoßen trotzdem auf wenig Einsicht.“

Dass sich Apotheken in der Region untereinander aushelfen, um den Mangel bei bestimmten Arzneimitteln auszugleichen, sei schon aus gesetzlichen Gründen schwer möglich, sagt er. Vielmehr will Pesch sich dafür einsetzen, dass Krankenkassen bei Medikamenten-Ausschreibungen wieder mehr auf Qualität setzen müssen, statt „nur den Preis im Blick zu haben.“ Kurzfristig sei er wenig optimistisch, dass sich an den Engpässen etwas ändert. „Aber es gibt Tendenzen, die Hoffnung machen – mittel bis langfristig.“

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