Breckerfeld

Schluss nach 40 Jahren: Russes sagen Weihnachtsmarkt ade

Jutta und Hermann Russe sind zum letzten Mal mit ihrem Stand auf dem Weihnachtsmarkt dabei.

Jutta und Hermann Russe sind zum letzten Mal mit ihrem Stand auf dem Weihnachtsmarkt dabei.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Breckerfeld.  Jutta und Hermann Russe aus Zurstraße waren mit ihrem Stand schon beim ersten Weihnachtsmarkt in Breckerfeld vertreten. Nun machen sie Schluss.

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Ein Bummel, staunen an den Ständen, ein heißer Punsch, eine warme Waffel in einem der Winkel an der Jakobuskirche – undenkbar. Zumindest für dieses Paar. Und schon gar nicht gemeinsam. Denn Jutta und Hermann Russe haben anderes, haben Besseres zu tun. Seit 39 Jahren verkaufen sie selbst auf dem Breckerfelder Weihnachtsmarkt. Sie sind die letzten der ersten Stunde, dieser 40. Markt soll ihr letzter sein.

Freunde treffen – immerhin das geht. „Die kommen einfach an unseren Stand“, sagt Jutta Russe. „Dazu die Stammkunden, die uns in all der Zeit die Treue gehalten haben. Einige bringen Kaffee und Stollen mit. Ich nehme mir auch mal die Zeit, ein bisschen zu quatschen. Mir kommt es nicht auf das Verkaufen an.“

Durch die Gassen schlendern

Das ist die Motivation für viele, die rund um die Kirche und durch die Gassen schlendern. „Die Leute kommen nicht unbedingt mit dem Vorsatz, etwas zu kaufen“, sagt Hermann Russe, „da muss man jedes Jahr einen Volltreffer landen. Aber das ist uns wohl gelungen. Der große Holzengel ist in den letzten Jahren ein Klassiker. Auch der große Stern geht immer gut.“

Auch, weil sich das, was Jutta und Hermann Russe anbieten, von all dem üblichen Dekokram, den man in Günstig-Läden oder Möbelgeschäften für kleines Geld in der Vorweihnachtszeit kaufen kann, unterscheidet. In all den Jahren ist alles reine Handarbeit gewesen. Die Produkte haben eine Seele. Und die hat ihnen das Ehepaar aus Zurstraße eingehaucht.

Ein Witzpreis für den großen Engel

„Einmal waren wir mit einem blauen Engel auf dem Foto in der Zeitung“, sagt Jutta Russe, „im nächsten Jahr sind sogar Menschen aus dem Ruhrgebiet gekommen und haben gezielt danach gefragt.“ Dabei gerät die Preisfindung in Zeiten, in denen es Weihnachtsdekoration zu Schnäppchenpreisen gibt, zu einer Gratwanderung. „Der große Engel kostet bei uns 25 Euro“, sagt Hermann Russe, „eigentlich ist das ein Witzpreis. Unsere Produkte sind doch Unikate, die sich so nirgendwo sonst finden.“ Im Gegenteil: Das Ehepaar Russe hat schon Händler auf anderen Märkten entdeckt, die versucht haben, Sterne und Engel nachzubauen.

Das aber ist schwer. Denn Hermann Russe ist ein Perfektionist, der sein Handwerk gelernt hat. Nach einer Ausbildung zum Schreiner und nach der Zeit bei der Bundeswehr hat er jahrelang als Vertreter für den Schreibwarenhersteller Pelikan gearbeitet.

Als er im Alter von 50 Jahren arbeitslos wurde, hat er sich auf seine Wurzeln besonnen und in einer Scheune eine Werkstatt eröffnet. Später zog er in eine 300 Quadratmeter große Halle um, in der er bis heute arbeitet. „Ich fühle mich fit. Es macht noch Spaß.“

Direkt neben der Kirche

Am zweiten Dezember-Wochenende allerdings verlegt er seinen Arbeitsplatz. Holzartikel und Dekorationen aus Ton, die Jutta Russe mit Freundinnen fertigt, werden dann direkt neben dem Eingang zur Kirche verkauft. Immer am selben Platz. „1-a-Lage“, sagt Hermann Russe, „wobei einmal eine Schneelawine vom Dach heruntergekommen ist und unseren Stand unter sich begraben hat.“

Der hat sich gewandelt. „Anfangs war er zu allen Seiten offen – und das bei Wind und Wetter“, sagt Jutta Russe, „abends mussten wir allles rausholen. Heute können wir einfach abschließen.“ Am Sonntag nach 40 Jahren zum letzten Mal.

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