Automobilzulieferer

Fisher Dynamics will TWB in Hagen übernehmen

Die Betriebsratsmitglieder von TWB wehren sich gegen die Kündigungen. Interview-Partner

Die Betriebsratsmitglieder von TWB wehren sich gegen die Kündigungen. Interview-Partner

Foto: Mike Fiebig

Eckesey.   Die Mitarbeiter des Hagener Automobilzulieferers TWB sind psychisch stark getroffen. Doch es gibt einen Hoffnungsschimmer für sie.

Sie sind wütend und sie berichten davon, wie die aktuelle Situation vielen Mitarbeitern auf die Psyche schlägt. 290 Kollegen des Hagener Automobilzulieferers TWB in der Sedanstraße müssen gehen.

Volkswagen hatte alle Lieferverträge mit der Prevent-Gruppe gekündigt, zu der TWB gehört. Die Menschen, die in dem großen Werk an der Sedanstraße arbeiten, sind die Bauernopfer dieses Machtkampfs. Gestern Morgen traf die Stadtredaktion Betriebsratsmitglieder und Männer, die seit mehr als 20 Jahren in Lohn und Brot bei TWB stehen. Stellvertretend zu Wort meldete sich dabei Betriebsratsmitglied Esat Kösemihaloglu.

Herr Kösemihaloglu, wie sieht es derzeit in Ihnen aus?

Esat Kösemihaloglu: Wissen Sie, am Ende wird hier mit Menschen, die 15, 20 oder 25 Jahre alles für diesen Laden gegeben haben und auch am Wochenende gearbeitet haben, total furchtbar umgegangen. Wenn Sie hier durchs Werk gehen, sehen Sie Kollegen, die psychisch am Ende sind. Die Gerichte, die Geschäftsleitung und die IG Metall haben uns im Stich gelassen. Und jetzt hält man auch das Wort nicht bei der geplanten Transfergesellschaft.

Was meinen Sie damit?

Die Transfergesellschaft, damit wir uns in Ruhe um einen neuen Job kümmern können, sollte zwölf Monate laufen. Jetzt feilscht man im Hintergrund schon darum, dass es nur zehn Monate werden. Man kriegt hier nur weiter etwas in den Rücken geschlagen. Die Belegschaft hier hat es doch eh schon schwerer als andere Menschen.

Warum? Bei TWB arbeiten doch viele Kollegen, die ein spezielles Wissen zum Beispiel bei der Herstellung von Sitzteilen haben.

Das ist aber auch ein Problem. Ja, viele hier sind erfahren und viele haben sich dieses Wissen angeeignet. Aber viele Mitarbeiter sind auch Migranten, die vor 20 oder 25 Jahren hier her gekommen sind und für die das die einzige Chance auf dem Markt war. Es ist schon furchtbar, wenn man mit 50 oder 55 arbeitslos wird. Aber ungelernt und mit Migrationshintergrund ist es noch schlimmer.

Die IG Metall, die Sie und Ihre Kollegen ja vertritt, sagt aber, dass diese Transfergesellschaft ein Verhandlungsgewinn ist.

Da können wir hier nur drüber lachen. Die IG Metall hatte uns einen Arbeitskampf versprochen. Von ihr sind wir genauso enttäuscht. Jetzt gibt es eine Transfergesellschaft, keine Abfindungen und extreme Ungerechtigkeit beim Sozialplan und der Verteilung der übrig gebliebenen Stellen. Was hier im Betrieb passiert, ist wirklich ein Skandal.

Das sind schwere Vorwürfe.

Aber genauso ist es. Die Geschäftsführer warten ja noch nicht mal einen Urteilsspruch zwischen VW und TWB ab, sondern verteilen hier schon die übrigen Stellen nach dem Bekannte-Nasen-Prinzip. Es zählen gar nicht die Punkte, die man im Sozialplan erreicht, sondern wie gut dich der Personalleiter leiden kann. Es geht hier wirklich unmenschlich zu Ende. Es geht auch das Gerücht herum, dass eine der wichtigsten Maschinen hier nach Bosnien geschickt werden soll. Dann kann man den Standort eigentlich direkt abschreiben. Aber wir haben Hoffnung.

Wie wollen Sie denn jetzt noch Hoffnung haben?

Es gibt einen Interessenten für TWB. Mit dem haben wir auch schon gesprochen und die haben sich hier auch schon über den Betrieb informiert. Die wollen TWB kaufen und haben auch nicht so ein zerstörtes Verhältnis zu VW. Das wäre eine echte Chance.

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