Ausstellung

Maler Andres Garcia Ibanez stellt in Hagen aus

Beethovens Ode an die Freude war Anlass für diese allegorische Darstellung (Ausschnitt)  von Andres Garcia Ibanez.

Foto: Ralf Rottmann / Funke Foto Services

Beethovens Ode an die Freude war Anlass für diese allegorische Darstellung (Ausschnitt) von Andres Garcia Ibanez. Foto: Ralf Rottmann / Funke Foto Services

Hagen.   Der spanische Maler Andres Garcia Ibanez hat mit 45 Jahren bereits ein riesiges Werk geschaffen. Das ist erstmals in Deutschland zu sehen, und zwar in Hagen

Der barocke Hofmaler ist vom Hofnarren gar nicht so weit entfernt. Er muss mit seiner Kunstfertigkeit den Ruhm seines Herrschers mehren und hat gleichwohl den Anspruch, hinter die Masken der Macht zu blicken. Der junge spanische Künstler Andres Garcia Ibanez entwickelt aus dem Erbe von Diego Velázquez und Francisco Goya eine eigene Tradition der naturalistischen Malerei. Erstmals stellt das Hagener Osthaus-Museum den Künstler nun mit 80 Arbeiten in Deutschland vor. Die Werkschau vermittelt ein faszinierendes Bild zeitgenössischer Kunstauffassung, die hyperrealistische Malerei nutzt, um die Gegenwart kritisch und teils satirisch zu hinterfragen.

Eine maskierte nackte Frau liegt im Mittelpunkt eines Triptychons. Die Äpfel, die sie in der Hand hält, wirken so knackfrisch, man möchte direkt hineinbeißen. Die Symbolwirkung ist überwältigend. Der Bischof zur Linken kann gar nicht genug von den verbotenen Früchten bekommen. Dem Bischof zur Rechten hingegen quellen die Augen aus dem Kopf vor Gier. „Die Sünde“ ist der Titel des Werkes, das auf die Doppelmoral anspricht, die in klerikalen Kreisen zu finden ist.

Sakrale Gespräche

Überhaupt liefern die Widersprüche zwischen der Lehre Christi und dem Treiben der Amtskirche Andreas Garcia Ibanez viel Anlass für böse Bildkompositionen, die er unter dem Titel „Sakrale Gespräche“ fasst. Stocksteif steht ein Mann neben einer gigantischen Figur des Gekreuzigten. Der Stehende ist versehrt, er hat nur noch einen Arm und ein Auge. Doch er ist der Uniform nach unverkennbar Soldat, es handelt sich um den Gründer der spanischen Fremdenlegion. Und als solcher positioniert er sich neben dem Menschensohn, der von Söldnern als Kreuz geschlagen und verwundet wurde. Sieht der Soldat sich in einer wie auch immer pervertierten Christusnachfolge? Oder inszeniert er eine Kalvarienbergszene, eine ganz private Passion? Das sind Fragen, die bewusst offen bleiben.

In einem anderen Gemälde füttern angsterregende Gestalten mit totenkopfähnlichen Gesichtern junge Mädchen mit der ersten heiligen Kommunion und organisieren sich so Frischfleisch.

Trotz seiner Jugend, er wurde am 24. September 1971 geboren, hat Ibanez bereits ein gewaltiges Werk von über 3000 Arbeiten geschaffen, die meisten von ihnen wurden nach England verkauft. Die Provinzregierung hat ihm in der Nähe seines Geburtsortes Almeria ein eigenes Museum gewidmet, das 2012 eröffnet wurde. Die Casa Ibanez wird auch zum Ort, wo seine wachsende private Gemäldesammlung von Goya, Sorolla oder Antonio López zu sehen ist. Der studierte Architekt ist ein besessener Maler, der einen keinen Zweifel an der Legitimation der realistischen Malerei im Zeitalter der Massenfotografie aufkommen lässt, weil eben das Gemälde in vielen Schichten jene Demaskierungs- und Psychologisierungs-Prozesse erzählen kann, die dem Digitalen fremd sind.

Allegorien nach Beethoven

Entsprechend seiner barocken Vorbilder gehören Allegorien ebenfalls zum OEuvre von Ibanez. So deutet er einen Mythos der spanischen Alltagskultur neu. Der Stierkämpfer wird bei ihm zum traurigen Minotaurus, dem Hörner aus dem Kopf wachsen und dessen Arena das Schlafzimmer ist. Die spitzen Highheels der dunkelhaarigen Schönheit, der er schließlich erliegt, sind mindestens so gefährliche Waffen, wie sie der reale Stier mit sich führt

Der Beethoven-Verehrer Ibanez widmet seinem Lieblingskomponisten ebenfalls allegorische Arbeiten. Frauenfiguren stehen für Sätze aus Klavierkonzerten und Sonaten. Ein 2,80 hohes und 5 Meter breites Monumentalgemälde versinnbildlicht den Schlusschor aus der Neunten Sinfonie. Alle die nackten Frauen und Männer darauf verkörpern jene universelle Menschheitsgemeinschaft, welche die Utopie des „Alle Menschen werden Brüder“ beschwört.

Die Ausstellung „Poesie des Realen“ mit Werken des spanischen Malers Andres Garcia Ibanez wird am Samstag, 16. September, um 16 Uhr im Hagener Osthaus-Museum eröffnet. Die Arbeiten sind bis zum 3. Dezember zu sehen. www.osthausmuseum.de

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