Prozess

Schutzgelder-Erpressung: Lüdenscheider Bande vor Gericht

Prozess am Landgericht Hagen: Ziya Y. (42) werden Verbindungen zu den Hells Angels nachgesagt. Die Schutzgelder-Erpessungen sollen sich in Hohenlimburg und Lüdenscheid abgespielt haben.

Prozess am Landgericht Hagen: Ziya Y. (42) werden Verbindungen zu den Hells Angels nachgesagt. Die Schutzgelder-Erpessungen sollen sich in Hohenlimburg und Lüdenscheid abgespielt haben.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.  Vier Angeklagte, die Schutzgelder auch im Sauerland erpresst haben sollen, stehen seit Montag vor dem Landgericht in Hagen. Schwerer Raub und schwere räuberischer Erpressung wird der Verbrecherbande unterstellt.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Unter strengen Sicherheitsauflagen hat vor dem Landgericht Hagen der Prozess um mutmaßliche Schutzgelderpressungen im Sauerland begonnen.

Geschäftsleuten mit Hells Angels gedroht

Erst fällt in dem Lüdenscheider Sportwetten-Büro ein Schuss – um den Besitzer und Kunden zu bedrohen, wie es in der Anklageschrift heißt. Dann wird dem Geschäftsmann die Herausgabe der Videoaufzeichnung des Vorfalls mit deutlichen Worten nahegelegt: „Sonst kommen gleich 100 Hells Angels und machen dich platt.“ Seit Montag muss sich eine mutmaßliche Bande von Schutzgelderpressern, die sich in Lüdenscheid gegründet haben soll, vor dem Landgericht Hagen verantworten.

Nach Überzeugung von Staatsanwalt Axel Nölle sollen Murat S. (37), Murat Yasin H. (23, beide aus Lüdenscheid) sowie Filiz S. (30) und Ziya Y. (42, beide aus Köln) bei mehreren Geschäftsleuten in Lüdenscheid und Hagen-Hohenlimburg ihr illegales Geschäftsmodell praktiziert haben. Unter Hinzuziehung von Gewalt. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft soll der 42-jährige Angeklagte der Rockergruppierung „Hells Angels“ angehören.

Entsprechend streng sind die Sicherheitsvorkehrungen zum Prozessauftakt. Jeder Besucher, der den Prozess verfolgen will, muss bis auf seine Kleidung alle Gegenstände, die er bei sich hat - vom Smartphone bis zur Zigarettenschachtel - vor dem Schwurgerichtssaal abgeben. Justizbeamte füllen die Sachen in blaue Müllsäcke und nummerieren diese - für die spätere Rückgabe an die Besitzer.

Kuttenverbot im Hagener Landgericht

Zudem hat die 4. Große Strafkammer verfügt, dass an sämtlichen Hauptverhandlungstagen im gesamten Hagener Justizzentrum das Tragen von Motorradwesten („Kutten“) und sonstigen Bekleidungsgegenständen, die auf die Mitgliedschaft in einem Motorradclub schließen, untersagt ist. Allerdings sei nicht bekannt, so das Landgericht in einer Mitteilung, ob die mutmaßliche Erpresser Bande „in größerem Umfang Verbindungen“ zu den „Hells Angels“ hat.

Im Juli 2015 sollen jedenfalls, so die Anklage, drei der mutmaßlichen Bandenmitglieder in Begleitung zweier aufgrund ihrer Kleidung eindeutig als „Hells Angel“ zu identifizierende Männer ein Café in Hohenlimburg aufgesucht haben. Der „eindringlich“ vorgetragene „Wunsch“ der ungebetenen Gäste: Die Gewinne aus den Gewinnspielautomaten sollen zum großen Teil an den mutmaßlichen Bandenchef Murat S. (37) gehen. Und der Inhaber des Cafés solle diesem die Rückzahlung eines Darlehens (23 000 Euro) erlassen. „Weißt du eigentlich, mit wem du dich anlegst?“, soll S.’ Schwester Filiz zu dem Gastronomen gerufen haben.

Drei der vier Angeklagten schweigen beim Prozessauftakt

 

Am ersten Verhandlungstag schweigen drei der vier Angeklagten, alle vorbestraft. Der 23-Jährige berichtet, dass er Murat S. – von der Staatsanwaltschaft als Kopf der Bande eingestuft – Anfang 2015 über den Weg gelaufen und zu dessen Geschäftspartner geworden sei. Bei legalen Geschäften, so seine Überzeugung. Ob er dann nicht sauer auf den Kollegen sei, fragt Richterin Heike Hartmann-Garschagen, dass er in etwas hineingezogen wurde? Seine Antwort: „Wieso sollte ich?“

Die meisten mutmaßlichen Schutzgelderpressungen - teilweise unter Gewaltanwendung - sollen in Lüdenscheid verübt worden sein. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, so die Staatsanwaltschaft, soll die Bande in einem Sportwetten-Büro sogar einen Schuss aus einer Pistole abgegeben haben. „Er sah sehr verängstigt aus“, schildert am ersten Prozesstag ein Polizeibeamter im Zeugenstand die Reaktion des Besitzers.

35 Verhandlungstage angesetzt

Die 4. Große Strafkammer des Landgerichts Hagen hat zunächst 35 Verhandlungstage angesetzt. Den vier Angeklagten ist im Gerichtssaal jeglicher Kontakt untereinander untersagt. Fortgesetzt wird der Prozess am Mittwoch, 15. Juni.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben