Flugzeug startet nicht

Semmelrogge verpasst Auftritt am Hohenlimburger Schloss

Martin Semmelrogge steckte in Magdeburg fest und schaffte es nicht rechtzeitig nach Hohenlimburg.

Martin Semmelrogge steckte in Magdeburg fest und schaffte es nicht rechtzeitig nach Hohenlimburg.

Foto: Marcel Krombusch / Westfalenpost

Hohenlimburg/Magdeburg.  Schauspieler Martin Semmelrogge steckt bei Polizeiruf-Dreharbeiten fest. In Hohenlimburg rettet Indra Janorschke den Abend.

Schauspieler Martin Semmelrogge (63), Star und Hauptdarsteller der diesjährigen Hohenlimburger Schlossspiele, hat am Samstagabend die sechste und letzte Vorstellung des Stücks „Warten auf Godot“ am Hohenlimburger Schloss verpasst. Der kernige Semmelrogge wurde zu lange am Set der nächsten Folge von „Polizeiruf 110“ in Magdeburg aufgehalten. Das Sportflugzeug eines Kumpels hob am Abend nicht mehr Richtung Hohenlimburg ab, weil der Pilot nicht im Dunkeln weiterfliegen wollte. Den Abend in Hohenlimburg rettete Indra Janorschke. Trotz aller Hektik und Umplanung: Nur zwei von 130 Zuschauern wollten ihr Geld wiederhaben. Der Rest erlebte beste Schauspiel-Improvisation.

Dass der bekannte Martin Semmelrogge („Das Boot“, „Schindlers Liste“, „Tatort“ oder „Bang Boom Bang“) zwischen den Schlossspiel-Aufführungen nicht nur Däumchen drehend an der Lenne weilen würde, war allen Verantwortlichen vorher klar. „Dass der Martin zum Beispiel am Samstag in Magdeburg drehen musste, das wussten wir“, sagt Mit-Organisator Willi Strüwer. „Und wir hatten auch den ganzen Tag Kontakt zu ihm.“

Zuvor hatte Semmelrogge fünf gefeierte Auftritte am Schloss in der Rolle des „Lucky“ in Samuel Becketts Stück „Warten auf Godot“ hingelegt. „Ich bin während der Schlossspiele 6100 Kilometer gefahren“, sagt Semmelrogge im Gespräch mit der . Neben dem Polizeiruf-Dreh laufen parallel noch Proben an einem Düsseldorfer Theater. „Der Regisseur in Magdeburg wollte eigentlich bis 16 Uhr mit mir fertig drehen“, sagt Semmelrogge. Der kommende Magdeburger Polizeiruf „Magedeburg I – Totes Rennen“ spielt tatsächlich im Umfeld des bekannten Pferderennens des Magedburger Renn-Vereins. Semmelrogges Schluss-Szenen sollten in einem Wettbüro gedreht werden. „Doch da kamen wir erst ab 17 Uhr rein“, sagt er.

Rückflug nicht im Dunkeln

Einem guten Freund, der ihm angeboten hatte, ihn mit seinem Sportflugzeug schnell von Magdeburg nach Dortmund zu fliegen, war das Drehende nach 18 Uhr dann zu spät. „Mein Kumpel hätte von Dortmund noch nach Bad Hersfeld zurückfliegen müssen, aber den Flug wollte er in der Dunkelheit nicht mehr starten.“

Soweit so nachvollziehbar. Doch als klar war, dass Semmelrogge nicht nach Hohenlimburg kommt, kam kurz Hektik am Schloss auf. „Absagen oder nicht? Die Leute auszahlen? Oder auf Sonntag verlegen“, zitiert Willi Strüwer die Fragen, die in den Köpfen der Organisatoren herumspukten. Doch dann trat Indra Janorschke, die in Hagen gemeinsam mit Dario Weberg das Theater an der Volme betreibt, auf den Plan. „Ich habe das Stück ja inszeniert. Ich kannte die Wege und die Szenen“, sagt Janorschke. „Außerdem hält der ,Lucky“ in dem Stück einen mehrminütigen Dialog, der ziemlich sinn- und zusammenhangslos wirkt. Das konnte ich gut improvisieren. Es musste ja nicht eins zu eins wie bei Samuel Beckett sein. Und mir hat es auch nichts ausgemacht, dass ich erst zwei Stunden vorher erfahren habe, dass ich spielen muss“, sagt Janorschke lachend.

Begeistert von Hohenlimburg

„Das war stark von Indra, wirklich“, sagt Martin Semmelrogge über die spontane Vertretung. „Das passt übrigens zu allen anderen Leuten hier in Hohenlimburg. Die Schlossspiele waren eine tolle Zeit. Der Freundeskreis Schlossspiele war sowas von reizend zu uns und das Schloss wurde abends immer so beeindruckend angestrahlt. Ich bin viel unterwegs, aber das ist mir unvergesslich.“

Am Sonntagabend zu seiner Abschlussveranstaltung ist Semmelrogge dann wieder in Hohenlimburg. Er plaudert vor Publikum aus dem Nähkästchen über die Dreharbeiten zum Welterfolg „Das Boot“ und verabschiedete sich mit dem Abend aus Hohenlimburg (ausführlicher Bericht folgt). Mit dem Auto geht es zurück nach Magdeburg. Seine Freundin und Managerin und die beiden Hunde im Gepäck. Diese Fahrt klappt auch im Dunkeln.

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