Einzelhandel

Hagen: Schulstart geht am Schreibwaren-Fachhandel vorbei

Inhaberin Beate Fränzner und ihr Mann Dirk Fränzner führen das  Bastelgeschäft an der Holbeinstraße 8 seit vielen Jahren.

Inhaberin Beate Fränzner und ihr Mann Dirk Fränzner führen das Bastelgeschäft an der Holbeinstraße 8 seit vielen Jahren.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Hagen.  Beate und Dirk Fränzner führen ihr Schreibwaren- und Bastelartikelgeschäft an der Holbeinstraße seit Jahren. Leicht haben sie es nicht.

Pünktlich zum Schulanfang ziehen sie wieder zum Einkaufen los – Mädchen und Jungen mit langen Materiallisten: Stifte, Hefte, Malkästen und Zeichenblöcke sind nur einige der Dinge, die jeder Schüler während seiner Schullaufbahn regelmäßig benötigt. Doch wo kauft man diese­ Utensilien inzwischen am besten?

„Creativwelt Farben Fränzner“ ist eine traditionelle Adresse in Hagen. Auf über 150 Quadratmetern Verkaufsfläche bieten Beate und Dirk Fränzner an der Holbeinstraße mehr als 50.000 verschiedene Artikel an. Von Füllerpatronen über Krepppapier bis hin zu Stoffrollen ist alles erhältlich, was das Schüler- und Bastlerherz höher schlagen lässt. Und dennoch läuft das Geschäft eher schleppend – trotz des anstehenden Schulbeginns, bei dem der Andrang eigentlich am größten sein sollte. Woran das liegt?

„In den letzten fünf bis sieben Jahren haben wir einen starken Wandel erlebt. Es wird weniger auf Qualität gesetzt, stattdessen sollen die Produkte einfach nur günstig sein. Nur wenige haben das Geld, in hochwertige Schreibwaren zu investieren“, erzählt Dirk Fränzner. Seit geraumer Zeit werden Schreib- und Bastelutensilien wie so Vieles im Internet bestellt. Das hat Folgen. „Nicht nur wir leiden darunter, dass weniger Kunden zu uns kommen. Auch die Großhändler sind betroffen. Als wir vor 20 Jahren angefangen haben, Schreibwaren zu verkaufen, gab es in NRW fünf oder sechs Großhändler, an die man sich wenden konnte. Heute ist der nächstgelegene Großhändler in Limburg zu finden.“

Besonders große Konkurrenten seien die Drogerien und Discounter, erzählt der eingesessene Hagener Einzelhändler. Diese deckten saisonal den Schulbedarf ab und verkauften dabei Produkte noch unter Einkaufswert: „Wir sind bemüht, immer alles da zu haben und auch speziellen Anforderungen gerecht zu werden. Aber mit den Preisen der Drogerien können wir nicht mithalten“, schildert die Inhaberin des Geschäfts ihre Lage.

Sinkendes Interesse am Basteln

Aber es scheint, als würden die Kunden nicht nur weniger auf Qualität setzen, sondern auch grundsätzlich habe das Interesse am Basteln und Handarbeiten abgenommen. „Früher kamen Eltern mit dem Wunsch zu uns, eine Schultüte für ihr Kind zu basteln. Wir haben sie beraten, mit ihnen passende Materialien ausgesucht und ihnen Tipps gegeben. Wenn heute jemand mit diesem Anliegen hereinkommt, ist die Motivation, tatsächlich etwas zu basteln, gering“, beschreibt der Experte seine Erfahrungen. „Sogar den Kindern scheint es egal geworden zu sein, welche Schulsachen sie benutzen.“ Aufgesucht werde der Laden meist nur noch, wenn die Kunden etwas Spezielles weder im Internet, noch beim Discounter finden konnten. Dann komme man um fachgerechte Beratung eben doch nicht herum.

Nachfrage steigt mit Schulstart

Auch bei der Hagener Filiale der Kette „McPaper“ verläuft der Verkauf bisher eher verhalten. „Wir hoffen, dass nach Schulbeginn mehr los ist“, sagt Filialleiterin Jessica Voss. Sie bekomme die Konkurrenz zu Drogerien wie Müller, Rossmann oder „dm“ ebenfalls zu spüren. Die Schulen oder aktuelle Trends würden für McPaper derweil keine große Rolle spielen: „Wir halten keine Rücksprachen mit den Schulen. Manche Schulen achten mehr auf Nachhaltigkeit, manche weniger. Das hat keinen Einfluss auf unser Angebot.“

Ein Anruf beim Einzelhandelskonzern „Staples“ in Eckesey an der Becheltestraße hingegen zeigt, dass in der Dependance bereits kurz vor Schulanfang reichlich Stress herrscht: Man habe keine Zeit, Fragen zu beantworten.

Und wie sieht die Zukunft bei den Fränzners aus? „Wir warten ab, so wie alle Fachhändler für Schreibwaren. Was noch kommen wird, kann bis jetzt niemand absehen.“

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