Tristan und Isolde

Magdalena Anna Hofmann macht in Hagen als Isolde Furore

Magdalena Anna Hofmann als Isolde im Hagener „Tristan“.

Magdalena Anna Hofmann als Isolde im Hagener „Tristan“.

Foto: Theater Hagen Klaus Lefebvre

Hagen.   Magdalena Anna Hofmann debütiert am Theater Hagen als Isolde. Wir verraten, warum die Sopranistin damit zur großen Wagner-Hoffnung wird

Jede Isolde tanzt auf dem Hochseil. Nicht nur die stimmlichen Talente entscheiden darüber, ob man in die Königsklasse des Operngesangs aufsteigt, sondern auch die Fähigkeit, auf der Langstrecke Höchstleitungen abrufen und extreme Gefühlsausbrüche glaubhaft darstellen zu können. Magdalena Anna Hofmann gehört zu den großen Sopran-Hoffnungen und meistert die weite Distanz ebenso wie die hochkonzentrierte Momentaufnahme.

Das stellt die junge Sängerin derzeit am Theater Hagen in „Tristan und Isolde“ unter Beweis. Die Wienerin debütiert in Hagen als Isolde und wird zum Glücksfall für das Publikum. „Ein sehr guter Freund von mir, Michael Halasz, war in Hagen Generalmusikdirektor. GMD Joseph Trafton habe ich in Wien bei einer Produktion kennengelernt. Und dann kam dieser Anruf: Willst Du bei uns die Isolde machen?“

Ein Schnitzel vor dem Liebestod

Birgit Nilsson sagte einmal, für die Isolde brauche man vor allem bequeme Schuhe. Vier Nettostunden Musik bietet Wagners Meisterwerk auf, im ersten und zweiten Akt singt die Titelheldin praktisch nonstop. Dann kommen die Pause und der gut eineinviertelstündige dritte Akt, in dessen Schlussminuten Isolde noch einmal ohne Anlauf aufdrehen muss. „Alle haben mich vor dem dritten Akt gewarnt“, sagt Magdalena Anna Hofmann. „Das ist ein Kaltstart von Null auf Hundert.“

Von berühmten Sängerinnen wird überliefert, dass sie sich für diesen Liebestod in der Kantine mit einem Schnitzel und einem Weizenbier stärkten. Das geht in Hagen nicht, weil die Isolde, wie alle anderen Protagonisten auch, die ganze Zeit auf der Bühne präsent ist. Sie kriegt eine Nudelbox vom Chinesen. Alles kein Problem für Magdalena Anna Hofmann. „Ich habe das Gefühl, die Isolde muss jetzt heraus aus mir. Ich will sie jetzt ganz oft singen.“

Die interessantesten Frauenpartien

Mitunter kommen Opernkünstlerinnen von der Isolde nie wieder zurück zu anderen Rollen. Das soll der Wienerin nicht passieren. „Wagner hat die interessantesten Frauenpartien, aber Strauss und Janacek sind ebenfalls wunderbar. Ariadne, die Färberin, Bergs Wozzeck-Marie, das sind alles Sachen, die ich gerne singen würde. Doch, es gibt ein Zurück von der Isolde. Isolde hat so viele lyrische Momente, die ist nicht vergleichbar mit einer Götterdämmerungs-Brünnhilde. Es gibt viele Partien, die unter der Isolde liegen, die ich aber noch singen will.“

Dass das Wagner-Fach ihr liegt, war früh klar. Magdalena Anna Hofmann ist im polnischen Warschau aufgewachsen und hat in Wien studiert, wo sie heute mit ihrer Familie lebt. „Schon mein erster Gesangslehrer hat gemeint, dass meine Stimme in diese Richtung geht, schon mit 22 Jahren habe ich die Fricka gesungen, da war ich noch Studentin. 2009 bin ich in Bonn kurzfristig als Venus eingesprungen.“ Das war ein Auftakt, der Wagnerianer seither aufhorchen lässt. Nach Venus kamen Sieglinde/Die Walküre in Minden und Tianjin/China, Senta in Kopenhagen, Essen und Lyon, Elsa in Riga und jetzt die Isolde in Hagen. „Man hört immer, dass man für eine Isolde vier Jahre Vorbereitungszeit braucht. Aber die Anfrage aus Hagen kam relativ kurzfristig, ich hatte nur ein Jahr für eine solche Riesenpartie. Die Isolde ist eine Partie, die sich mit den Jahren entwickelt. Ich möchte sie jetzt ganz oft singen, damit das wachsen kann.“ Brünnhilde wird dann später kommen, als krönender Höhepunkt, „wenn die Stimme sagt: Jetzt bin ich bereit“.

Theater Hagen als Sprungbrett

Magdalena Anna Hofmann freut sich über das durchweg gelungene Debüt am Theater Hagen. Die Kritiker sind begeistert, das Publikum steht nach jeder Vorstellung auf, manche Besucher reisen sogar von Hamburg an. Das ist eine echte Win-Win-Situation. Viele große Sänger wählen kleine Bühnen, wenn sie eine neue Herausforderung ausprobieren möchten. Die Hagener können im Gegenzug eine vielversprechende Künstlerin bei einem entscheidenden Karriereschritt begleiten und damit die traditionelle Sprungbrett-Funktion des Hauses bestärken.

Und wie hält man die Stimme gesund und fit für den Isolde-Marathon? Die Antwort ist typisch für Magdalena-Anna Hofmann: „Vor den Vorstellungen singe ich mich mit Johann Sebastian Bach ein.“

www.theaterhagen.de

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